Archiv für: 2005

27.12.05

Permalink 20:51:28, von Olaf, 42 Wörter, 690 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Laute Stille heute

Ein ruhiges Herz ist ein unruhiges Herz.
Kein Herz ist auch ein Herz.
Daher rede ich nicht mehr und sage ein Wort zuviel.
Kein Duidai ist auch Duidai. Hinaus gehen heißt innerhalb stehen.
Da kommt - ganz überraschend - ein Deutsches: abwarten, Tee trinken.

26.12.05

Permalink 14:47:16, von Olaf, 99 Wörter, 724 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Summe des Jahres

Zwischen den Tagen nicht viel Rauch: mit der Familie hat es prima geklappt: sumpfe ein wenig rum ohne Gewissen (in jedem Fall ohne schlechtes): draußen herrlicher Schnee lässt Zwang entstehen (rausgehen): finde mich mit dem Gefühl ab, im Leben keine Spur zu hinterlassen: warum auch: jede Schneeflocke ist einmalig und vergeht (und hier fällt wieder einmal auf, dass der Begriff "desselben" allzu menschlich daherkommt: an der Frage nämlich, ob eine zu einem späteren Zeitpunkt fallende Schneeflocke mit absolut identischer Kristallstruktur "dieselbe" Flocke ist wie die von gerade eben: nie ist etwas desselbe, nie verschieden: warum also eine Spur hinterlassen?).

15.12.05

Permalink 16:32:20, von Olaf, 139 Wörter, 725 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Ordnung

Ordnung und Unordnung sind wie ausgerechnet alle (ein Dauerbrenner, dieses Thema) allzu menschliche Begriffe: Ordnung ist eine Vorstellung: jeder Begriff selbst stellt bereits eine Ordnung dar: Ordnung hat eine Energie, z.B. in einem Zimmer: es gibt kein Attribut der Ordnung, das nicht auch eines der Unordnung ist: im Begriff der Ordnung liegen bereits alle menschlichen Irrtümer verborgen: in der Physik muss gelten, dass entweder die Zeit einen Anfang hat oder Entropie umkehrbar ist: selbst nach der besten Definition stehen Ordnung und Unordnung zueinander in einem quantitativen Verhältnis (die Mütter sollen sich also nicht so haben) auf einer linearen Skala (auch die Definition eines Qualitätssprungs ist wie immer willkürlich (was haben die Leute nur immer)): den Systemikern zu misstrauen (Nietzsche) und selbst auch nur eine einzige Aussage zu treffen ist nicht ganz sauber.

Lasst uns lieber im Unendlichen wandeln.

12.12.05

Permalink 05:57:54, von Olaf, 86 Wörter, 757 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Einträge

Bangkok 5 - Wien

Wien also: kein Verlängerter, sondern eine große Melange und eine Mozartkugel, vollkommen rund, wie das Universum: anders als unsere abgeplatteten, die eher an die Erde angelehnt sind. Ein freies WLAN in angenehmem Kontrast zu Tegel. Kaffee ist auch besser. Hole noch einen. Dann aus Heimweh nach Berlin. Als Fazit der Reise behaupte ich immer noch und sogar viel mehr, dass der aus den letzten Tagen nachklingende Luxus wohl angenehm ist, es mir letztlich aber nur um die Ruhe des Herzens geht als einen ersten Schritt zurück.

Tasse

11.12.05

Permalink 22:05:46, von Olaf, 498 Wörter, 757 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Einträge

Bangkok 4 - Airport

Bangkok Airport: weniger bekannt ist (nur Luxusspießer wissen das), dass es hier den Koon Beer Garden gibt, meines Wissens außer dem Parkhaus, in dem Bangkok Feeling für ein ganzes Jahr kodiert ist, und der zur Autobahn gewandten Airport Terasse der einzige (gerade kommt meine Kokosnuss, siehe Foto)
Kokos
(und auch der Som Tum Papaya Salad, Foto, mit soviel Knoblauch dass sich meine Flugnachbarn einen abfreuen werden)
Papaya
Ort ist, wo man draußen sitzen kann, ohne fucking air condition, neben echten tropischen Pflanzen und einem Springbrunnen: konzentriere mich aber nun auf's Essen (Fried Morning Glory arrives), quasi Henkersmahlzeit, wenn man mal Bangkok mit dem Leben gleichsetzt. -- Henkersmahlzeit beendet. Fresh Lemon Juice bestellt. Dreiviertel Stunde bis zum Einchecken. Was ich hier in Thailand gemacht habe, wird nicht gebloggt: nicht nicht, weil es mit dem zu tun hätte, was Bumsbomber (schreibt man das eigentlich mit 2 m?) nach der Landung alles so auskacken, sondern nicht, weil es mit Laudzi (Laotse) und dem, was aus seinen Worten geworden ist, zusammen hängt, und das ist zu verrückt für mein Blog. Durch die Scheiben ins Flughafengebäudeinnere sehe ich eine Lufthansacrew vorbeiziehen, mit teilweise blonden Zöpfen. Aus der offenen Küche dringt so eine Art thailändischer Discohiphop. Unheimlicher Lärm hier, oben genanntes Parkhaus ist nämlich gleich nebenan. Die letzten Minuten sind immer so komisch. So intensiv, aber von einer Intensität, die man nicht festhalten kann, aber auch nicht später abholen, vielleicht verschieben auf ein nächstes Mal (ja, ich weiß, irgendwo werden Leiber zerrissen, und ich kümmere mich um mein ruhiges Herz, wuwei und Erleuchtung). Die allermeisten Bediensteten hier werden niemals irgendwo hin fliegen. Kenne die Struktur des Universums nicht, aber der Möglichkeiten sind viele, was Gerechtigkeit angeht:
1. Es gibt keine. Alles geschieht irgendwie.
2. Ich habe in einem früheren Leben Verdienst angesammelt, das ich jetzt hier auf dem Airport Bangkok verbrate, weil ich mich bedienen lasse und kleine Tiere esse (im Papaya Salad sind kleine Krabben).
3. Ich habe auf der karmischen Skala eine gehobene Position erreicht, aber das Universum ist so, dass man nicht zurückfällt; im nächsten Leben könnte ich mal was Gutes tun und würde dann aufsteigen, vielleicht Engel werden oder sowas.
4. Ich zahlte und zahle zuweilen für mein Leben mit psychischen Schmerzen, die (wer kann das wissen) auf dem Karmakonto Punkte scheffeln wie Sau.
5. Die Art und Weise, wie ich mein Leben führe, ist eine saubere Sache: ich mache keine großen Fässer auf, die nachher hinderlich werden.
6. Ich muss nur Gott in letzter Sekunde um Vergebung all meiner Sünden bitten, dann ist alles ok.
Hm: irgendwie lassen sich alle Punkte zusammenfassen: entweder es gibt keine Gerechtigkeit, oder es ist nur der Mechanismus unklar. Wahrscheinlich ist (wenn ich diese anachronistische, undefinierbare Wort mal in solch einem kosmischen Zusammenhang illegitim einsetzen darf) es aber ganz anders. Denn vielleicht ahntet ihr es schon: ohne Gerechtigkeit gäbe es gar keine Ungerechtigkeit.

Noch eine gute Stunde, dann startet einer dieser verrückten Metallzylinder. Dann schlafe ich ein, wache vor Wien auf, nehme in Wien einen Verlängerten und lande in Berlin, der Stadt aller Städte.

10.12.05

Permalink 17:46:45, von Olaf, 114 Wörter, 757 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Einträge

Bangkok 3 - Jacuzzi

Nach verrückten 10 Tagen sitze ich wieder auf dem Dach des Pinnacle, dem Jacuzzi Pool entstiegen - Bangkok ist nicht so heiß wie immer Sommer, so dass sich das stille Sitzen im Wasser zeitlich begrenzt; den Laptop auf dem Schoß, weisen meine Füße über den Nachtmarkt, durch die Thai Boxing Arena (wo sie immer nicht verstehen, wieso wir Farangs nicht die ganze Zeit reinwollen), am Lumpini Park vorbei auf die besmogte Skyline. Links von mir auch Skyline; um mich never ending Lärm. Ein bisschen arbeiten, bevor dann alle (wer das genau ist, geht aus diesem Blog nicht hervor, Namen werden nicht genannt, auch keine folgerungsfähigen Inhalte) ein Abschiedsessen nehmen, wahrscheinlich eine Völlerei bei einem koreanischen BBQ.

Permalink 09:41:23, von Olaf, 24 Wörter, 781 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Nachrichten

Virtuelles Geld

Telepolis, einer der leuchtenderen Sterne am Webhimmel, ist permanent lesenswert. Nicht nur Wissenschaftliches und Politisch-Oekologisches, auch das Kuriose hat seinen Platz. Siehe hierzu hier.

06.12.05

Permalink 14:46:03, von Olaf, 264 Wörter, 719 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Einträge

Bangkok 2 - Nikolaus

Nikolaus: bin immer traurig bei solchen kindlichen Festen, wenn ich in der Ferne bin, besonders dann, wenn die Ferne nicht funktioniert wie erwartet. Als Kind und bei in diesem Punkt (dem der Erwartung?) unschuldig Gebliebenen funktionierte die Ferne eher immer (und wenn nicht, war die Enttäuschung glasklar, wie ein klirrender Wintermorgen (den es hier auch nicht gibt, nichts wird je in Bangkok klirren, was mit klarer Luft zu tun hat)): aber heutzutage ist das Geschäft mit der Erwartung, gleich welcher, einer Fatalität gewichen, die sich wie die altersbedingten Wehwehchen in die vergehenden Jahre (inzwischen zu Jahrzehnten geworden) webt: geboren teils aus der Überfrachtung unserer westlichen Leben, teils aber auch aus der langsam Legion werdenden Schar zischender Geister in unseren und um unsere Köpfe, die als Zwänge und erkannte - wirkliche, reale, realistische - Hoffnungsverlüste daherkommen und nicht mehr wegzuschicken sind: jedenfalls nicht mit den aus jüngeren Zeiten bekannten Methoden.

Ein Stück links von mir - ich sitze auf dem Dach des Pinnacle Lumpini Hotels in Bangkok, es ist angenehm nicht zu heiß - schnarcht einer der käuflichen Thai-Jungs, und das schlimmer als bislang von mir denkbar. Der schwule Engländer an meinem Nebentisch konzentriert sich auf seine Schwarte. Zum ersten Mal unterliegt der Bangkoker Verkehrslärm einem Menschen. Mein Blog wird nicht gelesen: hin und wieder finde ich in den Statistiken Klicks, die aufgrund einiger in diesem Absatz auftauchender Wörter aus der Ergebnisliste von Suchmaschinen erfolgt sind (ein Beispiel war in einem anderen Eintrag das Wort "Männerdusche"). Der schwule Engländer am Nebentisch macht es nicht mehr lange. Ich auch nicht. Wollte an einer Website arbeiten, aber ich gebe es auf.

01.12.05

Permalink 19:45:31, von Olaf, 67 Wörter, 754 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Einträge

Bangkok 1

Am Abend: Bangkok, endlich (noch hell bei uns): schon essen gewesen, auf dem Neppmarkt, an den bayerischen Bierstadln wo nur Thais sitzen und weiße Bierbäuche mit gemieteten Frauen: der Pool auf dem Dach hat schon zu (Enttäuschung): ansonsten alles vertraut: die Tastatur ist bekannt, die Wärme anders. Habe anscheinend nichts zu sagen: keine Logik hier, daher auch nichts zu Negieren: nichts für mich zum Tippen: gehe raus.

30.11.05

Permalink 19:30:00, von Olaf, 686 Wörter, 729 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Einträge

Im Flyer's

Weihnachtssterne im Flyer's (ein anderes heißt "Cockpit", das dritte - weiß nicht mehr, "Orchidee"? "Papagei"?): warte auf den Flug nach Wien, von dort nach Bangkok: pfeife auf dem letzten Loch, trotz Vorsicht hat mich die Erkältung erwischt wie alle anderen auch: mit all ihren Auswirkungen auf meine ohnehin schon niemals g(e)rade (im Gegensatz zu schräg) Wahrnehmung: denke nach über Würde und wie alles sich in Mustern ähnelt und in Momenten oder Epochen wiederholt: und wie der Gedanke, die Natur sei stets frisch und spontan in ihrer "Von-selbst-so-heit", sich in den Weihnachtssternen widerlegt: und wie es natürlich immer wieder ich ist der alles so sieht, ich, den es nicht gibt. Vorhin im Bus: dieselben Szenen wie auf jeder Fahrt hierher, Jugendliche kurz vor dem Eintritt ins rentenbeschaffende Alter mit ihren identischen Witzen, dem Spiel der Geschlechter (der Ausdruck "Spiel der Geschlechter", inzwischen Klischee, war bei seiner Einführung, bei seinem ersten Auftreten sicher nicht von schlechten Eltern). Hier: ein Inder räumt mit ernster (aber die Ernsthaftigkeit bezieht sich nicht auf seine Würde in der Arbeit) das Geschirr fort: Geschäftsleute sitzen vor ihren Zetteln, Handys, Laptops, ein Ei wie das andere: ich auch, ein Produkt von einer endlichen Anzahl einfließender Faktoren (auch das, natürlich, wie jede Logik, selbst die Logik der Zahl 2, die Logik der Zahl, wie jeder auch nur gehauchte Gedanke: eine Relativität, eine Beliebigkeit, ein Ich, ein Etwas, das tausendfach anders und genauso zwingend sein könnte): Ströme, ich sehe nur Ströme, dann keine Ströme mehr, wieder Menschen, Qi, Nichts, Nichtse, Liebenswertes: nur Klarheit ist die einzige Entität unter der Sonne, die sich nicht in meine schreibenden Finger verirrt.

Wollen mal sehen: für einen perversen Betrag kann man sich hier ins WLAN loggen: checke ich mal Mails und schreibe ein paar Worte.

Eine gute Stunde später: Wien: WLAN war Verscheißerung: hat nicht geklappt, bzw. nur eine Sekunde und dann weg: den Betrag buchen sie aber sicher ab. Was soll ich noch viel denken? Sekundenweise scheint alles klar: so ist es mit der Gnade: jede Erkenntnis eigentlich nur Gnade: kommt irgendwie rein (geht aber auch irgendwie wieder raus): jede Erkenntnis situations-, typen-, wertesystem-, kultur-, zeit-, orts- und sowieso abhängig: mit Verfallsdatum: denn irgendwie kommt es niemals - niemals! - auf die das Ergebnis der Erkenntnis, d.h. sozusagen ihren Inhalt, an: wenn überhaupt, dann auf den Prozess (also die "Erkenntnis" selbst): aber was heißt schon ankommen (außer: in Bangkok, erkältet).

Irgendwo werden Leiber zerrissen.

Die Witze über die Menschen als intelligente Wesen (bzw. die Tatsache, dass diese Zuweisung einen Witz darstellt) basieren alle auf dem Spiel mit dem Unterschied zwischen der Einzelnen, die wirklich intelligent sein kann, dem Einzelnen, dem dieses Attribut vielleicht einen Tick weniger zukommt, und der Masse, die schlicht und ergreifend nicht intelligent ist. Das gilt schon ab ca. zwei Menschen. Für die Kumulation von Intelligenz gelten andere Gesetze als für die von etwa Wasser: die Intelligenz ein geschickt geführten Stammes, deren Akkumulation also ein Stück weit geglückt ist, kann sich zum Beispiel bei Hinzutreten (der Intelligenz) eines anderen geschickt geführten Stammes Annullieren (hm: Null wäre immerhin nicht Minus wie heutzutage auf Erden).

Es kommt aus der Natur, zumindest aus dem, was vor dem Menschen war, dass die Menschen sich so prügeln: insofern sind wir gar nicht schuld an unserem eigenen Untergang. Der Mensch aus der Natur - Verantwortung, was für ein schwachsinniger Begriff: man könne also Dinge tun, für die man niemals die Verantwortung übernehmen könne (Hitler oder so, Gott scheiße auf seine Asche), dann gäbe es Fälle in denen jemand die Verantwortung für einen Vorgang übernähme oder auch nicht: welcher Prozess geht da ab?: im Ergebnis, ok, da steht sie oder er dann dafür ein und zahlt die Zeche oder nicht: aber schwupps haben wir schon wieder einen Begriff, den wir als psychischen Stoff denken: von da ist es nicht weit zur Schuld (und schwupps hat man das Christentum: hier ist sie sogar erblich).

Immer noch Wien: hier in Österreich wie in Schwaben liegen Verniedlichungskulturen vor, das glaubt man kaum. Zuckerl. Der hier (ich bin schon wieder in einem Flughafencafé) abräumende Ostasiate sagt mir (vielleicht weil ich klar kein Österreicher bin): "it's finished: close." Ich gehe.

20.11.05

Permalink 11:29:23, von Olaf, 35 Wörter, 722 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Nachrichten

Spatz erschossen für Domino-Weltrekord

Mit diesem Eintrag beginnt eine neue Unterkategorie von "Tägliches", die ich als Speicher für Nachrichten der dinglichen Welt, die mich irgendwie berührt haben, nutzen möchte.

Hier ist die erste, die von dem erschossenen Spatz:
Netzeitung

Permalink 11:16:57, von Olaf, 170 Wörter, 655 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Die unendlichen Grade Fremdheit - Horizonte - nicht einmal mehr Grade

Mache ich mir - wie an so vielen ruhigen Sonntagen - klar, wie nah das Fremde, wie in ausgerechnet jedem Ding ein Alien steckt, gehe ich zunächst durch ein turbulentes Chaos und werde dann recht ruhig (niemals ganz ruhig, sonst bräuchte ich nicht unter Benutzung alter chinesischer Methoden danach streben (streben-sterben)): nur Zentimeter entfernt ist das Fremde in den vertrautesten Gegenständen, Menschen, Worten: im Grunde ist das Fremde im als fremd Erkannten (z. B. Thais) näher als im Vertrauten: denn natürlich ist "Fremd" nur ein Gefühl: für "fremd" und "nicht fremd" sind die Möglichkeiten einer unabhängigen Existenz, wie sie sich für Teekannen oder auch Atome wenigstens noch denken lässt (wenn man nicht zu genau denkt), quasi nicht mehr gegeben. Wieso gibt es dann diese Wörter? Nur wegen der feindlichen Stämme, die wir einst im Busch waren, oder wegen unbekannter giftiger Pflanzen?

An Sonntagen wie diesem denke ich da anders: "fremd/nicht-fremd" sind als Kategorien dem Menschen immanent: ohne sie kein Mensch. Wieso die menschliche Fähigkeit zu einem Gefühl mit genau dieser Qualität?

Permalink 11:01:24, von Olaf, 369 Wörter, 689 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Wie ich die Welt sehe (Heute: Interpolationen, Systeme und Ego)

Gedanke und Nicht-Gedanke gleich. Ströme, Felder, Energien, Interaktionen, die gleichzeitig auch keine sind, sondern in dem leeren Raum zwischen meinen Augen und meinem Hirn entstehen und von meinem Herzen bewertet werden: und dies geschieht aufgrund seiner Struktur: Löcher, die sich füllen wollen, Speicher, die sich entladen wollen ("Wollen" wie Gravitation in der Physik). Meine Sicht der Dinge ist, meine Welt, mein Weltbild, ist wenigstens tertiär, wahrscheinlich aber viel, viel weiter außerhalb dessen, was fälschlich "Selbst" genannt wird: schwankend verortet: die dicke Fettschicht einer wild gewachsenen Psyche bestimmt Inhalt und Form meiner "Sicht": ihrerseits werden die Filter und Ströme der dicken Fettschicht erzeugt und laufend verändert von einem Drinnen, das "ich" von einem Draußen betrachte: "Schon-Da-Seiendes": die Quelle, die innerhalb des willkürlichen, sich laufend ändernden "Ich-Perimeters" alle Dinge erzeugt.

Die Details kenne ich nicht: einerseits geht "Kennen", "Wissen" nicht in der Weise, wie es naiv interpoliert wird, andererseits ist der Blick nach Innen verstellt, vernebelt, verborgen: das erste, und nur das erste, Hindernis ist hier das Wort - die Idee - "Innen" selbst. "Wissen" ist eine Idee. "Selbst" ist eine Idee. "Innen" ist eine Idee. Der Begriff der "Idee" ist eine Idee. Die Möglichkeit der Verwendung von Gänsefüßchen, die ein Wort im weitesten Sinne als "nicht ganz so gemeint" kennzeichnet, ist nur ein Element aus einer Mannigfaltigkeit, von welchen die größten unter uns vielleicht zehn oder zwanzig kennen.

Jedes umfassende System - jedes System ohne Außen, also jedes von Philosophie angestrebte - besteht aus fiktiven Inhalten, Grenzen und Verbindungslinien: der erste Fehler ist, die Natur der Grenzen, der zweite die der Verbindungslinien zu vergessen, die alle Teil des Systems sind: äußere Begriffe wie "System" und "Teil" sind ebenfalls Teil des Systems.

Beinahe alles Geschaute, Geschriebene, Gedachte ist Interpolation, deren Wesen sich immerhin zuweilen feststellen lässt: Zwischenmenschliches basiert darauf: Bewunderung, sich Hochziehen, Mitgefühl, Opfereinschätzung. Eigentlich lächerlich: was sich alles aus der Manipulation der Interpolationsfunktion der Psychen unserer Mitmenschen saugen lässt: das ist das ubiquitäre Ego-Spiel.

Münden deswegen jene Philosophien, die sich mit dem Denken selbst befassen und Kategorie um Kategorie auflösen, wenn sie nicht stehenbleiben, in Chan (Zen)? Oder gibt es einen Abzweig, den ich nicht sehe, weil er hinter dem Horizont eines Raumes, den ich nicht kenne, liegt? Ich würde es so gerne wissen.

17.11.05

Permalink 07:35:03, von Olaf, 29 Wörter, 701 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Skandhas

Manchmal hasse ich Skandhas, manchmal hoffe ich auf Skandhas, manchmal liebe ich Skandhas.

(Manchmal will ich ein Ich, manchmal fürchte ich es, manchmal bin ich froh keins zu besitzen).

05.11.05

Permalink 11:19:42, von Olaf, 112 Wörter, 721 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Tage, flüssig, schräg und schön...

...und wodurch? Was macht alles so anders als meine Volksseele erwartet? Kommt die Andersheit aus derselben Quelle wie die Erwartung? Oder ist die Erwartung gesund und die Flüssigkeit, Schrägheit, Schönheit eine polymorphe Perversion, vielleicht die eines mit zu vielen Absichten gelebten Lebens? Oder eines (gemessen an welchem, von wem stammenden Maßstab) ungelebten, nicht ausreichend gelebten Lebens? Welche Form haben unsere Herzen wirklich (den absoluten irdischen Begriff der Form fassen wir mal als breit angelegte Metapher einer bislang fiktiven, nicht metaphierbaren Nicht-Größe ohne Möglichkeit einer positiven Definition auf)? Ist diese Frage dieselbe wie "Was ist?" oder "Was ist der Fall?"? Oder, wenn die Nicht-Antwort [ab hier nicht mehr sagbar und deswegen wohl beendet]

01.11.05

Permalink 11:20:52, von Olaf, 123 Wörter, 741 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Nie Balance

Balance hat es in meinem (schon dieser Ausdruck ein Hohn) nur gegeben, als ich noch nicht darüber nachgedacht hatte: als ich überhaupt noch nicht gedacht hatte: oder diesen Ausdruck nicht kannte: Nebenfiguren bevölkerten meine Welt, Schauplätze ohne Geschichte, ohne Plan, ohne Absicht: danach wurde alles "schräg" (daher: "Balance"): "stimmte" nicht mehr: nie mehr. "Traumhaft" trifft es nicht, "theaterhaft" auch nicht: dazu sind die Dinge zu nah, zu unmittelbar: aber dennoch irgendwie falsch: als schwebte ein Aufwachen in einer mittelbaren Zukunft (diese jedoch ohne den Aspekt der Zeitlichkeit, die in dem Wort wohnt): geboren, dieser Körper, dieser Geist, diese Gedanken, Gefühle, Freunde, Farben, Meinungen: und nicht "meins", nicht einmal das hier Sprechende ist "Ich"; Buddha meint: "nicht identifiziere ich mich mit [dem ganzen Zeug].

30.10.05

Permalink 11:59:08, von Olaf, 5 Wörter, 756 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Einträge

Autismus-Links

Permalink 10:02:24, von Olaf, 218 Wörter, 687 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Wie immer nichts

Zeitumstellung: als löste sich die Zeit nicht ohnehin mit jedem Schritt aus unserer Wahrnehmung, wenn sie Umgebung wird und sich von uns trennt: was manchmal ist unser Schmerz dann nicht mehr unser Schmerz (was - ehrlich wie wir sind - uns dann wichtiger ist als wenn die Freude diesen Weg geht: diesen Weg des Verschwindens): nur noch Schmerz, wie ein Blatt (Herbst ist's) oder halt Wind oder ein Stück abgefetzter Autoreifen, extern: und in der Tat, wo sollen sie sich wie unterscheiden (oder identisch sein), wo endet ein Körper (unserer oder der eines Blattes)? Und mehr (Begriffe) geht den Weg des Blattes, des Schmerzes, des Körpers: "Eins", "Viele", "der Fall Sein" - dass selbst "der Fall Sein" endet, sich als unscharfe Betrachtung entmündigt, als ebenso undefinierbar wie weniger tief implementierte Sichten.

O wie sie mich hin zu sich zieht, die Brille der Undefinierbarkeit: und warum nur? - ist sie da wieder, die alte Erlösungshoffnung? - schaut hinter aller Dekonstruktion doch wieder eine Engelin hervor?

Jeden Tag einen Begriff auflösen (siehe hierzu auch hier), auch solche wie "Solche" (das Ähnlichkeitskonzept), "auch" (auch Ähnlichkeitskonzept), "wie" (auch wieder Ähnlichkeitskonzept), "Ding" (Trennungs- vs. Identitätskonzept), "möglich" (Realitäts- vs. Idealitätskonzept), "Realität - Idealität" (Konzeptskonzept), "Konzept" (Realitäts- vs. Idealitätskonzept): und sich nicht fragen, wieso es günstig (und "günstig" nicht hinterfragen) ist, diesen Prozess mit stiller Beschaulichkeit oder spontaner Bewegungsmeditation zu unterstützen.

25.10.05

Permalink 18:34:10, von Olaf, 132 Wörter, 675 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Regen, Katastrophen, Sein, Welten, Nichts

Schräge Nebeneinanderherheit der Welten: ohne Berücksichtigung des seltsamen, aber wie kein anderes kulturbestimmenden Gegensatzpaares "eingebildet" und "real" binde ich mich an alle meine Welten nacheinander: die Liebe (bin ich zusammen?), die Arbeit (werde ich überleben und dabei anerkannt und glücklich sein?), das Heim (da kehre ich immer hin zurück, es ist gemütlich und sicher, und wenn ein anderer Mensch da mit mir ist, muss ich mich vertragen), den Schrecken (Kindersoldaten, Wirbelstürme, Hunger, Vogelgrippe, Elend, Verenden, Merkel, Töten, Hassen), das Alles-Nichts (Meditation, Suche, Verschwinden, Verschmelzen), der Ausdruck (Musik, Blog, Diskussion): hin und wieder ziehe ich eine heraus und ziehe sie vor, hin und wieder halte ich eine für die einzige und wichtigste: hin und wieder bin ich bewusst und halte sie alle nebeneinander, außerhalb, gleich wichtig: nie bin ich alle: immer wandere ich.

22.10.05

Permalink 13:35:45, von Olaf, 502 Wörter, 750 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Einträge

Another Tag

Während weiterhin jeder Versuch, die beiden entscheidenden Winkel meines Lebens (die Schräglage der Welt und die Schräglage meines Was-auch-immer-Ich-Seele-Psyche-Skandha-Komplexes) in eine fruchtbare Geometrie zu überführen, scheitert, verweigere ich mich dem Versuch derartiger Sinnsuche und führe die Inputs dieses Tages ungeordnet (denn jede Ordnung ist Lüge) auf.

Den Anfang macht eine der vielen Bankkonten-Revitalisierungs-Mails, die sich eigentlich alle aufzuheben lohnen, denn das, was von unserer Zivilisation übrig bleiben wird, sind die Ergebnisse von Übersetzungsprogrammen (und Atommüll). Hier die frische Ware von heute:

"Sehr geehrte Kundin,
Sehr geehrter Kunde,

Unser Land ist in eine schlechte Lage mit on - line - Banking geraten, deswegen wurde uns empfohlen, alle on - line - Konten von unseren Kundschaften der Bank zu kontrollieren, um die "Tageskonten" festzulegen, die von den T.tern gebraucht werden, um von den Konten unserer Kunden die gestohlenen Geldmittel waschen zu k.nnen.

Wir bitten unsere Kundschaften darum, ein Kontobest.tigungsformular, das sich auf unserer offiziellen Web-Seite ist, auszuf.llen.Die Konten, die bis zum 28.10.05 darauf nicht vermerkt werden, werden bis zur Feststellung der Bedingungen ihrer Er.ffnung und Ausnutzung blockiert. Dieser Kontrolle werden sich sowohl die Privatkunden, als auch die Firmenkunden unterzogen.

Wir bitten Sie daher, ein speziells Formular einer zus.tzlichen Autorisation auszuf.llen..

Diese Sicherheitsmassregeln wurden nur zum Schutz der Interessen unserer Kunden eingesetzt.

Danke für die Zusammenarbeitarbeit,

Administration der Sparkasse Global"

Hier findet man sie alle ganz sauber. Kaum zu fassen, dass Leute darauf reinfallen. 4 Milliarden Jahre Evolution in den Orkus.

"Wilma" ist der aktuelle Wirbelsturm, der stärkste aller Zeiten, so sagt man. Und im Amazonasbecken herrscht Trockenheit, es sterben die Fische massenhaft. Ich versuche zu entscheiden, ob es zuende geht oder doch nicht, ob sich die Muster zur Mutter aller Katastrophen (in US-Amerikanischer Diktion, die bei einem eventuellen Untergang des Menschen gottlob auch mit verreckt) verdichten oder wir einer verinnerlichten christlichen Mythologie aufsitzen (andere kranke Beispiele sind Schuld und Sünde), Endzeitszenarien. Für das sterbende Individuum sollte das eigentlich keine Rolle spielen (so oder so tot), aber da wir nicht wissen, was ein Individuum eigentlich sein soll (was natürlich daran liegt, das wir es selbst definiert haben und diesen Fakt dann vergessen (was natürlich - wir werden niemals müde es zu betonen - für alle anderen Begriffe auch gilt)), werden wir hier auch nichts folgern können.

Es ist ein wenig billig, auf die Verrücktheit der täglichen Nachrichten und stündlichen Spams abzuheben. Da wir ohnehin immer Mustern und Zeichen folgen, sollten es andere System auch tun: lasst uns welche suchen: das Wetter (danke!); Sprache; Menschen (wie sie aussehen mit ihren Mündern wie Wunden, Körperöffnungen wie Verletzungen, Speichel, Flüssigem und Festem, Gasförmigem, Atem, Furzen, wie kann man das schön finden, danach streben: Urbuddhismus (Haut abziehen)); Sonne (wer ist sie eigentlich?); Wahrnehmung als solche; usw.

Trotzdem funktionieren, die äußeren Schichten des unbegrenzten Ich-Systems die tägliche Arbeit (und später das Sterben - feige?) erledigen lassen, essen, schlafen: Hirn und Herz darinnen spüren und schwimmen lassen und frei schwingen: die falsche Frage "Sein oder nicht Sein" eines englischen Autors entlarven und eine saubere Formulierung entgegensetzen:

Sein und nicht Sein.

20.10.05

Permalink 18:29:40, von Olaf, 11 Wörter, 831 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Einträge

Heute kein Eintrag

Heute gibt es - wie an anderen Tagen auch schon - keinen Eintrag.

19.10.05

Permalink 17:47:16, von Olaf, 200 Wörter, 663 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Tiger

Sinnfreiheit stiftend, die Tanne bügelnd, ein neuer Tag im goldenen Herbst, Klinke putzend, Gedanken waschend, ein Ende, eine Tante, ein Wald. Im Schatten einer Großmacht, der größten: der eigenen Wahrnehmung; deren Minister: die Ideen, Vorurteile, Prägungen, Wünsche, Begehren: wartend, auf eine eigene Größe vielleicht, einen Erlösungsengel, eine Vision, eine Beruhigung: schreitend, denselben Pfad oder einen anderen, egal: jedenfalls einen möglichen: sich in einer möglichen Welt bewegend, einer Welt, die durch ihre Möglichkeiten eingeschränkt ist, der a priori eine Langeweile immanent ist (oder wird, wenn wir noch nicht lange genug gelebt haben und die Tatsache eines Möglichkeitenhorizonts uns fremd ist): das Unmögliche suchend, oder das Nichts: die Einsicht des Möglichkeitenhorizonts zu einer Kraft verfeinern: Kraft genug, den Schritt ins Nichts zu tun (ohne zu sterben (ohne zu leben: jedenfalls wie bisher)): fallen: wieder Tannen putzen, nun aber goldene Tannen, die schon immer glänzen: oder nicht putzen: oder putzen und nicht putzen oder nicht putzen und nicht nicht putzen oder ignorieren oder nicht mal das oder: keine nenn-, denk- oder erfassbare Handlung vollziehen (und ebenso nicht deren Negation): Dinge des Alltags tun: abwaschen (oder in den Geschirrspüler stellen): und das keineswegs langsamer als früher (aber auch nicht unbedingt schneller oder genauso schnell).

Permalink 11:20:28, von Olaf, 147 Wörter, 701 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Tage sinnvoll verbringen

Für manche ist "Was tun" keine Frage: die Zeit strukturiert sich von selbst, natürlich: andere messen, und die Natur der Latten ist mannigfaltig an sich: für manche ist das Schreiben eines Buches valide im Sinne eines "sinnvoll" verbrachten Zeitraums, Kreativität allgemein gilt als relativ einfach validierbar: ebenso die Zubereitung von (biolgisch angebauter) Nahrung, besonders für andere Menschen: überhaupt "andere Menschen": ein Wert an sich, kaum hinterfragbar: wir haben also schon mal "Kreativität" und "andere Menschen": kommt hinzu "Natur", entweder dort sein oder sie schützen: "Arbeit", sehr gesellschaftlich, in vielen Kreisen stets valide, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß: Sport weit weniger, zum Beispiel, oder Musik (hören, nicht machen): "Lernen", wunderbar, ohne die Frage nach dem Zweck (dessen Validität sich wiederum aus der Menge der anderen Mitglieder der Menge der Sinne ergeben müsste, was in so manchem Fall der Fall ist).

Sinnvalidität führt zu Zufriedenheit, diese zu gesundem Blutdruck.

15.10.05

Permalink 21:02:41, von Olaf, 156 Wörter, 673 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Wie ist das alles zu bewerten?

Wilde Theorien über die Welt (die ganze, der Fall seiende, nicht die physikalische, nicht die der Psyche, nicht die der Liebe) kreuzen in Hirn und Seele, ändern sich als Funktionen des Herzens (der Freude, des Leidens, der Kultur, der individuellen und kollektiven Phantasie): und hier sind ein mal paar:
- alles ist gut und wir sind hier um zu lernen
- eigentlich ist alles eins und wir sind Wir als getrennte und wollen zurück: also ist alles eher schlecht
- alles ist neutral, physikalisch, daoistisch
- alles ist weder eins noch nicht eins noch weder eins noch nicht eins noch sowohl eins als auch nicht eins, buddhistisch
- alles ist vollkommen anders als jede Möglichkeit der Wahrnehmung einschließlich des Denkens (und einschließlich der Möglichkeit zur Validierung dieses Satzes)
- alles ist gut, nur die Menschen sind schlecht
- alles ist schlecht, nur Gesetze schützen uns ein wenig, und Naturwissenschaften
- noch ist alles schlecht, aber irgendwann ist Himmel

Wer findet noch ein paar Tausend?

Permalink 00:32:50, von Olaf, 188 Wörter, 653 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Gibt es "Geben"? - ein Pamphlet gegen Vorurteile

Erst lernen wir (in unserem philosophischen oder meditativen oder buddhistischen oder taoistischen Diskurs), dass es kein Rot "gibt" (oder verlernen Rot, nachdem wir es als Kleinlinge mit allen anderen Dingen - Vorurteilen - gelernt haben): dann verlernen wir (im Sinne der letzten Klammer), genauer werdend, dass es Objekte des Riechens, Schmeckens, Hörens, Fühlens, Sehens und Denkens gibt (wobei wir letzteres noch nicht sofort erfassen): dann verlernen wir Eindrücke wie Raum, später Zeit: und heute verschwinden Dinge wie Ströme, Konglomerate, Anordnungen, Ideen: und dann Systeme: Zusammenhänge (nicht die zwischen irgendwelchen Dingen erster oder n-ter Ordnung, sondern "Zusammenhänge" selbst, der Begriff, dass "etwas" mit "etwas anderem" zusammenhängt, und zwar nicht nur, weil die Unterscheidung (die wir längst verloren haben, ebenso wie die Identität) zwischen "etwas" und "etwas anderem" nicht trägt, sondern die Idee des Zusammenhangs als solchem sich als Vorurteil vor uns stellt (später auch hinter und zwischen uns)): Ichs: Verortungen im weitesten Sinne: Sinn: Geben (Existieren): vielleicht noch ein paar mehr, und dann endet es wie eine Reise nach Jerusalem, wobei allerdings die Stühle die Vorurteile waren und wir auf dem Boden des vorurteilslosen Nichts landen, der immer noch da ist.

13.10.05

Permalink 12:23:53, von Olaf, 139 Wörter, 831 Ansichten   German (DE)
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Wetter, Bewertung

Draußen: deutscher Herbst. Manche: schlecht, ach die Wärme geht; manche: gemütlich, alle Jahreszeiten ok. Die Jahreszeiten gehen nach und nach kaputt, was am traurigsten ist (neben dem Massensterben von Mensch, Tier und Pflanze): komische, heiße oder kalte oder regnerische Sommer, die ohne herbstllichen Übergang in einen klebrigen Winter schwenken. Eigene Befindlichkeiten mischen sich mit der Befremdung (für manche: Scham) über den Zustand der Welt, den wir noch aus der Kindheit kennen und der sich so lange anders darstellte (auch wenn die Apokalypse viele hundert Jahre alt ist und sich regelmäßig meldet, in Pest, Krieg, Gottesgericht und Kohlendioxid): heil nämlich: alles Perspektive: auch die Perspektive ist Perspektive und wird ihrerseits bewertet, zum Beispiel mit Moralkeulen ("herzlos") oder Intelligenztests. Mögliche Antworten: nicht mitmachen (da melden "die" sich wieder und sagen: "man macht doch immer mit"): cool sein: uncool sein: nicht antworten.

Permalink 08:38:49, von Olaf, 618 Wörter, 678 Ansichten   German (DE)
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Wie es auch nicht ist

Ein Ball - im All, schwebend, zwischen anderen: auf diesem bewegen sich bunte Punkte, lokale Intensitäten (über regionale (Völker, Stämme, Arten) und globale (Gaia, Kollektive) wird spekuliert), begrenzte unterschiedliche Grade an Freude und Schmerz, Angst und Lust, Unbekanntem und Bekanntem: bunte Punkte verbinden sich zu größeren, zerfallen, schlucken kleinere, zerstören andere, erhöhen andere, füllen, nehmen, verbinden sich: manchmal (in perfider, weil unerkennbarer Regelmäßigkeit) zerschlagen regionale Intensitäten andere regionale Intensitäten, um die lokalen Intensitäten ein wenig dicker zu machen, für eine Zeit (schwankende Intensität, besser: Einflussfaktor für die Stärke aller drei Intensitäten zu einem sogenannten von ihr selbst gegebenen Punkt): dann, in genauso perfider (aber als solches von den lokalen Intensitäten nicht wahrgenommener) Regelmäßigkeit, schlägt die globale Intensität eine Lücke in das Patchwork lokaler und regionaler Intensitäten (von denen sich manche nach dem Warum fragen, andere nicht: alle Antworten sind verschieden) ein, die bunten Punkte werden grau oder verlöschen: andere bunte Punkte suchen den Schmerz der geschlagenen bunten Punkte lokal zu lindern (warum?), wieder andere sehen einen Weg, ihre eigene Intensität zu erhöhen, dicker zu werden (auch darum, zweiten Grades: dicker werden). Regionale Intensitäten kontrollieren lokale Intensitäten (oder versuchen es), einzelne lokale Intensitäten haben manchmal erheblichen, erstaunlichen Einfluss auf regionale Intensitäten (und steigend auch auf die globale Intensität, auch hier aber niemals vollständig, erst recht nicht), selten einen aus der Sicht der meisten lokalen Intensitäten guten (darum dürfen die anderen lokalen Intensitäten, die Mehrheit, auch nur begrenzt eingekoppelt werden, müssen stellenweise zerschlagen werden, getäuscht, geleert): alle Intensitäten haben ihre eigenen Regeln, die seltsam - sehr seltsam - voneinander entkoppelt scheinen: lokale Intensitäten suchen nach Regeln auf der Ebene einer jeden Intensität, je nach Interesse bevorzugen sie die eine oder andere: manche vermuten Kopplungen, andere sind nicht interessiert: bei manche sind die lokalen Intensitäten Sklaven der regionalen, bei manchen sind lokale und regionale oder auch nur die regionalen Sklaven der globalen: manche sehen die regionale konstituiert auch lokalen, manche auch die globale: manche glauben an die Steuerbarkeit der regionalen oder gar der globalen Intensitäten durch die lokalen: "manche" sind hier immer lokale Intensitäten: lokale Intensitäten setzen sich zusammen aus noch lokaleren Intensitäten bis hin zu mikroskopischen, zellulären: oder auch Organen: oder auch Seelen, Herzen, Geistern: manche sind schon immer mehrere, mannigfaltig, manche halten sich besser als andere: manche regionale Intensitäten verlieren Teile, die dann zu - oft kreativen, oft mächtigen - subregionalen Intensitäten werden: manche hoffen auf ein Einsehen der globalen Intensität: manche hoffen auf weise, gutmütige lokale Intensitäten von außerhalb der globalen Intensität: manche erwarten sich alles von ihrer jeweiligen regionalen Intensität, manche nichts, manche hassen sie, auch anstelle einer nicht hassbaren andere lokalen Intensität: manche suchen ihre Intensität zu erhöhen, manche wollen aus dem Kampf der Intensitäten aussteigen (es sei ihnen respektvoll zugestanden, dies nicht als die Suche nach der Erhöhung ihrer Intensität zu sehen (einer speziellen, siehe unten)): manche sind verwirrt, manche haben Teilmengen in ihren Wahrnehmungs- und Denkapparaten, die eine hinreichende Konsistenz aufweisen (sie halten sie in der Regel für vollständig, bis auf einen zugestandenen, aber niemals genauen abgeschiedenen Bereich, den sie einer überglobalen Intensität zuschreiben).

Die Intensitäten selbst sind ebenfalls multiple, haben stets selbst Intensitäten, zerfallen und binden sich, haben Farben, Formen, Attribute, Werte, und diese Intensitäten wiederum haben Intensitäten: niemand (von den lokalen Intensitäten ersten Grades (wir führen "Grade" ein, stets der Anfang vom Ende) jedenfalls) kennt ein Ende: niemand einen Anfang: niemand auch nur ein Konzept für ein Ende und einen Anfang (wie können wir auch auf große Dinge übertragen, von den großen Dingen erwarten, was wir letztlich aus dem Kino und von der Wurst kennen?): niemand kennt mehr als die aus den Intensitäten gebildeten Formen und Farben, gebildet von Intensitäten innerhalb der Intensitäten (aber deswegen nicht weniger intensiv als die berühmtesten der Intensitäten, die "Intensitäten an sich").

13.04.05

Permalink 18:36:42, von Olaf, 200 Wörter, 703 Ansichten   German (DE)
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Der Weg hierher

Auf dem Weg hier hier, heute morgen gegangen, war das Universum schräg wie immer: da fragte ich mich, ob die Blütenpracht, mit denen sich - im gerade anlaufenden Frühling - bereits einige Bäume zu schmücken verstehen, für mich überhaupt in der Form konsumierbar ist, wie ich es von einem heilen Organismus (der ich natürlich nicht bin) erwarte, will sagen: in seinem Qi-Feld stehen, sich durchdringen lassen und damit was anfangen können. Dann gibt es da noch die Müllfahrzeuge mit dem großen 'A' vorne dran, bezüglich derer ich annehme (ohne das recherchiert zu haben), dass sie von einem Anfänger (gibt es eigentlich Müllfrauen? Irgendwie nicht, oder?) gelenkt werden; und da ja jede erdenkliche Gruppe jeder erdenklichen Lebensform, noch bevor sie ans schöne Leben denkt, erst einmal Hierarchien ausbildet, gepaart mit den entsprechenden Insignien, die die gegebenen Position nach außen offenlegen (und die nur die nicht brauchen, deren Ausstrahlung eine materielle Manifestation locker überstrahlt, was denn erst richtig cool ist), fragte ich mich, ob der das besagte orangefarbene Fahrzeug lenkende Müllmann auch eines Tages stolz sein würde, das 'A' abzulegen. Wenn dem so ist, so ist zwischen ihm und dem Kanzler in dem für das Wohlbefinden einer Nation möglicher Weise wesentlichsten Punkt kein Unterschied.

09.04.05

Permalink 15:53:02, von Olaf, 233 Wörter, 695 Ansichten   German (DE)
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Das fehlende Glied

Vorhin, in der Männerdusche, sah ich, aus der Männersauna kommend, einen jüngeren, modern frisierten Mitsportler türkischer Herkunft, der mit einer Art Badehose (vielleicht war es auch seine Turnhose) unter dem Kaltwasserschwallspender (der bestimmt auch einen offiziellen Namen führt) stand, inmitten einer umfassenden Nacktheit der anderen Anwesenden. Die Basehose war halb herunter gezogen, so als wollte er einen Schritt in Richtung der üblichen Gepflogenheiten gehen, sich der mehrheitlichen Kultur annähernd, aber nur einen kleinen: sein (Jadestab? Penis? aber wir sind weder Chinesen noch Ärzte, und ihn einfach Börek zu nennen ist unter jedem Niveau) Ding blieb verhüllt. Wo all der anderen Männer Handtücher hängen, hing auch seines, zusammen mit einer frischen weißen Unterhose. Kulturelle, religiöse oder indoktrinierte (nicht unbedingt eine Aufzählung gleichrangiger Elemente, ok) Scham ist völlig in Ordnung (mal abgesehen davon, dass sie, wie vielfach gemeint wird, als Waffe gebraucht ein nicht unbeträchtliches Unterdrückungspotenzial besitzt), rührend fand ich nur den Versuch, sich ein wenig davon zu distanzieren. Was nicht funktioniert hat. Albern würde der Mensch aber erst (sich wandeln von Rührung zu Albernheit, die beide in mir, dem Beobachter stattfinden), wenn er nach erfolgtem Abtrocknen in seinen fetten BMW stiege und vor der nächsten roten Ampel nochmal volles Rohr (Rohr! das ist es!) beschleunigend, die Welt mit schaurigen Klängen aus basslastigen Boxen, durch kein geschlossenes Fenster gedämpft, zu beeindrucken versuchte (was wieder - aus der Sicht eines größeren Herzens als des meinigen - rührend wäre).

Permalink 09:10:03, von Olaf, 196 Wörter, 705 Ansichten   German (DE)
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Welt

Jeden Abend werde ich müder und mag immer früher ins Bett, egal was auf der Welt, die heute wieder in mir stattfindet, passiert (und so nicht in den stets schlimmen Nachrichten, von denen ich mich mit diesem einen Satz weggerechtfertigt habe, während eine tiefere Schicht in mir gar nicht erst an sie glaubt: diese Schicht mag eine Verwandtschaft zur Arroganz aufweisen, ist aber dennoch tiefer in jedem für mich relevanten Sinne des Wortes). Vor allem aber gibt es diese Nächte, in denen sich sowohl das mich umgebende als auch das mich enthaltenden als auch das aus mir geborene Universum gewisser Maßen natürlich seltsam erscheint, wie eine Struktur die es nicht geben dürfte: als wenn jene Momente, in denen ich das erfahre, mir die Möglichkeit eines Ausstiegs nahelegten: nicht im unsinnigen Sinne eines Suizids, sondern viel fataler, indem nämlich das Universum verschwindet und nicht "ich". In diesen Momenten, die auch immer mehr ins Wachbewusstsein hochgezogen werden können, verweile ich gerne. Warum? Erklärung des Tages ist: weil ich ("ich") hier nicht das Gefühl habe (erhalte, speichere, empfange, wahrnehme, erfahre, reingedrückt bekomme), aus der "Realität" heraus, sondern in sie hinein zu schwappen. Übrigens: die "Realität" ist eine klatschende Hand.

04.04.05

Permalink 12:01:46, von Olaf, 244 Wörter, 699 Ansichten   German (DE)
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Auto II

Zum ersten Mal fuhren wir auf den Spuren Fontanes mit dem neu erworbenen Auto, Hunderten von innerbundesländischen Touristen gleich, ins Brandenburgische, nach Stechlin. Ich weiß ja eigentlich gar nicht was es alles so gibt, schon gar nicht, dass in deutschen Landen solch eine Stille wie am Stechliner See existieren kann. Mir wurde Fontane dazu vorgelesen, und für einen Moment wurde ich meine Elterngeneration, wie sie bildungsbürgerliche Schwarten studieren, Geschichte, naheliegende Kulter konsumieren und das interessant finden (oder es tun weil es halt so ist und hassen, aber so wirkt das gar nicht) - schockierend, dass mir das auch so ging an diesem Sonntag Nachmittag. Meine Schläfen bekommen graue Strähnen (Freundinnen sagen allerdings, dies sei bei mir schon immer so gewesen), ich habe ein Auto, ich lese und genieße Fontane, den Wanderungen-durch-die-Mark-Brandenburg-Schrecken einer jeden märkischen Kindheit, beim Essen will ich Qualität (was sich in den NFL erst noch entwickelt), nur meine Schuhe und T-Shirts und wie es in meinem Zimmer aussieht erinnern noch an mein altes, eigentliches Wesen: und wenn dann schließlich die spirituellen taoistischen Werke, die chinesischen Texte, die buddhistische Philosophie und so fort von einer mein früheres Ich erschütternden lokalkolorierten Bibliothek gefressen werden, werde ich wissen: ich wurde transformiert, und das wird freiwillig geschehen sein.

Schweißnass erwache ich aus diesem Tagtraum. Vielleicht gibt es dennoch einen Weg, hin und wieder Fontane zu lesen und dennoch komisch zu bleiben im Sinne zweifelnder Kultur, und ohne sich anzuhören wie Kenneth White. Wie bequem alles Bequeme ist.

30.03.05

Permalink 19:27:17, von Olaf, 954 Wörter, 901 Ansichten   German (DE)
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Auto

Eigentlich bin ich gegen Autos. Immer schon. Hatte mal eins vor ein paar Jahren, aber das war ein einziger Stress: hin und wieder kaputt, verliehen und kaputt, Einbruch, Radio weg, noch ein Einbruch, Rucksack weg und dann nicht durch den TÜV. In der Zeit seiner Existenz hat es mehr Luft vernichtet als Freude gemacht.

Irgendwie dachte ich dann einige Jahre später, also jetzt, aus Indien zurück gekehrt und von Natur und Verfall durchdrungen, neu darüber nach, und als sich eine Gelegenheit bot, recht günstig ein recht zuverlässig wirkendes Gefährt zu erwerben und ausschließlich zu dem Zwecke zu verwenden, an den Wochenende Ausflüge ins Brandenburger Umland zu unternehmen, um sich von der Natur durchdringen zu lassen, bis es nicht mehr geht, griff ich, wie man so schön in bestimmten Kreisen, zu denen ich nun, als Autobesitzer, vielleicht auch gehöre, sagt, zu.

Ich habe ein Auto. Welches, wird nicht verraten, da ein Interesse daran in eine bestimmte Richtung weist, zu der ich nicht mehr sagen mag als "naja". Dieser Blogeintrag schildert den Behördengang und gehört damit wahrscheinlich in eine wohlberittene Klasse, weil derlei, ob seiner Harmlosigkeit, seines Solidarisierungspozenzials oder seiner Klatschhaftigkeit, gerne geschrieben und konsumiert wird (wobei mein Blog ja nicht konsumiert wird, also wird es nur geschrieben).

1. Fahrt: Auto anschauen, und weil die Vorbesitzerin so nett ist, durfte ich es mir testweise für ein paar Tage ausleihen. Fuhr gut, also
2. Fahrt: Kaufvertrag unterschreiben. Ausgefüllt war er bereits, und aufgrund des herrschenden Vertrauens war ich auch im Besitz aller Unterlagen einschließlich des Dingsbumsbriefes, der allein den Besitz im Sinne des Gesetzes bescheinigt. Auch erhalten habe ich einen Stapel mit HU, ASU und dergleichen, den ich nicht näher anschaute. Dann brauchten wir eine Versicherung, also suchte ich im Internet, dessen ich ja so mächtig bin, eine nahe gelegene Filiale aus, und weil es viel, viel billiger ist, hatte ich vor, den Wagen als Zweitwagen meiner Mutter anzumelden.
3. Fahrt: Zu meiner Mutter, um eine Vollmacht sowie ein paar Kopien von diesem und jenem zu erhalten. Dabei auch eine Blankovollmacht für alle Fälle.
4. Fahrt: Zu der besagten Filiale, die sich aber weit entfernt befand, weil der von mir angegebene Radius von 10 km in einer Stadt wie Berlin gar nicht wenig ist. Alle Unterlagen vorgelegt, stellte die Versicherungstante fest, dass die HU- als auch die ASU-Belege veraltet bzw. nicht vorhanden (jedenfalls nicht in korrekter Form) waren. Ein Anruf bei der netten Vorbesitzerin ergab eine Einsicht, dies könne im Falle der HU sein, die ASU sei aber dabei gewesen, das sei so ein kleiner Zettel. Den hatte ich wahrscheinlich verbummelt, weil es wie ein Einkaufsbon aussah. Weder die Plakette noch die Stempel noch die Rechnung über die ja definitiv gemachten HU und ASU reichten aus, es mussten diese bestimmten Formulare sein. Die Versicherungstante hatte eine Liste mit benötigten Dokumenten vor sich, die abgearbeitet wurde. Die Vorbesitzerin sicherte zu, sich um beides zu kümmern, und rief mich tatsächlich bald zurück mit der freudigen Nachricht, dass sie die ASU besorgt hätte und die HU in einer Werkstatt im Saatwinkler Damm abzuholen wäre, ob ich dies übernehmen könnte, was ich zusagte. Also fuhr ich gestern abend meine
5. Fahrt: Wieder zu der Vorbesitzerin, um den ASU-Bon abzuholen, und heute morgen meine
6. Fahrt: In den Saatwinkler Damm, wo das gesuchte rote Gebäude erst nach 45 Minuten zu finden war und ich dann nach weiteren 15 Minuten für nur 10 EUR einen weiteren Ausdruck der HU in Empfang nehmen konnte. Auf zur
7. Fahrt: Wieder zur Versicherungstante, diesmal mit allen Unterlagen. In die Blankovollmacht meiner Mutter hatten wir schon eingetragen, dass der AAD, der Autooderantragoderwasweißichabholdienst das Recht hätte, bei der Zulassungsstelle alles klar zu machen. Bis der Versicherungstante auffiel, dass Perso oder Reisepass meiner Mutter fehlten. Wieso sie mir das nicht gestern gesagt hätte, dass man das brauche, fragte ich, weil es gäbe Vollmachten und Kopie und alles. Tja, war die bescheuerte Antwort, das stünde doch hier auf der Liste, außerdem sei das bei öffentlichen Angelegenheiten immer so. Entschuldigen konnte sie sich nicht, nur vorweise, dass wir ja die Liste Stück für Stück abgearbeitet hätten, gestern sei es die HU und ASU gewesen, heute halt die Identifikation. Ich schiss also auf den AAD und fuhr frustriert von dannen. Die
8. Fahrt übernahm meine Mutter, dankenswerter Weise, die mir nach Kreuzberg mit der U-Bahn ihren Personalausweis brachte. Ich brach dann zur
9. Fahrt auf, zur Zulassungsstelle. Vorbei an ein paar Türken, die mir irgendwas anboten (vielleicht Versicherungen billisch), die Schilder kapiert, Wartezettel gezogen, mit allen Unterlagen zum Schalter eins, alles hingelegt und schon beinahe erwartet, dass was fehlte: diesmal war es die Vollmacht meiner Mutter: die von mir selbst am vorigen Tag ausgefüllte Blankovollmacht ermächtigte den AAD, den Papierkram zu machen, aber nicht mich. Ich konnte es nicht mehr fassen. Konnte ich nicht. Ich sei der Sohn meiner Mutter, dies sei meine Schrift auf der Vollmacht, hier sei der Perso, hier das, das, das: nischt! Die Frau da war dann irgendwann nett und stempelte mit ab dergestalt, dass ich morgen, auf meiner 11. Fahrt, gleich rankommen könnte. Aber gleich, wenn der elende Berufsverkehr, den ich gleich mit bilde, etwas schwächer geworden ist, breche ich zunächst auf zu meiner
10. Fahrt: Zu meiner Mutter, um einen Stapel Blankovollmachten zu holen (nichts mehr riskieren), und dann, morgen, auf meiner
11. Fahrt zu der befickten Zulassungsstelle wirklich alles vorzulegen.

Das wird nicht die letzte Fahrt gewesen sein. Irgendwann ist wieder TÜV, dann Reparatur, dann fährt mir einer rein, dann will wer was "kannste nicht mal kurz den Teppich dahin fahren, ich würde dich echt nicht fragen wenn's nicht total dringend wäre, dauert nur zwei Stunden".

Autos lohnen nicht. Man könnte immer Taxi und Bahn und Rad fahren und wäre schneller und glücklicher. Aber ist mal ein Versuch für eine Saison. Vielleicht kommen wir ein bisschen mehr raus aus der Stadt.

16.03.05

Permalink 11:34:30, von Olaf, 88 Wörter, 705 Ansichten   German (DE)
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Müde

Müde: nichts Neues zwischen den Zeilen der Realität. Keine Idee, warum das Universum Erleuchtete wollen sollte, ob es sie überhaupt will, ob es eine andere Instanz gibt die sie will (irgendwelche GöttInnen) oder ob man sie (die Erleuchtung) dem Universum abtrotzen muss, mittels komplizierter Techniken: und dies ist jenseits von der Erkenntnis, dass alle Erleuchtung schon da ist und nur ein Perspektivwechsel nötig, nun gut, fragt sich halt in gleicher Manier wer oder was denn wohl diesen Perspektivwechsel will und warum ein "Schnipp" mit den Fingern nicht ausreicht.

14.03.05

Permalink 16:07:23, von Olaf, 207 Wörter, 683 Ansichten   German (DE)
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Tägliche Empörung I

Empörung ist eine Emotion, die nur dann entstehen kann, wenn hinsichtlich eines wie auch immer gearteten Gegners eine falsche Erwartung besteht.

Einen Hase wird das gierige Verhalten eines ihn jagenden Fuchses nicht empören: er ist ein klarer Feind, dessen Motive in keiner Weise im Dunkeln liegen. Warum finden wir (jedenfalls die Guten unter uns) z.B. die US-Politik empörend?

Weil mit gespaltener Zunge gesprochen wird, seitens Vollidioten wie Bush und seiner Schergen: weil ihre Handlungen fast nie ihren Aussagen entsprechen: weil sich ihre mehrfach öffentlich geäußerten Ansprüche in Sachen Demokratie nicht in ihren Aktionen spiegeln: und letzlich: weil wir uns offensichtlich noch immer nicht an allgegenwärtige Lügen gewöhnt haben. Sieht man diese Leute als so eine Art Feinde, sollte eigentlich das Gefühl der Empörung verschwinden, man nicht mehr verarschbar sein und einen klareren Blick erhalten.

Weltpolitik ist eine Sache; in kleinerem, aber potenziell gefährlichem Rahmen (wohin geht unser Staat, wo ist er schon?) spielen sich solche wie im wunderbaren Telepolis erzählten Dinge ab, deren Empörungspotenzial eine Art seltsames Jucken hervorruft: "Dann kommen die Jungs, wo man nur die Augen sieht". Eigentlich wollte ich nur diesen Link unterbringen mit dem Geschreibsel über Empörung.

08.03.05

Permalink 14:00:43, von Olaf, 94 Wörter, 820 Ansichten   German (DE)
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Berlin

Landet man nach einigen Tagen oder Wochen Absenz aus einem bunten fernen Land (im aktuellen Fall: Indien) in Berlin-Tegel, steigt dann nach der Entnahme des Gepäcks, das als letztes kommt, in den Einfachdeckerbus Richtung Osloer Straße und erreicht schließlich den Kurt-Schuhmacher-Platz (dessen Namenspatron sich im Grabe wälzen würde, sähe er das Geschehen vor Ort), sieht man sich erwartet von einer Legion sozial und genetisch (oder ist es nur ernährungstechnisch?) geschädigter Menschen jeden Alters, wobei der Schwerpunkt auf den 60 bis 95jährigen liegt. Irgendwer ernährt die.

19.01.05

Permalink 09:38:07, von Olaf, 134 Wörter, 828 Ansichten   German (DE)
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Wechselseitigkeit

Für Buddha ist jeder normale Mensch ein Buddha, für einen normalen Menschen jeder Buddha ein normaler Mensch.

Auf der Fahrt durch Berlin heute (da gab es einen die Straße runterstinkenden Fettentfernungs-LKW vor dem Riesendönerladen am Hackeschen Markt, eine tuckelnde Straßenbahn wo drauf stand "Wrrrruuum, Metro", Leute die sich mit dem Fahrrad an der roten Ampel vor einen stellen, obwohl man sie grad mit Faktor 3 überholt hat, BMWs mit passenden Leuten drin, die noch schnell die letzten Meter zur Kreuzung alles aus ihrem Ding holen, und noch vieles mehr) war wieder klar: ein Verrückter sieht in jedem normalen Menschen einen verrückten, ein normaler Mensch in jedem verrückten einen normalen Menschen (nur dass natürlich in Wirklichkeit alle normalen Menschen verrückt sind und alle Verrückten normal).

05.01.05

Permalink 21:18:10, von Olaf, 82 Wörter, 642 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Klischees und Egoismen

Klischees und Egoismen: gibt für jede menschenbezogene Existenz (Satz, Person, Handlung, etc.) eine Perspektive, aus der diese Existenz ein Klischee ist: gibt für jedes Motiv der Seinswelt eine Perspektive, aus der sie egoistisch ist: das verinnerlicht (aber wer hat das schon für mehr als 5 Minuten, und ich rede nicht von Zynismus), überleben nur wenige Bücher und Ansichten: die anderen drehten sich (Imperfekt, weil sie ja nun tot sind) um eines der beiden in diesem klischeehaften Egoblog erstgenannten Substantive.

03.01.05

Permalink 21:33:34, von Olaf, 563 Wörter, 818 Ansichten   German (DE)
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Blog, Tsunami, Zynismus

Was alles so nichts passiert in dieser sinnlich wahrnehmbaren, erfundenen Welt (in der nirwanösen Welt passiert auch nichts - beinahe per definitionem - aber da macht es nichts, weil nicht gejagt wird (wohingegen sich hier jedes Geschehen auf die Jagd nach irgend etwas abbilden lässt)): nicht, dass den 120.000 Toten und den davon über 1.000 deutschen Toten der Tsunami nichts passiert ist, und ich werde mich jedes Zynismusses enthalten (oder heißt es "jeden Zynismusses"?), jedenfalls über die Sache selbst, die wie absolut jeder Tod (außer vielleicht denen von Adolf Hitler und George W. Bush und dem aller Nutztiere) ein betrachtungstechnisches, relativitätsimmunes Tabu darstellt, Leid, über das man nicht reden kann: aber da dies ein Blog ist und weltweit so allerhand Unsinn in Blogs verscherbelt wird (wie heute zu lesen war, schreiben 7% der USlerInnen Blogs, aber 60% wissen nicht, was das ist), kann ich also schwadronieren und, ohne vergleichen zu wollen, sowohl auf die deutschen 5.000 jährlichen Autototen hinweisen, auf die religiös misshandelten Frauen, die "Hochwasser"opfer in Bangladesh und ohne Ende so weiter, um, wie es vielfach auch geschieht, eine Lanze für die Willkür des medial betrachteten Leides zu brechen, die Wahrheiten, die für uns halbe Menschen aufgestellt werden, und einfach mal (ungerechtfertigt, natürlich, aber was ist Recht, was gerecht, und wann ist es fertig?) zu kotzen. Einfach kotzen. Dann wieder zurück auf den behutsamen Weg ins Nirwana, das Nirwana, das ja hier schon ist, dass wir schon erreicht haben, es nur nicht wissen.
Wenn ich auf meine eigentlich nicht offiziell Teil des gemieteten Wohnbereichs seiende Außentoilette gehe, die kein Licht hat und von der gegenüber liegenden Häuserwand einzusehen ist, so dass ich auch das Treppenhauslicht nicht an mache, um bei leicht oder schwer geöffneter Tür etwas zu sehen, bin ich nach Ende der Abenddämmerung entweder gezwungen, mich zu setzen (wie es Abermillionen von Aufklebern und lustigen Ausdrucken und auch handgeschriebenen, buntstiftcolorierten Zettelchen in Abermillionen von deutschen und undeutschen Haushalten auch fordern wegen der sonst entstehenden Spritzer, die dann trocknen und Urinstein hinterlassen und irgendwann: Bahnhofsklo), was aber wegen der Kälte, die mit der frühen Dunkelheit einhergeht, astronomisch-meteorologisch wohl begründbar, nicht angenehm ist, du bist müde, willst es schnell weg haben, willst nicht aufwachen, oder aber ich pisse im Stehen, wie - ja! - Milliarden Männer auf der ganzen Welt: und wenn ich das tue, bin ich auf Streulichtreflexe angewiesen, die den Urinstrahl für Bruchteile einer Sekunde aufblitzen lassen, erstaunlicher Weise genug für eine Ortung (die 4 Milliarden Jahre Evolution waren doch nicht ganz für die Katz'), dann noch auf das Geräusch des auf den im Klobecken stehende Klowasser aufschlagenden Urins, der die Ortung präzisiert, oder ich benutze das neben dem Klo stehende Geschenkpapier, das übrig geblieben ist und das ich für das nächste Weihnachten dort deponiert habe, als Triangulationshilfe, jedenfalls wenn der erste Strahl daneben geht und man genau das zu erwartende Geräusch hört, jenes Prasseln auf Geschenkpapier, oder wenn, wegen eines Haares auf dem Ausgang, der Strahl sich spaltet und macht was er will. Ich werde das Geschenkpapier nicht mehr für seinen vorgesehen Zweck nutzen, außer wenn der Zynismus der Bevölkerung nicht nur gewohnt pervers, sondern über alle Grenzen mutiert und grassiert.
Krass: in Blogs kann man alles machen, und niemand wird es je lesen.

Olaf Schreibers Blog

So fängt es an: ich blogge. Es gab immer mal wieder ein paar Leute, denen der Ausfluss eines mit mir identifizierten Hirns gefallen hat, drum teste ich es mal so.

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