Archiv für: Januar 2000

19.01.00

Permalink 02:35:00, von Olaf, 334 Wörter, 580 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Einträge

S-Bahn

Da stand ich so (ja, der Möglichkeiten-Text geschieht zu derselben Zeit) am S-Bahnnhof Yorckstraße und warte um 0:51 auf die S1, weil da an der Anzeige leuchtend dransteht S1 Oranienburg, und weil das weiter ist als das wo ich hinmuss (Hermsdorf nämlich). Aber um die genauen Zeiten zu kennen, las ich den überall hängenden Fahrplan, und der sagte mir, dass die letzte Bahn, die am Bahnhof Hermsdorf vorbeifahren würde, bereits seit über zehn Minuten weg war: die letzte Bahn um ein Uhr würde tatsächlich nur bis Schönholz fahren (was lange vor Hermsdorf ist). 
Weil die Dinge also insgesamt nicht klar (weil widersprüchlich) schienen, entschloss ich mich, die junge Dame in der Bahnhofsrezeption (so nenne ich es mal eben) zu fragen, was es damit auf sich habe.
 
Und was sie mir erklärte, kann ich nicht so einfach dem Internet und damit sechs Milliarden Menschen (wenn sie denn endlich mal Deutsch lernen täten) vorenthalten:
 
Sie sagte, ich solle mal hinschauen, ob auf der Anzeigetafel irgendwo Schönholz stünde. "Das können wir nicht schildern!", meinte die junge Dame. Also sah ich mir die Anzeigetafel an, wo lauter Zielorte dunkel geschaltet waren (also nicht-hell (für die PoststrukturalistInnen)), ein einziger (Oranienburg nämlich) jedoch hell leuchtete. Unter den unerleuchteten waren Frohnau, Potsdamer Platz und einige andere, aber nicht Schönholz.
"Da steht nicht Schönholz, das können wir nicht schildern." Schildern in diesem Zusammenhang verstand ich nicht sofort. Als es mir aber klar wurde, blieb mir dennoch ein Riss in der Argumentation nicht verborgen; also fragte ich: "Aber wieso zeigen Sie dann Oranienburg an?" Weil: das musste die Leute verwirren, denn der nächste Zug Richtung Oranienburg ging am frühen Morgen, fast vier Stunden später. Worauf sie meinte: "Na die meisten Leute, die um diese Zeit hier sind, wissen, dass kein Zug mehr durchfährt." Worauf ich meinte: "Na ich weiß es aber nicht." Worauf sie eigentlich ganz nett lachte.

Permalink 02:12:00, von Olaf, 501 Wörter, 573 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Möglichkeiten

Während ich so vor mich hin lebe und gerade noch fühle, wie sich meine Möglichkeiten hinter dem Horizont der Realität zurückziehen, während es spät in der Nacht ist und ich in einem Rausch (Alk), aber nicht neben oder jenseits von mir (was immer diese Sprache wirklich ist), mehr erlebe und erkenne als in anderen Zuständen und mir in der S-Bahn, bevor ich in das Taxi steige, gerade so viele Ideen und Einsichten kommen, und während ich mich dann frage: Gedanken: Einsichten: woher kommt ihr? Und kommt ihr aus mir, woher kommt ihr dann trotzdem?, während sich dies abspielt, spielt sich an einem anderen (an einem ganz, ganz anderen) Ort eine Realität ab, die die meine irgendwie zu beobachten, zu betrachten scheint: anders kann ich mir (unter Auferbietung all meiner Kräfte, all meiner angestrengten Wahrnehmung in meiner beschränkten, nicht von mir gemachten (ja!) Welt) nicht erklären, wie die Dinge sind. Manchmal kommt mir hoch: ich bin Existenzialist: manchmal erkenne ich die Welt als Fiktion (und frage mich, ob die Welt als Wille und Vorstellung, Maja, Paranoia und all diese Dinge etwas mit meinem innersten Wesen gemein haben): sehe ich die SchaffnerInnen, wie sie Rollen spielen, ganz gleich ob sie ihnen zugewiesen wurden oder ob sie sie sich in einem merkwürdigen Setting (einem früheren Leben oder einem Vorleben) ausgesucht haben: manchmal bin ich müde und habe Angst, manchmal habe ich keine: aber immer ist die Welt gefärbt, nicht als wäre ich schizophren, auch nicht als wäre ich bedroht, auch nicht als wäre ich neben mir in just dem Sinne, den die Psychotherapie zu heilen versucht: sondern als würde sich all meine Wahrnehmung von ihrem Inhalt trennen, einschließlich der Erkenntnis der Erkenntnis, einschließlich dessen, was das tiefste des Tiefen in mir wäre, wenn es nicht mein wäre, sondern das Ergebnis gleich welchen Prozesses. Was damit gesagt ist (und hier sage ich es nochmal): wenn alles, was ich bin, was in mich geht und aus mir kommt (einschließlich dieser Begriffe, die sich damit relativieren), mich nur als unvorstellbare Instanz benutzt, bin ich nicht und habe kaum noch Lust zu leben (außer nach einem geschickt gewählten Rückzug auf eine psychologische Instanz): und vielleicht ist das der Weg, den wir alle gewählt haben, weil wir alle da anfingen (wo jetzt eigentlich? na in dem Zustand völliger Abhängigkeit, und zwar nicht von Instanzen, die deswegen kritisiert gehörten, sondern von solchen, die das Sein selbst sind): jedenfalls in meinem Bild ist dies so oder könnte dies so sein: denn den Schritt muss ich nach aller Erkenntnis (wo profund sie auch jemals sein mag: das habe ich mir geschworen) noch tun: es könnte alles anders sein, und was DU sagst (wie bescheuert es auch ist) unterscheidet sich in diesem Sinne in keiner Weise von dem, was ich sage. Ach und es gibt so viel.

Olaf Schreibers Blog

So fängt es an: ich blogge. Es gab immer mal wieder ein paar Leute, denen der Ausfluss eines mit mir identifizierten Hirns gefallen hat, drum teste ich es mal so.

Januar 2000
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Aktuell> >>
          1 2
3 4 5 6 7 8 9
10 11 12 13 14 15 16
17 18 19 20 21 22 23
24 25 26 27 28 29 30
31            

Suche

Kategorien

Sonstiges

Wer ist online?

  • Gäste: 7

powered by
b2evolution