Archiv für: Oktober 2000

28.10.00

Permalink 21:36:00, von Olaf, 117 Wörter, 693 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Nichts

Bier, eine Nacht in Mitte (dem komischen Bezirk wo alle innerhalb Berlins aus Heimweh hinziehn (den Wessis ist es oft erstmal egal oder sie ziehen nach Prenzlauer Berg)), ein Computer, ein wenig Zeit zwischen den Dingen des Lebens, die mich beeinflussen und doch so unendlich unwichtig sind: der Angst vor Aufwand oder Anstrengung. Alles im Grunde sinnlos, ohne leer zu sein. Seltsame Tage haben uns gefunden: Unsinn ergießt seine Absonderungen hinein: ein paar Gefühle tauchen auf, und sowieso leben wir in einer klassenlosen Philosophie (wenn wir es richtig machen), d.h. die Interpretation der Gefühle ist a priori falsch: vielleicht klappt gerade noch eine archaische, aber die psychologischen sind einfach nur ulkig.

10.10.00

Permalink 01:18:00, von Olaf, 378 Wörter, 592 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Wege in das was wir wollen (oder nicht wollen)

In der U-Bahn überlegt und nachgesonnen, und alles schien, als könnte es im Prinzip klar sein: das menschliche Streben und Wollen, die halbherzigen (und warum sie irgendwie immer halbherzig sind, außer wir sind besessen) Versuche, da- und dorthin zu gelangen: wir alle wollen etwas, und wenn wir "nichts wollen" wollen, wollen wir auch: ich kenne keine (oder aber: kaum) "angekommenen" Menschen (und sah "angekommene" zerbrechen oder lächerlich werden). Alle also wollen, und wohin es auch sei, in der U-Bahn dachte ich nicht über die "Ziele" nach (seien es: Glück (Hormone, Energien, Ausgeglichenheiten), Verschwinden (Nirwana, Leere), Ruhm (Kick, also Gefühle) oder was auch immer und auf was immer es sich zurückführen ließe), sondern über die Wege dorthin, und fand das interessant: denn auch die "Nicht-Wege" sind (Worte, Begriffe sind beliebig) Wege (oder so verwende ich das Wort). Und diese Wege kann ich aufzählen:
1. Schmerz: absichtliches Leiden (warum nenne ich das zuerst: bin ich ein heimlicher Fan?): von manchen modernen abgelehnt, aber in unserer ulkigen christlichen Kultur (leider, so finde ich wertend) verwurzelt;
2. Aktivität: etwas schaffen, bewusste Bemühungen, Arbeit, Anstrengungen;
3. Nichts-tun: Wu-wei (Handeln durch Nicht-Handeln), aber dabei (vielleicht) bewusst: akzeptieren: beobachten: stehen bleiben, warten;
4. Gut sein: "Gut" sein (zu anderen, zu der Natur, den Tieren, sich selbst): ehrlich sein, aufrichtig: helfen: missionieren; auch: korrekt sein, Beamter, oder politisch korrekt, sozialistisch, links;
5. Glauben: durch devote Haltung zum wahren (einzigen: dogmatischen (meistens)) Glück;
6. Lust: Sex: Freude: das Leben genießen: jeder Tag, an dem du nicht, lachst, ist ein verlorener Tag: Gegenwart: im Jetzt leben;
7. Wohlstand: viel Zeug, Materie: gutes Essen: Sicherheit: warme Wohnung, ungefährliche Bekannte und Nachbarn (Angst und weg mit dem Anderen, Unbekannten): nichts riskieren: verdrängen;
8. Erkenntnis: Wissen: mehr Lernen und Erkennen und dadurch den Weg sehen (der auch einer der obigen sein kann, aber wahrscheinlich nicht ist);
9. Macht: Kontrolle: andere unterdrücken und dadurch bestimmte Energien saugen: Nationalsozialismus: das Andere vernichten (ohne das Macht aber nicht funktionieren kann, deswegen: was übrig lassen);
10. Zur Natur: sich den Strömungen anpassen;
11. Du selbst sein: sich finden: sich erkennen: Psychoanalyse...

Nett, oder? Und bestimmt nicht vollständig. Und wer kommt her und wertet die Wege und hat die Wahrheit und zieht das eine dem anderen vor? Du, oder?

03.10.00

Permalink 01:15:00, von Olaf, 658 Wörter, 1007 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Visionen

Früher Morgen. Ich halte durch bis die Visionen kommen (oder die Müdigkeit stärker ist). Was ich sagen will ist, dass viele Beobachtungen korrekt sind, und manche Folgerungen daraus sind ebenfalls nicht von schlechten Eltern: doch irgendwann spielt uns unsere fehlerhaft verinnerlichte induktive Logik einen Streich: hätte statt Mengenlehre (ihr wisst noch, oder: erste Klasse, die logischen Blöcke (rote und blaue und gelbe dicke und dünne große und kleine Quadrate und Dreiecke und Kreise und vielleicht (weiß ich nicht mehr) Rechtecke)) Erkenntnistheorie Gegenstand des Grundschullehrplans sein sollen (natürlich: wir hätten es nicht verstanden (verstehen es ja auch heute nicht))?): wir sehen die Ähnlichkeit zwischen zwei Dreiecken (den roten und den blauen) und schließen darüber auf die Eigenschaft eines dritten: meine zentrale These ist (nicht nur meine, dies hier ist common stuff), dass dieser Vorgang erschreckend oft in einem Bereich geschieht, in dem er zu falschen Ergebnissen führt: dies führt unter anderem zu Streits, Glaubensbekenntnissen (Weltbildern), naturwissenschaftlicher Theorienbildung (1) und Psychotherapien. Und hier schreibe ich (haha) etwas über meine Erfahrungen mit letzteren und betrachte sie von wo ich jetzt sitze (mein Körper auf meinem blauen Stuhl, eine Tüte in der Hand und "White Light from the Mouth of Infinity" (Swans) im CD-Player, mein Geist in Distanz zu meiner Vergangenheit (und doch seltsam daraus geboren ("wie entsteht neues?")), meine Seele in ihrem alten Schmerz (dessen Ergründung die treibende Kraft meines Lebens ist, und je weniger meiner Kraft ich für dessen (denn darum geht es vordergründig) Vernichtung aufwende, desto "besser" (jaja: Akzeptanz ist aus der Sicht derer, die eine Übersicht haben, schon eine leichtläufige Floskel!)).
Irgendwann (ich war 15) saß ich also auf dem Klo und dachte (schon damals dachte ich ständig (und somit zwanghaft) nach) nach und fand mein Leben soweit in Ordnung und war ganz glücklich (und wusste nicht so recht, wieso in aller Welt es unglückliche Menschen gab), und stürzte ab.

(1) Anmerkungen

Ort und Impuls
Die Diskussion um die Quantenmechanik ist ein Beispiel dafür: wir kennen das Konzept des Ortes aus dem Alltag ("Wo sind die Eiswürfel, Schatz?" - "Äh, oben im Kühlschrank"): dort sind die Angaben in der Regel ausreichend genau (zumindest können sie das sein, wenn die Leute ihren Verstand gebrauchen): "Eisfach" ist eine gute und korrekte Antwort, die sich spezifizieren ließe ("in der Plastikform ohne Namen"): die lediglich implizit getroffene Annahme, dies könne fortgeführt werden in immer kleiner werdendem Maßstab bis hinunter zur Größenordnung von Nanometern, ist jedoch unbegründet: sie wird getroffen aus einer Alltagserfahrung heraus: wir bilden stillschweigend die Klasse "Ort" mit der Eigenschaft "Auflösung: beliebig klein": wir nehmen also an, dass die Angabe eines Ortes im Prinzip (wenn auch nicht in der Praxis) in beliebig hoher Auflösung möglich ist, mithin dass das Konzept "Ort" auch im mikroskopischen Bereich existiert: dann finden wir heraus, dass sich "Ort" und "Impuls" nicht gemeinsam genau bestimmen lassen: und überraschender Weise zweifeln wir nicht die Gültigkeit dieser Konzepte (die implizit (ha: unbewusst!) zugewiesenen Eigenschaften unserer Alltagsklassen "Ort" und "Impuls") an, lassen sie nicht fallen, indem wir eine tiefere physikalische "Realität", die lediglich in abstrakter (d.h. nicht dem Alltag entlehnter) Sprache zu beschreiben ist, akzeptieren (ja, wir erfinden sogar das (richtigere) Konzept "Aufenthaltswahrscheinlichkeit", um unser Alltagskonzept in den Mikrokosmos zu tragen), sondern gehen den anderen Weg, reden von "Unschärfe" und meinen damit "es gibt zwar Ort und Impuls, aber wir können sie nicht gleichzeitig messen": und es entstehen Debatten wieder einmal nur aus dem Grund, dass wir nicht über unsere Voraussetzungen ("implizite Klassenbildung") nachgedacht haben: und wir übersehen die einfachere und elegantere Theorie, nämlich die Quantenmechanik als abstrakte Beschreibung anzusehen, die nach bestimmten (und lange existenten) Regeln eine Abbildung in unsere oben genannten Alltagsgrößen erlaubt, und fertig: keine weiteren Fragen mehr hinsichtlich einer fiktiven Abbildung zurück in den Mikrokosmos!

02.10.00

Permalink 09:15:00, von Olaf, 412 Wörter, 717 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Wie weiter?

Wie weiter?
Da sitze ich nun. Vor 18 Jahren und einigen Monaten fing etwas an, das seitdem vielerlei Gestalt angenommen hat und in keiner Weise abgeschlossen ist. Vor 18 Jahren und einigen Monaten wurde mir bewusst, dass das Leben eher ein seltsamer Zustand ist als etwas Stimmiges, zu mir Passendes, Natürliches. Die Struktur meines Universums zerriss: oder mir wurde es bewusst, denn (so müssen wir schreiben aufgrund der vielen Theorien, die es dazu gibt) natürlich liegen die Wurzeln dieser Bewusstwerdung in einer grauen, aber (und das ist wichtig) wahrscheinlich nicht schwarzen Vergangenheit. Vor 18 Jahren und einigen Monaten begann meine Reise ins Ich (nein, ich bin nicht angekommen): die Vehikel waren Vision Quests (oder was ich darunter verstehe), Therapien, Freunde und Freundinnen und Philosophien. Hier schreibe ich ein paar Worte zu den Therapien: die Essenz meiner Philosophien (die hier explizit nur am Rande vertreten wird, aber notwendiger Weise immer (immer - IMMER!) mitschwingt), ist eine poststrukturalistische (ein Teil davon auf die Spitze getrieben und verinnerlicht): ich glaube nicht an die objektive Existenz auch nur einer einzigen Klasse (lehne aber den Gedanken nicht ab, dass das Universum ein bewusstes (softwareähnliches) Produkt sein könnte und somit "a priorische" Klassen existieren könnten: diese könnten wir dann erkennen oder auch nicht: beweisen könnten wir sie in keinem Fall). "Klasse" meint hier so etwas wie "Begriff", "Kategorie": Beispiele sind Mensch, Frau, Mann, Atom, Angst, Stuhl, Apfel, und alle anderen: beinahe sämtliche Subjektive einer "Sprache" bezeichnen Klassen: und selbst wenn sie sich auf "eine konkrete Existenz" beziehen (zum Beispiel "mich"), sind sie möglicher Weise bestenfalls unscharf (schlimmstenfalls Geschwafel): ich streite nicht ab, dass das Arbeiten, Leben und Denken in Klassen sinnvoll und lebensnotwendig ist: selbst Erkenntnisse, aus denen dann Handlungsmaximen folgen, sind in einem gewissen Rahmen bildbar: der Fehler jedoch tritt genau dann auf, wenn vergessen wird, dass die Bildung einer Klasse heuristisch oder induktiv erfolgt und bestimmte Verallgemeinerungen (zu denen die Menschen einen sehr seltsamen Hang haben) gemacht werden: streng genommen ist keine Verallgemeinerung (Klassenbildung) gültig (wenngleich sie, wie gesagt, durchaus sinnvoll sein kann), weil bereits die Annahme, es existierten Klassen, vollkommen unbegründet ist: die Idee, zwei dieser kugelähnlichen ("Ähnlichkeiten" sind subjektiv: und die ehrliche Variante von Klassen) Dinger, die von dem, was die meisten Menschen in gleicher Weise als "Apfelbäume" identifizieren, der gemeinsamen Klasse "Apfel" zuzuordnen, ist brauchbar (und nicht mehr): dehnen wir sie aus und sagen "prima, schauen wir doch mal, zu welcher Klasse dies und jenes gehört", dann haben wir Unsinn begangen genau dann, wenn wir das 100%ig ernst meinen).
Visionen

Olaf Schreibers Blog

So fängt es an: ich blogge. Es gab immer mal wieder ein paar Leute, denen der Ausfluss eines mit mir identifizierten Hirns gefallen hat, drum teste ich es mal so.

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