Archiv für: April 2005

13.04.05

Permalink 18:36:42, von Olaf, 200 Wörter, 629 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Einträge

Der Weg hierher

Auf dem Weg hier hier, heute morgen gegangen, war das Universum schräg wie immer: da fragte ich mich, ob die Blütenpracht, mit denen sich - im gerade anlaufenden Frühling - bereits einige Bäume zu schmücken verstehen, für mich überhaupt in der Form konsumierbar ist, wie ich es von einem heilen Organismus (der ich natürlich nicht bin) erwarte, will sagen: in seinem Qi-Feld stehen, sich durchdringen lassen und damit was anfangen können. Dann gibt es da noch die Müllfahrzeuge mit dem großen 'A' vorne dran, bezüglich derer ich annehme (ohne das recherchiert zu haben), dass sie von einem Anfänger (gibt es eigentlich Müllfrauen? Irgendwie nicht, oder?) gelenkt werden; und da ja jede erdenkliche Gruppe jeder erdenklichen Lebensform, noch bevor sie ans schöne Leben denkt, erst einmal Hierarchien ausbildet, gepaart mit den entsprechenden Insignien, die die gegebenen Position nach außen offenlegen (und die nur die nicht brauchen, deren Ausstrahlung eine materielle Manifestation locker überstrahlt, was denn erst richtig cool ist), fragte ich mich, ob der das besagte orangefarbene Fahrzeug lenkende Müllmann auch eines Tages stolz sein würde, das 'A' abzulegen. Wenn dem so ist, so ist zwischen ihm und dem Kanzler in dem für das Wohlbefinden einer Nation möglicher Weise wesentlichsten Punkt kein Unterschied.

09.04.05

Permalink 15:53:02, von Olaf, 233 Wörter, 633 Ansichten   German (DE)
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Das fehlende Glied

Vorhin, in der Männerdusche, sah ich, aus der Männersauna kommend, einen jüngeren, modern frisierten Mitsportler türkischer Herkunft, der mit einer Art Badehose (vielleicht war es auch seine Turnhose) unter dem Kaltwasserschwallspender (der bestimmt auch einen offiziellen Namen führt) stand, inmitten einer umfassenden Nacktheit der anderen Anwesenden. Die Basehose war halb herunter gezogen, so als wollte er einen Schritt in Richtung der üblichen Gepflogenheiten gehen, sich der mehrheitlichen Kultur annähernd, aber nur einen kleinen: sein (Jadestab? Penis? aber wir sind weder Chinesen noch Ärzte, und ihn einfach Börek zu nennen ist unter jedem Niveau) Ding blieb verhüllt. Wo all der anderen Männer Handtücher hängen, hing auch seines, zusammen mit einer frischen weißen Unterhose. Kulturelle, religiöse oder indoktrinierte (nicht unbedingt eine Aufzählung gleichrangiger Elemente, ok) Scham ist völlig in Ordnung (mal abgesehen davon, dass sie, wie vielfach gemeint wird, als Waffe gebraucht ein nicht unbeträchtliches Unterdrückungspotenzial besitzt), rührend fand ich nur den Versuch, sich ein wenig davon zu distanzieren. Was nicht funktioniert hat. Albern würde der Mensch aber erst (sich wandeln von Rührung zu Albernheit, die beide in mir, dem Beobachter stattfinden), wenn er nach erfolgtem Abtrocknen in seinen fetten BMW stiege und vor der nächsten roten Ampel nochmal volles Rohr (Rohr! das ist es!) beschleunigend, die Welt mit schaurigen Klängen aus basslastigen Boxen, durch kein geschlossenes Fenster gedämpft, zu beeindrucken versuchte (was wieder - aus der Sicht eines größeren Herzens als des meinigen - rührend wäre).

Permalink 09:10:03, von Olaf, 196 Wörter, 643 Ansichten   German (DE)
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Welt

Jeden Abend werde ich müder und mag immer früher ins Bett, egal was auf der Welt, die heute wieder in mir stattfindet, passiert (und so nicht in den stets schlimmen Nachrichten, von denen ich mich mit diesem einen Satz weggerechtfertigt habe, während eine tiefere Schicht in mir gar nicht erst an sie glaubt: diese Schicht mag eine Verwandtschaft zur Arroganz aufweisen, ist aber dennoch tiefer in jedem für mich relevanten Sinne des Wortes). Vor allem aber gibt es diese Nächte, in denen sich sowohl das mich umgebende als auch das mich enthaltenden als auch das aus mir geborene Universum gewisser Maßen natürlich seltsam erscheint, wie eine Struktur die es nicht geben dürfte: als wenn jene Momente, in denen ich das erfahre, mir die Möglichkeit eines Ausstiegs nahelegten: nicht im unsinnigen Sinne eines Suizids, sondern viel fataler, indem nämlich das Universum verschwindet und nicht "ich". In diesen Momenten, die auch immer mehr ins Wachbewusstsein hochgezogen werden können, verweile ich gerne. Warum? Erklärung des Tages ist: weil ich ("ich") hier nicht das Gefühl habe (erhalte, speichere, empfange, wahrnehme, erfahre, reingedrückt bekomme), aus der "Realität" heraus, sondern in sie hinein zu schwappen. Übrigens: die "Realität" ist eine klatschende Hand.

04.04.05

Permalink 12:01:46, von Olaf, 244 Wörter, 643 Ansichten   German (DE)
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Auto II

Zum ersten Mal fuhren wir auf den Spuren Fontanes mit dem neu erworbenen Auto, Hunderten von innerbundesländischen Touristen gleich, ins Brandenburgische, nach Stechlin. Ich weiß ja eigentlich gar nicht was es alles so gibt, schon gar nicht, dass in deutschen Landen solch eine Stille wie am Stechliner See existieren kann. Mir wurde Fontane dazu vorgelesen, und für einen Moment wurde ich meine Elterngeneration, wie sie bildungsbürgerliche Schwarten studieren, Geschichte, naheliegende Kulter konsumieren und das interessant finden (oder es tun weil es halt so ist und hassen, aber so wirkt das gar nicht) - schockierend, dass mir das auch so ging an diesem Sonntag Nachmittag. Meine Schläfen bekommen graue Strähnen (Freundinnen sagen allerdings, dies sei bei mir schon immer so gewesen), ich habe ein Auto, ich lese und genieße Fontane, den Wanderungen-durch-die-Mark-Brandenburg-Schrecken einer jeden märkischen Kindheit, beim Essen will ich Qualität (was sich in den NFL erst noch entwickelt), nur meine Schuhe und T-Shirts und wie es in meinem Zimmer aussieht erinnern noch an mein altes, eigentliches Wesen: und wenn dann schließlich die spirituellen taoistischen Werke, die chinesischen Texte, die buddhistische Philosophie und so fort von einer mein früheres Ich erschütternden lokalkolorierten Bibliothek gefressen werden, werde ich wissen: ich wurde transformiert, und das wird freiwillig geschehen sein.

Schweißnass erwache ich aus diesem Tagtraum. Vielleicht gibt es dennoch einen Weg, hin und wieder Fontane zu lesen und dennoch komisch zu bleiben im Sinne zweifelnder Kultur, und ohne sich anzuhören wie Kenneth White. Wie bequem alles Bequeme ist.

Olaf Schreibers Blog

So fängt es an: ich blogge. Es gab immer mal wieder ein paar Leute, denen der Ausfluss eines mit mir identifizierten Hirns gefallen hat, drum teste ich es mal so.

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