Archiv für: März 2005

30.03.05

Permalink 19:27:17, von Olaf, 954 Wörter, 844 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Einträge

Auto

Eigentlich bin ich gegen Autos. Immer schon. Hatte mal eins vor ein paar Jahren, aber das war ein einziger Stress: hin und wieder kaputt, verliehen und kaputt, Einbruch, Radio weg, noch ein Einbruch, Rucksack weg und dann nicht durch den TÜV. In der Zeit seiner Existenz hat es mehr Luft vernichtet als Freude gemacht.

Irgendwie dachte ich dann einige Jahre später, also jetzt, aus Indien zurück gekehrt und von Natur und Verfall durchdrungen, neu darüber nach, und als sich eine Gelegenheit bot, recht günstig ein recht zuverlässig wirkendes Gefährt zu erwerben und ausschließlich zu dem Zwecke zu verwenden, an den Wochenende Ausflüge ins Brandenburger Umland zu unternehmen, um sich von der Natur durchdringen zu lassen, bis es nicht mehr geht, griff ich, wie man so schön in bestimmten Kreisen, zu denen ich nun, als Autobesitzer, vielleicht auch gehöre, sagt, zu.

Ich habe ein Auto. Welches, wird nicht verraten, da ein Interesse daran in eine bestimmte Richtung weist, zu der ich nicht mehr sagen mag als "naja". Dieser Blogeintrag schildert den Behördengang und gehört damit wahrscheinlich in eine wohlberittene Klasse, weil derlei, ob seiner Harmlosigkeit, seines Solidarisierungspozenzials oder seiner Klatschhaftigkeit, gerne geschrieben und konsumiert wird (wobei mein Blog ja nicht konsumiert wird, also wird es nur geschrieben).

1. Fahrt: Auto anschauen, und weil die Vorbesitzerin so nett ist, durfte ich es mir testweise für ein paar Tage ausleihen. Fuhr gut, also
2. Fahrt: Kaufvertrag unterschreiben. Ausgefüllt war er bereits, und aufgrund des herrschenden Vertrauens war ich auch im Besitz aller Unterlagen einschließlich des Dingsbumsbriefes, der allein den Besitz im Sinne des Gesetzes bescheinigt. Auch erhalten habe ich einen Stapel mit HU, ASU und dergleichen, den ich nicht näher anschaute. Dann brauchten wir eine Versicherung, also suchte ich im Internet, dessen ich ja so mächtig bin, eine nahe gelegene Filiale aus, und weil es viel, viel billiger ist, hatte ich vor, den Wagen als Zweitwagen meiner Mutter anzumelden.
3. Fahrt: Zu meiner Mutter, um eine Vollmacht sowie ein paar Kopien von diesem und jenem zu erhalten. Dabei auch eine Blankovollmacht für alle Fälle.
4. Fahrt: Zu der besagten Filiale, die sich aber weit entfernt befand, weil der von mir angegebene Radius von 10 km in einer Stadt wie Berlin gar nicht wenig ist. Alle Unterlagen vorgelegt, stellte die Versicherungstante fest, dass die HU- als auch die ASU-Belege veraltet bzw. nicht vorhanden (jedenfalls nicht in korrekter Form) waren. Ein Anruf bei der netten Vorbesitzerin ergab eine Einsicht, dies könne im Falle der HU sein, die ASU sei aber dabei gewesen, das sei so ein kleiner Zettel. Den hatte ich wahrscheinlich verbummelt, weil es wie ein Einkaufsbon aussah. Weder die Plakette noch die Stempel noch die Rechnung über die ja definitiv gemachten HU und ASU reichten aus, es mussten diese bestimmten Formulare sein. Die Versicherungstante hatte eine Liste mit benötigten Dokumenten vor sich, die abgearbeitet wurde. Die Vorbesitzerin sicherte zu, sich um beides zu kümmern, und rief mich tatsächlich bald zurück mit der freudigen Nachricht, dass sie die ASU besorgt hätte und die HU in einer Werkstatt im Saatwinkler Damm abzuholen wäre, ob ich dies übernehmen könnte, was ich zusagte. Also fuhr ich gestern abend meine
5. Fahrt: Wieder zu der Vorbesitzerin, um den ASU-Bon abzuholen, und heute morgen meine
6. Fahrt: In den Saatwinkler Damm, wo das gesuchte rote Gebäude erst nach 45 Minuten zu finden war und ich dann nach weiteren 15 Minuten für nur 10 EUR einen weiteren Ausdruck der HU in Empfang nehmen konnte. Auf zur
7. Fahrt: Wieder zur Versicherungstante, diesmal mit allen Unterlagen. In die Blankovollmacht meiner Mutter hatten wir schon eingetragen, dass der AAD, der Autooderantragoderwasweißichabholdienst das Recht hätte, bei der Zulassungsstelle alles klar zu machen. Bis der Versicherungstante auffiel, dass Perso oder Reisepass meiner Mutter fehlten. Wieso sie mir das nicht gestern gesagt hätte, dass man das brauche, fragte ich, weil es gäbe Vollmachten und Kopie und alles. Tja, war die bescheuerte Antwort, das stünde doch hier auf der Liste, außerdem sei das bei öffentlichen Angelegenheiten immer so. Entschuldigen konnte sie sich nicht, nur vorweise, dass wir ja die Liste Stück für Stück abgearbeitet hätten, gestern sei es die HU und ASU gewesen, heute halt die Identifikation. Ich schiss also auf den AAD und fuhr frustriert von dannen. Die
8. Fahrt übernahm meine Mutter, dankenswerter Weise, die mir nach Kreuzberg mit der U-Bahn ihren Personalausweis brachte. Ich brach dann zur
9. Fahrt auf, zur Zulassungsstelle. Vorbei an ein paar Türken, die mir irgendwas anboten (vielleicht Versicherungen billisch), die Schilder kapiert, Wartezettel gezogen, mit allen Unterlagen zum Schalter eins, alles hingelegt und schon beinahe erwartet, dass was fehlte: diesmal war es die Vollmacht meiner Mutter: die von mir selbst am vorigen Tag ausgefüllte Blankovollmacht ermächtigte den AAD, den Papierkram zu machen, aber nicht mich. Ich konnte es nicht mehr fassen. Konnte ich nicht. Ich sei der Sohn meiner Mutter, dies sei meine Schrift auf der Vollmacht, hier sei der Perso, hier das, das, das: nischt! Die Frau da war dann irgendwann nett und stempelte mit ab dergestalt, dass ich morgen, auf meiner 11. Fahrt, gleich rankommen könnte. Aber gleich, wenn der elende Berufsverkehr, den ich gleich mit bilde, etwas schwächer geworden ist, breche ich zunächst auf zu meiner
10. Fahrt: Zu meiner Mutter, um einen Stapel Blankovollmachten zu holen (nichts mehr riskieren), und dann, morgen, auf meiner
11. Fahrt zu der befickten Zulassungsstelle wirklich alles vorzulegen.

Das wird nicht die letzte Fahrt gewesen sein. Irgendwann ist wieder TÜV, dann Reparatur, dann fährt mir einer rein, dann will wer was "kannste nicht mal kurz den Teppich dahin fahren, ich würde dich echt nicht fragen wenn's nicht total dringend wäre, dauert nur zwei Stunden".

Autos lohnen nicht. Man könnte immer Taxi und Bahn und Rad fahren und wäre schneller und glücklicher. Aber ist mal ein Versuch für eine Saison. Vielleicht kommen wir ein bisschen mehr raus aus der Stadt.

16.03.05

Permalink 11:34:30, von Olaf, 88 Wörter, 649 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Einträge

Müde

Müde: nichts Neues zwischen den Zeilen der Realität. Keine Idee, warum das Universum Erleuchtete wollen sollte, ob es sie überhaupt will, ob es eine andere Instanz gibt die sie will (irgendwelche GöttInnen) oder ob man sie (die Erleuchtung) dem Universum abtrotzen muss, mittels komplizierter Techniken: und dies ist jenseits von der Erkenntnis, dass alle Erleuchtung schon da ist und nur ein Perspektivwechsel nötig, nun gut, fragt sich halt in gleicher Manier wer oder was denn wohl diesen Perspektivwechsel will und warum ein "Schnipp" mit den Fingern nicht ausreicht.

14.03.05

Permalink 16:07:23, von Olaf, 207 Wörter, 612 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Einträge

Tägliche Empörung I

Empörung ist eine Emotion, die nur dann entstehen kann, wenn hinsichtlich eines wie auch immer gearteten Gegners eine falsche Erwartung besteht.

Einen Hase wird das gierige Verhalten eines ihn jagenden Fuchses nicht empören: er ist ein klarer Feind, dessen Motive in keiner Weise im Dunkeln liegen. Warum finden wir (jedenfalls die Guten unter uns) z.B. die US-Politik empörend?

Weil mit gespaltener Zunge gesprochen wird, seitens Vollidioten wie Bush und seiner Schergen: weil ihre Handlungen fast nie ihren Aussagen entsprechen: weil sich ihre mehrfach öffentlich geäußerten Ansprüche in Sachen Demokratie nicht in ihren Aktionen spiegeln: und letzlich: weil wir uns offensichtlich noch immer nicht an allgegenwärtige Lügen gewöhnt haben. Sieht man diese Leute als so eine Art Feinde, sollte eigentlich das Gefühl der Empörung verschwinden, man nicht mehr verarschbar sein und einen klareren Blick erhalten.

Weltpolitik ist eine Sache; in kleinerem, aber potenziell gefährlichem Rahmen (wohin geht unser Staat, wo ist er schon?) spielen sich solche wie im wunderbaren Telepolis erzählten Dinge ab, deren Empörungspotenzial eine Art seltsames Jucken hervorruft: "Dann kommen die Jungs, wo man nur die Augen sieht". Eigentlich wollte ich nur diesen Link unterbringen mit dem Geschreibsel über Empörung.

08.03.05

Permalink 14:00:43, von Olaf, 94 Wörter, 770 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Einträge

Berlin

Landet man nach einigen Tagen oder Wochen Absenz aus einem bunten fernen Land (im aktuellen Fall: Indien) in Berlin-Tegel, steigt dann nach der Entnahme des Gepäcks, das als letztes kommt, in den Einfachdeckerbus Richtung Osloer Straße und erreicht schließlich den Kurt-Schuhmacher-Platz (dessen Namenspatron sich im Grabe wälzen würde, sähe er das Geschehen vor Ort), sieht man sich erwartet von einer Legion sozial und genetisch (oder ist es nur ernährungstechnisch?) geschädigter Menschen jeden Alters, wobei der Schwerpunkt auf den 60 bis 95jährigen liegt. Irgendwer ernährt die.

Olaf Schreibers Blog

So fängt es an: ich blogge. Es gab immer mal wieder ein paar Leute, denen der Ausfluss eines mit mir identifizierten Hirns gefallen hat, drum teste ich es mal so.

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