Archiv für: Dezember 2004

31.12.04

Permalink 10:11:00, von Olaf, 370 Wörter, 677 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Gewissen

Elend, Armut, Systeme, Korruption, Gier, und dann das Gewissen: handle, gib: der Vorwurf, du machtest das nur, um dein Gewissen zu beruhigen: die Überlegung, was das Gewissen sei, ob es nicht genau jenes regulierende Etwas im menschlichen (nur dort? - nein, ich hörte von Hunden: oder ist es bei ihnen die mimisch geschickt umgesetzte Angst vor Strafe?) Organismus sei, das via Emotion zum Herstellen einer sozialen Balance animiere (Animus, animal, Animation)?: die Frage, ob sich das Gewissen nur durch rechtes Handeln am Nächsten/an der Nächsten beruhigen ließe oder auch durch andere Aktionen: ob nicht, wie sich irgend woher (woher nur?) der Verdacht aufdränge, dass die meisten Tätigkeiten von dieser "anderen" Natur seien, will sagen: dass das Gefühl des "schlechten Gewissens" nicht von so exakter Qualität sei wie etwa das Gefühl der "Eifersucht", das - von einigen "kranken" Fällen abgesehen, und auch bei denen bin ich mir nicht sicher - beinahe immer "richtig" liegt: dass das Spenden eine der Möglichkeiten sei, in der Tradition der christlichen Ablassbriefe stehend: dass es viele doch recht bequeme Handlungen gebe, die dies ebenso erreichten (aus calvinistischer Sicht darf Helfen nicht wirklich bequem sein: erstaunlich, woher wir doch kommen, selbst die moralisch angesehene Linke), ohne Bezug zur (darüber hinaus, soweit sie sich nicht im sog. Unmittelbaren abspielt, nicht vorhandenen, weil hyperkomplexen) Wirklichkeit. Nein nein nein: in der überwältigenden, eigentlich "erschlagenden" Mehrzahl der helfenden Fälle geht es um die nackte, brutale Beruhigung einer inneren, mit der Außenwelt lediglich über das (fragwürdige? oder "immerhin vorhandene"? oder einzig mögliche?) Vehikel der Identifikation locker verknüpften Unbehaglichkeit ("das eigene Herz beruhigen" als das wie ausgerechnet immer zentrale, einzige Motiv): lässt die Identifikation (oder auch das Interesse) nach, geht es besser: nach einer geregelten Spende noch besser: nach einer geregelten Handlung noch noch besser (besonders wenn sie zusätzlich das Ego aufpumpt): und so weiter.
Und dennoch ist diese Betrachtung einseitig und irgendwie schmierig: was, wenn sich Herzen wirklich verbinden können?: was, wenn noch andere Dinge "echt" sind als die eigene Psyche?: was, wenn? - aber dies hier ist ja wie immer keine ausgewogene Erörterung im Sinne einer wissenschaftlichen Abhandlung, sondern ein ungesteuerter Hirnfluss.

28.12.04

Permalink 10:00:00, von Olaf, 486 Wörter, 584 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Helfen

Die größte Katastrophe seit langer Zeit, das Seebeben in Südasien im Dezember 2004, fand gerade statt. Wenn ich mich damit beschäftige, beschäftige ich mich jedoch mit mir selbst (zumindest wenn ich hier hinter dem Computer bin, oder auch in meiner sicheren europäischen Stadt) und frage mich, ob es nicht im Grunde allen so geht (sind wir hier, weil sich ein Ego aus den Wirbeln transenergetischen Plasmas gebildet hat, oder hat sich unser Ego gebildet, um uns zu einem anderen Zwecke entstehen zu lassen?). Hin und wieder denke ich nach über das Helfen, denn Sinn und das Leben: es gibt die nicht unverbreitete (aber auch nicht kanonische) Perspektive, dass nur gut und sinnvoll lebt, wer anderen hilft. Das impliziert, neben anderem, dass die, denen geholfen wird, dann nicht mehr gut und sinnvoll, sondern egoistisch, leben, es sei denn, sie hülfen wieder anderen. Es ließe sich argumentieren, dass obige nicht unverbreitete Perspektive genau so lange gelte, bis allen geholfen sei, und dann könnten alle dem sinnlosen Alltag nachgehen, wie er in Deutschland herrscht, oder sie könnten Kunst machen oder Kinder kriegen (aus Sinn-Sicht ist das Weitergeben des Schwarzen Peters an das eigene Kind natürlich verwandt mit dem Helfen). Das Objekt des Helfens ist stets willkürlich: in der Regel wird jenen geholfen, die einem am nächsten stehen, oder es bietet sich ein Job an (es soll noch Ärzte geben, die das Helfen glücklich und zufrieden macht (ein Nebenthema wäre die Untersuchung des Unterschiedes zwischen der (sanktionierten) "Zufriedenheit" und der (negativ besetzten (mein Gott, der Begriff des "negativ Besetzten" ist auch schon ganz schön ausgeleiert)) "Selbstzufriedenheit"); gilt das eigentlich auch, wenn sie jene übergewichtigen, völlig fertigen, bis auf Überbleibsel von Überlebens- und Fressinstinkten desinteressierten, degenerierten Lebewesen heilen (per Nierenersetzung), die dann noch mal für ein paar Jährchen betreut zu Hause wohnen und unglücklich weiter verbittern (nein nein, natürlich muss man sie retten, um jeden Preis; ich wollte nur mal fragen)?). Manche helfen Tieren (sei es jenen barbarisch gequälten in Kosmetikversuchsreihen (der bescheuerte Jugendwahn (Anti-Aging) hat wahrscheinlich schon mehr Tiere zu Tode gefoltert als McDonalds), sei es ausgesetzten Haustieren, sei es Legehennen), die wiederum sowohl von jenen, die anderen Menschen helfen, als auch von jenen Menschen, denen geholfen wird, ihrerseits massenhaft ohne die geringste Reue verzehrt werden, nachdem ihr ganzes Leben eine Qual war. Wenn ich, sagen wir mal, 10.000 Menschen das Leben rette und zu einer Existenz in einer halbwegs zivilisierten Gesellschaft verhelfe, und die kaufen dann Antifaltencreme und essen alle zwei Tage ein halbes Huhn beim Imbiss, was habe ich dann eigentlich getan? - na ich habe meine Werte durchgesetzt, und je absoluter ich sie sehe, desto mehr empöre ich mich, wenn jemand anders das nicht tut. Und auch die Betrachtung des Relativen, der beliebigen Werte, ist wieder einseitig. In welcher Weise also - zurück - ist das Helfen Sinn stiftend?

24.12.04

Permalink 11:30:59, von Olaf, 304 Wörter, 649 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Einträge

Grund Grund Grund

Und wieder: Weihnachten. Bücher gesehen über das schnellere Vergehen der Zeit im Alter, nicht gekauft, statt dessen eins über den Zustand der sinnlichen Welt, die, im Untergehen begriffen, nicht nur nach dem Grund desselben fragen lässt (der sich auf jeder Ebene findet: Gier, Skrupellosigkeit, Unwissenheit, Ignoranz, Menschsein, Evolutionsfehlschlag, Politik, Gesellschaft, Geschlechter, Lustversagung mit folgender Wut, etc.), sondern - als spirituelles Wesen - nach dem Grund des Grundes, religions- und weltbildabhängig formuliert (als da wären, beispielsweise: Strafe oder Prüfung Gottes, Notwendigkeit der dualen Welt im Ggs. zum Nirvana, Zufall, Körperpanzerung aufgrund von Wüstenbildung in der Sahara, Wahrnehmung, etc.), gefolgt von, noch einen Tick spiritueller, der Frage nach dem Grund des Grundes des Grundes, schlicht: warum nur das Ganze? - (natürlich ist das falsch gefragt, gäbe es denn falsche Fragen). Sowohl Sein als auch Wissen sind unbefriedigend (für die die "richtig" respektive "nicht" fragen sind sie wohl befriedigend). Die Antworten, auf welche Weise sich das alles verbessern lässt, fallen recht mannigfaltig und fatal inkompatibel aus: auf Ebene 1 (dem schlichten sinnlichen Grund für "das alles") spannen sie sich zwischen "neues Wirtschaftssystem", "mehr Markt", "mehr Liebe", "mehr Therapie" und anderen Hoffnungslosigkeiten auf, während die Übereinstimmung der Lösungsansätze auf Ebene 2 keinen Deut schnittiger ist. Ebene 3 und 4 werden meist gar nicht angefasst.

Für mich, ein paar Stunden vor der heiligsten Nacht unserer Kultur, wo sich heidnische Baumopferbräuche (im Millieu des sauren Regens ihren Höhepunkt gefunden habend) und die zum Christentum ausgearteten Einflüsse einer kleinen, netten (aber absolut patriarchalen) vorderasiatischen Sekte treffen und Coca-Cola-Weihnachtsmänner jobben, fragt sich aktuell: arbeite ich auf Ebene 3 oder Ebene 1-3 - und die sich anbietende Antwort 1-3 verwerfe ich, weil sie meiner Unlust widerspricht, also bleibe ich meditierend auf 3 und wünsche meinen Null LeserInnen ein behagliches und irgendwie Sinn machendes Fest.

19.12.04

Permalink 19:25:58, von Olaf, 512 Wörter, 604 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Sinn

Die mir wesentlichen Fragen des Daseins finden im mir vertrauten Denken nicht die Spur einer Antwort: also suche ich sie im mir nicht vertrauten Denken, die Schwierigkeiten zu überwinden trachtend und die Unmöglichkeiten zu umschiffen: auch wenn sich ständig, bei beinahe jedem neuen Gedanken, ein Einspruch der aus der Melange aus unserer Kulter und meiner genetischen Disposition und aller weiteren "mich" (die Schwierigkeiten dieses Begriffes lasse "ich" wie immer mal wieder außer acht und verweise auf den praktischen Charakter eines Personalpronomens) ausmachenden Elemente entstehenden Grenzen vernehmen lässt, schreite ich munter in alle Richtungen, von außen verwirrt wirkend, von innen seiend. Beispielsweise bei Untersuchungen der Grenzen von Logik und Kausalität und dem aufrichtigen Vorhaben, dieses vielleicht energetisch oder auch meditativ, in jedem Fall aber ohne Einfluss des Untersuchungsobjektes, durchzuführen, stört jenes unentwegt.

"Sinn"! Früher fragten wir hin und wieder: was ist der Sinn des Lebens? Die geistig weniger Beschenkten unter uns antworteten: sich fortzupflanzen: worauf wir antworteten: und so den Schwarzen Peter weiterzugeben, was entweder nicht verstanden wurde oder mit dem Hinweis auf eine unendliche Reihe kopulierender SinnsucherInnen abgetan wurde. Manche sagten: die Probleme der Menschheit lösen, und wir: und dann? - und sie: na es gibt immer Probleme, daher kein "Dann". Oder: eine gute Zeit haben (in der Tat eine der wenigen validen, wenn auch nicht befriedigenden Antworten). Oder: Gott dienen (aber wir fragten eigentlich nicht nach dem Sinn des Menschseins (wäre die Antwort für ein Schwein dann "gegessen werden"?), sondern des Lebens, und so verschöbe sich die Frage halt auf den Sinn von Gottes Leben (was dann ggf. wieder mal unergründlich wäre), gefragt von denen, die Ihm nicht nur ein Wohlgefallen sein wollten). Oder: andern gutes tun (auch wieder Schwarzer Peter, weil dann müssen die den Sinn für ihre Leben suchen).

"Sinn des Lebens" fragt also erst einmal: Sinn für wen? - weil ein "objektiver" Sinn nicht nur keinen solchen macht (Sinn hier im diskursiven Sinne), sondern von seinem Wesen her ein Zufallsprodukt der Sprache ist (wie ca. 95% aller philosophischen Probleme (manche sagen 100%)), daraus entstanden, dass kein grammatisches Gebot das Zusammensetzen der Worte "objektiv" und "Sinn" verbietet (Grammatik mischt sich generell auf sehr eigene Weise in die Wahrnehmung der Welt und des (existenten oder nicht existenten sei mal egal) Selbst ein). Ich kann "objektiver Sinn" sagen, aber nicht erwarten, dass sich die Welt auf eine endliche Menge sauberer Paare aus Signifikanten und Signifikaten abbilden lässt: darüber hinaus kann ich "objektiv" nicht sauber definieren (die Bedeutung von Sinn habe ich ganz locker aus der Motivation für diesen Text geholt, das ist ok). Wenn ich aber die Möglichkeit der Antwort auf die große allgemeine objektive Frage auf die beinahe beliebig beantwortbare: "Sinn für wen?" reduzieren kann, habe ich die große Frage nach dem Sinn des Lebens eigentlich beantwortet: gibt keinen.

Das sagt wiederum als solches nicht wirklich viel, denn der Begriff "Sinn" ist (was ausgerechnet alle anderen auch) eine menschliche Idee, die nur der Größenwahn dem Universum überstülpt.

08.12.04

Permalink 20:43:00, von Olaf, 388 Wörter, 581 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Einträge

Öffentliche Alltags-Auswahlen der Menschheit

Irgendwie sind die meisten öffentlichen Alltags-Auswahlen der Menschheit - welcher Grundgesamtheit auch immer sie entstammen mögen - ruinöse Verbrechen (nicht nur die Kriege, die häusliche Gewalt, die nun nicht mehr auf- und auszuhaltende Vernichtung der Grundlagen des bisherigen Lebens auf der Erde (Insekten und Bakterien ausdrücklich ausgenommen, wie auch andere Lebensformen mit schnellen Evolutionszyklen), die rhethorik-gepanzerten politischen Lügen und so weiter, endlos): auch a) die Auswahl der in normalen Videotheken aufgebahrten Filme, b) die Auswahl der Stände der berliner Weihnachtsmärkte (von denen es zur Zeit mehr gibt als in jeder anderen Großstadt auf der Welt (da bin ich mir sicher)), c) die Auswahl der Nahrungsersatzmittel eben jener Stände, d) die Sprüche, die die Getriebe des ÖPNV auswählen, um auf die zu erwartenden Verbesserungen hinzuweisen, die sie uns antun, e) die Auswahl der Nachrichten, die auf den inzwischen waggondeckend eingeführten Flachbildschirmen (einmal war ich in einer U-Bahn und fuhr zu irgend einem sinnlosen Ort, um eine beliebige Handlung auszuführen (schreibt man das jetzt eigentlich "aus zu führen" oder wo ist die Grenze?), und da saß mir doch glatt so ein hartgesoffenes Paar gegenüber (was mich, zwar innerhalb dieser doppelten Klammer (wie ist das wohl sprachwissenschaftlich verwertbar?), aber inhaltlich zwingend, dazu verführt, f) die Auswahl der Menschen, die Gott auf der Erde ausgesetzt hat, den öffentlichen Alltags-Auswahlen der Menschheit hinzuzufügen ("hinzu zu fügen"?), wobei es in den Fällen a-e die Menschheit ist, die etwas auswählt, im Fall f Gott, die die Menschheit auswählt, jedenfalls ist die Menschheit irgendwie immer beteiligt, wenn irgendwelche Scheiße ausgewählt wird), eine hartgesoffene Frau Mitte 30, die in diesem Fall, weil sie fitter war als ihr hartgesoffener Mann (sind Frauen in vergleichbaren Situationen immer), das Wort führte und besagtem Mann ihre Pläne schilderte, sich einen eben jener Flachbildschirme zu klemmen, auf die Frage, was sie denn damit wolle, weil sie es vermutlich nirgendwo anschließen könne, aber nur antworten konnte "na denn habicks schon mal - und ich sage euch: wir brauchen mehr von solchen Menschen (was zwar Aussage f widersprechen mag, aber Widerspruchsfreiheit strebt nur eine weiß Gott schräge Auswahl g) von - wieder - Menschen an (g ist somit Teilmenge von f)): weitere Auswahlen folgen: dies sollte nur mal wieder ein Eintrag sein.

06.12.04

Permalink 16:15:10, von Olaf, 229 Wörter, 874 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Einträge

Nikolaus

Sitze in unserer kleinen kreuzberger Firma und arbeite an Projekten, und zum ersten Mal in meinem Leben schreibe ich einen echten, vollkommen sinnlosen (zur Definition von Sinn siehe meine Einträge unter "Betrachten", da wird man schlauer) Blog-Eintrag. Martin sitzt rechts und klickt irgendwas rum. Thomas ist schon gegangen. Von den 25 EUR, die ich für die Vermittlung von Lichtwerk-oder wie das heißt-Strom erhalten habe, habe ich Bio-Kekse, Bio-Grüner-Tee-Schokolade, Bio-Bananen und noch ein paar mehr Biosachen gekauft und auf die Bürogemeinschaftstheke gestellt, damit alle reichlich haben. Liest diese Stelle dieses Satzes irgend jemand? Würde mich wirklich interessieren. Und um wen oder was handelt es sich dabei? Fühlt diese Person eine Verschwendung von Zeit? Oder fühlt sich schon lange nichts mehr? Abgestumpft, verbraucht vom Kapitalismus oder noch müde vom real existierenden Sozialismus? Beziehungsprobleme? Zu viel gegessen? Oder eine Person der fünften Welt, die zu wenig gegessen hat und Deutsch kann? Oder ein Politiker, der sich mit dem Lesen von Blogs davon ablenkt, ein Arschloch zu sein? Ein Hausfrau (ach stürben sie endlich aus, teilten wir uns doch die Welt, vor allem die Verantwortung; gäben wir Männer die Gewalt und die Dummheit auf!)? Ein Homo Faber, der die Welt mit Ingenieurswissen retten möchte? Jemand vom Theater, aus Berlin, ohne Engagement?

Was auch immer: seid willkommen zu meinem kleinen Blog.

05.12.04

Permalink 00:33:18, von Olaf, 639 Wörter, 628 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Wichtig

Was ist wirklich wichtig?
Welche Kriterien suche ich mir dafür aus?
Welche werden für mich ausgesucht?
Von wem? Oder was?
Ist sie (die Wichtigkeit nämlich) mehr ein psychischer Zustand oder mehr ein gesellschaftliches Regularium von der Sorte, die einem die Eltern aufdrücken?

Abgesehen davon, dass Wichtigkeit, wie (gähn) alle anderen Begriffe auch eine menschliche Erfindung ist (und - gähn - die Frage "was ist" eigentlich immer heißen muss "was meinst du mit"), ist sie und (hohoho Sprachwitz) meistens nicht so wichtig. In unserem Motivationscocktail spielt sie eine eher untergeordnete Rolle (die Knaller sind 1. vor allem der dunkle, unbekannte Bereich (wir "machen" einfach, wenn auch ohne dass es dem "Nichthandeln" im taoistischen Sinne näher verwandt wäre (ein entfernter Verwandter ist es allerdings schon)), 2. die unmittelbare (z.B. Fress-)Lust, 3. die Angst usw.

Die meisten - heftig was die (wir ist "die"? na die da oben, die Göttinnen und Götter und Buddha und so oder die SpieleprogrammiererInnen) mit uns machen - möglichen Kriterien für "Wichtigkeit in meinem Leben" kann ich gar nicht so recht kennen. Da sind zum Beispiel so Sachen wie das Ewige Leben, das ich mit ein wenig Pech gar nicht in die Wiege gelegt bekam, sondern mir irgendwie verdienen muss, ohne dass es eine überzeugende, auf meiner geistigen Entwicklungsstufe (R. Steiner würde hier schreiben: Entwickelungsstufe) verständliche oder auch mit vertretbarem Einsatz erschließbare Anleitung gäbe (einschließlich der Antwort auf die Frage, wozu das denn nun wieder wichtig sei, das Ewige Leben: weil sich ja die tiefere Frage sofort wieder anschließt: was ist denn wichtig im Leben? (aber wir hätten erstmal ein wenig mehr Zeit das herauszufinden als diese popeligen plusminus 80 Jahre, in denen wir meistens auch noch so viel anderes zu tun haben, das auch wichtig ist)). Das ist wie mit dem Fortpflanzen und dieser leicht debilen Verlautbarung, dass das Erzeugen von Nachkommen der erschlagende Sinn im Leben sei - die Frage nach der Wichtigkeit wäre aus dieser Sicht wie ein Schwarzer Peter weitergegeben.

Eine legitime Antwort - eine keineswegs aussagelose Problemverschiebung beinhaltend - wäre: "Sinn ist wichtig": und auf die Frage nach dem Sinn des Lebens (und seine vielen Folgen: "Sinn von 'außen' gegeben" oder "Sinn macht man sich selbst" etc.) kann die Antwort "Spaß wollen wir haben, Annehmlichkeiten fühlen" kaum übertroffen werden: die Idiotie des menschlichen Daseins kann dann nur noch darin bestehen, die albernen Freuden des Alltags für das Nonplusultra zu halten oder an falschen, weil unerreichbaren, Vorstellung von der Quelle der zu einen passenden Lust festzuhalten. Wichtig wird dann das, was zu "Sinn", d.h. Spaß an der Freude führt: und sekundär wichtig wird eine gewisse Einsicht in die Struktur des Universums (oder die Entwicklung eines entsprechenden Instinktes, da das mit der Einsicht in die Struktur des Universums immer so eine Sache ist), mit der sich der wirkliche, unübertreffliche (aber wie kann ich das wissen?) Spaß an der Freude erreichen lässt. Dafür gibt es dann wieder Wege, Weisheiten, Schulen und Religionen.

Hm, das bringt nichts Neues, alles. Weiß auch nicht wie ich auf die Frage kam. Mich beschäftigt eher, wie ich diese bohrende Unruhe wegkriege, die mir vorgaukelt, dass ich was versäume im Leben, wenn ich nicht dies und jenes mache. Wie man Kindern eine Gute-Nacht-Geschichte vorliest, so wollte ich der unbekannten Quelle dieser Unruhe wohl was erzählen von Wichtigkeit, um sie zum Schweigen zu bringen mit der Erkenntnis, dass sich nicht nur jeder Produktions-, sondern auch jeder geistig-seelische Prozess operationalisieren lässt und dass es - weil im Bereich der Operationalisierung alles eins ist - deswegen gar nicht wichtig sein kann, was im Detail nun erlebt wird und was nicht. Spaßoptimierung ist schon ein mühevolles Geschäft: am besten man steigt hier und jetzt aus dem Spiel aus.

Permalink 00:33:03, von Olaf, 498 Wörter, 640 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Authentizität

Ist Authentizität perspektivabhängig? - will sagen: gibt es sie als solche überhaupt, als "Ding an sich"? - und wenn: was soll sie sein? Was ist Ehrlichkeit, was ist der Maßstab dafür? Ist er irgendwo im Universum, oder eine "Selbst"-unabhängige Instanz in einem selbst (wo immer wir genauer schauen, zerfallen alle Begriffe in nichts; das ist nur ein weiteres schönes Beispiel)(und was ist - wie immer dieselbe Frage, dieses ominöse "Selbst"?)(man kann es nicht oft genug sagen: ausgerechnet alle Begriffe werden von ausgerechnet allen Menschen (außer einigen wenigen mit Schweigegelübte und einer unbekannten Anzahl Insassen einschlägiger psychiatrischer Kliniken) sehr, sehr leichtfertig gebraucht (und dennoch kann - unter Zuhilfenahme quasi "energetischer" oder intuitiver Elemente - sinnvoll diskutiert werden (wenn das Ziel der Diskussion nicht - ganz albern - "Recht Haben" ist und darüber hinaus kein Zwang zur Klärung einer Frage im gegebenen paradigmatischen System gegeben (oder selbst auferlegt) ist, sondern lediglich die Grenzen von systemeigenem Denken und systemeigener Begrifflichkeit gefunden werden sollen)))? Oder steckt er - die einfachste, aber leider in der Ergiebigkeit eingeschränkteste Version - in einer teils geschriebenen, teils ungeschriebenen gesellschaftlichen Übereinkunft? Dann wäre die subtile gefühlsmäßige Qualität von Authentizität ein Produkt von Stammesevolution: auch gut.

Im ersten Fall zeige man mir die Instanz (ein Mann mit Rauschebart? aber wer ist dann dessen Instanz? Oder das (welches bitte genau?) Nichts? aber wie könnte es über derlei urteilen?), die entscheidet über die - von mir aus auch - Aufrichtigkeit einer Aussage; oder die - von mir aus auch - Ernsthaftigkeit einer Handlung; oder wie lauter eine Seele ist; oder wie "ehrlich" eine Hilfeleistung. Was (in seiner wahren Form mit seinem wahren Inhalt vermittels seiner Eigenschaft als - von mir aus - "Objektive Instanz an sich")!

Im zweiten Fall (wir erinnern uns: "sei treu dir selbst gegenüber"), wenn der Maßstab mir der authentizitätsmäßig zu validierenden Person entweder zusammenfällt oder geistig, seelisch oder im Fleische in irgend einer Weise verknüpft ist: ist die Frage beinahe dieselbe. Das handelnde Selbst (yeah! sic! was ist das!) wird nicht selbst den Maßstab für Echtheit bilden, sonst wäre absolut alles "ok" (oder ist vielleicht genau das der Fall, und "Alles ist erlaubt", weil es "eigentlich" kein Verbot gibt?). Aber wir entfernen uns weg von der ursprünglichen Frage hin zu jenem Wabbelwesen, das gewöhnlich als "Moral" bezeichnet wird und hier nicht gemeint ist (aber auch sehr, sehr interessant und sauber zerlegbar - aber Dekonstruktionsarbeit ist für beinahe alles und jedes bereits geleistet worden und - trotz ihrer schwerlich leugbaren Verwandschaft zu vorliegenden Texten - selten mein Thema).

Was also ist der zweite Pol, zwischen dem und "mir" die Möglichkeit einer Spannung besteht, wenn ich im weitesten Sinne handle? Bitte ankreuzen:
o Gesellschaft
o Irgendwo in meinem biologischen Fleische
o Irgendwo im (kollektiven?) Unbewussten
o Gibt es nicht, ist alles weder erlaubt noch verboten und damit erlaubt
o Jenseits des Dualen und damit für meinen Verstand Erkenn- und Benennbaren

04.12.04

Permalink 15:52:10, von Olaf, 96 Wörter, 623 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Einträge

Blog

Heute ist der erste Tag einer neuen Zeit: ich blogge. Zwei Blogs habe ich angelegt: "Tägliches" für Tägliches und "Betrachten" für Betrachtungen; letzteres ist der Nachfolger des Sammelsuriums, das es bisher auf meiner Website gab. Vor Jahren habe ich hin und wieder Kommentare zu den Texten bekommen; aber da das schon lange nicht mehr geschehen ist, versuche ich mal einen neuen Ansatz: Professionalisierung (fällt mir als Webmensch (beruflich gesehen) nicht schwer), und dann ab in die Suchmaschinen.

Es ist Weihnachtszeit. Diesmal gelingen ein paar entspannte Tage. Liegt alles in meiner Hand.

02.12.04

Permalink 11:40:28, von Olaf, 862 Wörter, 622 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Ego

Ja es würde meinem Ego schmeicheln: Gutes tun: und ein Stück von mir will es wohl auch, vielleicht! - nicht in dieser abstrakten Größe als "Gutes", sondern aus dem seltsamen "Mitgefühl" heraus, jenem, das ich habe, wenn ich gequälte Wesen sehe und mich mit ihnen identifiziere - aber die Zweifelhaftigkeit des "Mitgefühls" liegt haargenau auf der Ebene der Zweifelhaftigkeit des "Ich": unwissend was dies sei. "Das Leben sinnvoll gestalten": bis man überhaupt auf die Idee kommt, vergehen im günstigen Fall Jahre: und die Erfüllung dessen ist - wie ausgerechnet wieder mal alles andere auch - gestört von Eindrücken von Coolness und "erlebt Haben": als hätten wir (wir? WIR?) nichts besseres zu tun (und: haben wir? Was ist überhaupt dieses "Tun"? Und was zum übelsten Geier in der Welt ist etwas "Besseres"? Etwas "BESSERES"?). Was zum Geier ist sie, diese "Zufriedenheit"? Wie entsteht sie, wie vergeht sie, und wieso in aller Welt sollten nicht alle - ALLE - Vorstellungen, die sich mit ihrem Kommen und Gehen verbinden - schwachsinnige Illusionen sein?
Manchmal, im Alkohol, wird so etwas wie Bach klarer noch als sonst: kann gar bestehen gegen die Eindrücke des Niedergangs, des Schmerzes der Welt (nicht meines kleinen Weltschmerzes, sondern wirklich: des Schmerzes der Welt): wird wichtig, trotz "klein".
Jedes Element der sinnlichen Welt, jede Ansicht, jeder Spruch, jeder Satz, lässt sich als Klischee auflösen, wenn man nur genau genug schaut.
Man kann immer geschickter werden im Betrügen der diversen Dinge, oder auch immer "ehrlicher", d.h. immer näher an den Ursprüngen der Dinge (die nicht die Dinge selbst sind, nicht so wie wir sie sehen): die Auswirkungen mögen dem ungeübten Auge ähnlich scheinen - das Wesen könnte verschiedener nicht sein. Aber all das sagt nichts über das Potenzial von Betrug oder Ehrlichkeit, als Floß zum Absoluten zu dienen - oder doch? - wenn ja, aufgrund welchen Gesetzes?
Alles Sinnliche ist Gefangenschaft! - aufgrund welchen Gesetzes? Was kann noch losgelassen werden an Ansichten wie diesen, die auch Gefangenschaft sind? was an Aussagen über Rekursionen, die auch Gefangenschaft sind? was an Gefangenschaften, die auch Gefangenschaft sind? was an Aussagen? was bleibt? wenn ich das Bleibende Nichts nenne - auch Gefangenschaft! wenn ich es nicht Nichts nenne - auch! wenn ich es gar nicht erst nenne - auch! wenn ich an dieser Stelle aus dem Spiel aussteige - auch! Warum nicht einfach freudenvoll zwischen dem Endlichen und dem Unendlichen wandern und gut essen?
Wer definierte als ersteR Gefangenschaft?
Wenn mich die sinnliche Welt anwidert, kommt eine Frau meiner Generation (mein Gott: irgendwann waren es Mädchen!) und hält mir ein Kind unter die Nase: "Hier schau mal, das ist wirklich, das ist wirkliches Gefühl" - und wir beide haben recht.
Das unendliche Elend der Welt: einmal etwas schönes erlebt, wollen wir es erst recht nicht mehr: es stört unsere Elegie; einmal Neid erlegt und als das schlimmste der Gefühle empfunden, lieben wir es und nutzen es zur Zerstörung unseres erfolgreichen Gegenübers.
Was also tun? Unsere Theorie, die wunderbaren, im Rausch (Alkohol oder ohne) reflexartig aus dem Hirn geflossenen Sichten und alle Erkenntnis hat nicht den geringsten - nicht den geringsten! - Einfluss auf die allenthalben spürbare Tatsache: wir sind hier. Ob das sich eingeschlichen habende (jedenfalls wenn man das Minimum an spirituellem Mut aufbringt) Anerkennen der eigenen Verantwortung (jenseits des legitimen Zweifel an Wort und Ursprung von "eigen") an der eigenen (dito) Situation vorhanden ist oder nicht: wir müssen damit umgehen: und wenigstens ein Teil des Umgehens muss der Praxis entstammen (auch wenn ein rechter Gedanke in der Lage sein mag, einen Neuralknoten neu zu verknüpfen: auch wenn eine rechte Theorie doch reicht und der Satz außerhalb der Klammer, in der sich dieser befindet, gar nicht richtig ist): und die Praxen, die die Menschheit gesammelt hat für solch einen Fall, sind - Wahnsinn, oder? - an ein oder zwei Händen aufzuzählen: Meditation; Selbstlosigkeit leben (d.h. Verdienst ansammeln und dann auf Gnade hoffen oder auf eine korrekte, aber vorher nicht verstandene kosmische Buchhaltung); Hingabe und Vertrauen (und wenn es nur 100%ig genug ist, wird es schon genügen - und seien die letzten 5% eine Aufgabe ausharrender Geduld); Liebe (der quatschigste unter den Wegen: und deswegen bei meiner verkommenen Menschheit auch attraktivste); Ritual (es muss halt nur das richtige sein: aber zufällig bin ausgerechnet ICH just in der Gesellschaft aufgewachsen, die in dessen Besitz ist (alle andern leider dann doch nicht)); Erkenntnis (halt wissen wie das Optimum herauszukitzeln ist); quasi-zufällige Gnade (oder die Tatsache, dass sowieso alle erlöst sind, letztlich); Aufrichtigkeit - und hier spaltet es sich - a) dem eigenen Wesen gegenüber (mit allen oben spielerisch angedeuteten Implikationen) oder b) der angenommenen externen Entität gegenüber (mag sein Gott, Kraft, Univerum und Konsorten), die Grundlage der Beurteilung und Quelle der Wertschätzung dieser Entität einmal außer Acht lassend; materielle Optimierung ("es gibt da gar nichts, lasst uns unser Leben genießen, mit Krankheiten im Alter das ist Pech, aber irgendwo spielt da auch die Psyche eine Rolle") - verwandt mit "Erkenntnis", aber das Spirituelle negierend (d.h. das, was gerade in der gegebenen Gesellschaft dem Spirituellen zugeordnet ist).

Olaf Schreibers Blog

So fängt es an: ich blogge. Es gab immer mal wieder ein paar Leute, denen der Ausfluss eines mit mir identifizierten Hirns gefallen hat, drum teste ich es mal so.

Dezember 2004
Mo Di Mi Do Fr Sa So
 << < Aktuell> >>
    1 2 3 4 5
6 7 8 9 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29 30 31    

Suche

Kategorien

Sonstiges

Wer ist online?

  • Gäste: 10

powered by
b2evolution