Archiv für: Dezember 2004, 05

05.12.04

Permalink 00:33:18, von Olaf, 639 Wörter, 711 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Wichtig

Was ist wirklich wichtig?
Welche Kriterien suche ich mir dafür aus?
Welche werden für mich ausgesucht?
Von wem? Oder was?
Ist sie (die Wichtigkeit nämlich) mehr ein psychischer Zustand oder mehr ein gesellschaftliches Regularium von der Sorte, die einem die Eltern aufdrücken?

Abgesehen davon, dass Wichtigkeit, wie (gähn) alle anderen Begriffe auch eine menschliche Erfindung ist (und - gähn - die Frage "was ist" eigentlich immer heißen muss "was meinst du mit"), ist sie und (hohoho Sprachwitz) meistens nicht so wichtig. In unserem Motivationscocktail spielt sie eine eher untergeordnete Rolle (die Knaller sind 1. vor allem der dunkle, unbekannte Bereich (wir "machen" einfach, wenn auch ohne dass es dem "Nichthandeln" im taoistischen Sinne näher verwandt wäre (ein entfernter Verwandter ist es allerdings schon)), 2. die unmittelbare (z.B. Fress-)Lust, 3. die Angst usw.

Die meisten - heftig was die (wir ist "die"? na die da oben, die Göttinnen und Götter und Buddha und so oder die SpieleprogrammiererInnen) mit uns machen - möglichen Kriterien für "Wichtigkeit in meinem Leben" kann ich gar nicht so recht kennen. Da sind zum Beispiel so Sachen wie das Ewige Leben, das ich mit ein wenig Pech gar nicht in die Wiege gelegt bekam, sondern mir irgendwie verdienen muss, ohne dass es eine überzeugende, auf meiner geistigen Entwicklungsstufe (R. Steiner würde hier schreiben: Entwickelungsstufe) verständliche oder auch mit vertretbarem Einsatz erschließbare Anleitung gäbe (einschließlich der Antwort auf die Frage, wozu das denn nun wieder wichtig sei, das Ewige Leben: weil sich ja die tiefere Frage sofort wieder anschließt: was ist denn wichtig im Leben? (aber wir hätten erstmal ein wenig mehr Zeit das herauszufinden als diese popeligen plusminus 80 Jahre, in denen wir meistens auch noch so viel anderes zu tun haben, das auch wichtig ist)). Das ist wie mit dem Fortpflanzen und dieser leicht debilen Verlautbarung, dass das Erzeugen von Nachkommen der erschlagende Sinn im Leben sei - die Frage nach der Wichtigkeit wäre aus dieser Sicht wie ein Schwarzer Peter weitergegeben.

Eine legitime Antwort - eine keineswegs aussagelose Problemverschiebung beinhaltend - wäre: "Sinn ist wichtig": und auf die Frage nach dem Sinn des Lebens (und seine vielen Folgen: "Sinn von 'außen' gegeben" oder "Sinn macht man sich selbst" etc.) kann die Antwort "Spaß wollen wir haben, Annehmlichkeiten fühlen" kaum übertroffen werden: die Idiotie des menschlichen Daseins kann dann nur noch darin bestehen, die albernen Freuden des Alltags für das Nonplusultra zu halten oder an falschen, weil unerreichbaren, Vorstellung von der Quelle der zu einen passenden Lust festzuhalten. Wichtig wird dann das, was zu "Sinn", d.h. Spaß an der Freude führt: und sekundär wichtig wird eine gewisse Einsicht in die Struktur des Universums (oder die Entwicklung eines entsprechenden Instinktes, da das mit der Einsicht in die Struktur des Universums immer so eine Sache ist), mit der sich der wirkliche, unübertreffliche (aber wie kann ich das wissen?) Spaß an der Freude erreichen lässt. Dafür gibt es dann wieder Wege, Weisheiten, Schulen und Religionen.

Hm, das bringt nichts Neues, alles. Weiß auch nicht wie ich auf die Frage kam. Mich beschäftigt eher, wie ich diese bohrende Unruhe wegkriege, die mir vorgaukelt, dass ich was versäume im Leben, wenn ich nicht dies und jenes mache. Wie man Kindern eine Gute-Nacht-Geschichte vorliest, so wollte ich der unbekannten Quelle dieser Unruhe wohl was erzählen von Wichtigkeit, um sie zum Schweigen zu bringen mit der Erkenntnis, dass sich nicht nur jeder Produktions-, sondern auch jeder geistig-seelische Prozess operationalisieren lässt und dass es - weil im Bereich der Operationalisierung alles eins ist - deswegen gar nicht wichtig sein kann, was im Detail nun erlebt wird und was nicht. Spaßoptimierung ist schon ein mühevolles Geschäft: am besten man steigt hier und jetzt aus dem Spiel aus.

Permalink 00:33:03, von Olaf, 498 Wörter, 712 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Authentizität

Ist Authentizität perspektivabhängig? - will sagen: gibt es sie als solche überhaupt, als "Ding an sich"? - und wenn: was soll sie sein? Was ist Ehrlichkeit, was ist der Maßstab dafür? Ist er irgendwo im Universum, oder eine "Selbst"-unabhängige Instanz in einem selbst (wo immer wir genauer schauen, zerfallen alle Begriffe in nichts; das ist nur ein weiteres schönes Beispiel)(und was ist - wie immer dieselbe Frage, dieses ominöse "Selbst"?)(man kann es nicht oft genug sagen: ausgerechnet alle Begriffe werden von ausgerechnet allen Menschen (außer einigen wenigen mit Schweigegelübte und einer unbekannten Anzahl Insassen einschlägiger psychiatrischer Kliniken) sehr, sehr leichtfertig gebraucht (und dennoch kann - unter Zuhilfenahme quasi "energetischer" oder intuitiver Elemente - sinnvoll diskutiert werden (wenn das Ziel der Diskussion nicht - ganz albern - "Recht Haben" ist und darüber hinaus kein Zwang zur Klärung einer Frage im gegebenen paradigmatischen System gegeben (oder selbst auferlegt) ist, sondern lediglich die Grenzen von systemeigenem Denken und systemeigener Begrifflichkeit gefunden werden sollen)))? Oder steckt er - die einfachste, aber leider in der Ergiebigkeit eingeschränkteste Version - in einer teils geschriebenen, teils ungeschriebenen gesellschaftlichen Übereinkunft? Dann wäre die subtile gefühlsmäßige Qualität von Authentizität ein Produkt von Stammesevolution: auch gut.

Im ersten Fall zeige man mir die Instanz (ein Mann mit Rauschebart? aber wer ist dann dessen Instanz? Oder das (welches bitte genau?) Nichts? aber wie könnte es über derlei urteilen?), die entscheidet über die - von mir aus auch - Aufrichtigkeit einer Aussage; oder die - von mir aus auch - Ernsthaftigkeit einer Handlung; oder wie lauter eine Seele ist; oder wie "ehrlich" eine Hilfeleistung. Was (in seiner wahren Form mit seinem wahren Inhalt vermittels seiner Eigenschaft als - von mir aus - "Objektive Instanz an sich")!

Im zweiten Fall (wir erinnern uns: "sei treu dir selbst gegenüber"), wenn der Maßstab mir der authentizitätsmäßig zu validierenden Person entweder zusammenfällt oder geistig, seelisch oder im Fleische in irgend einer Weise verknüpft ist: ist die Frage beinahe dieselbe. Das handelnde Selbst (yeah! sic! was ist das!) wird nicht selbst den Maßstab für Echtheit bilden, sonst wäre absolut alles "ok" (oder ist vielleicht genau das der Fall, und "Alles ist erlaubt", weil es "eigentlich" kein Verbot gibt?). Aber wir entfernen uns weg von der ursprünglichen Frage hin zu jenem Wabbelwesen, das gewöhnlich als "Moral" bezeichnet wird und hier nicht gemeint ist (aber auch sehr, sehr interessant und sauber zerlegbar - aber Dekonstruktionsarbeit ist für beinahe alles und jedes bereits geleistet worden und - trotz ihrer schwerlich leugbaren Verwandschaft zu vorliegenden Texten - selten mein Thema).

Was also ist der zweite Pol, zwischen dem und "mir" die Möglichkeit einer Spannung besteht, wenn ich im weitesten Sinne handle? Bitte ankreuzen:
o Gesellschaft
o Irgendwo in meinem biologischen Fleische
o Irgendwo im (kollektiven?) Unbewussten
o Gibt es nicht, ist alles weder erlaubt noch verboten und damit erlaubt
o Jenseits des Dualen und damit für meinen Verstand Erkenn- und Benennbaren

Olaf Schreibers Blog

So fängt es an: ich blogge. Es gab immer mal wieder ein paar Leute, denen der Ausfluss eines mit mir identifizierten Hirns gefallen hat, drum teste ich es mal so.

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