Archiv für: 2000

28.10.00

Permalink 21:36:00, von Olaf, 117 Wörter, 602 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Nichts

Bier, eine Nacht in Mitte (dem komischen Bezirk wo alle innerhalb Berlins aus Heimweh hinziehn (den Wessis ist es oft erstmal egal oder sie ziehen nach Prenzlauer Berg)), ein Computer, ein wenig Zeit zwischen den Dingen des Lebens, die mich beeinflussen und doch so unendlich unwichtig sind: der Angst vor Aufwand oder Anstrengung. Alles im Grunde sinnlos, ohne leer zu sein. Seltsame Tage haben uns gefunden: Unsinn ergießt seine Absonderungen hinein: ein paar Gefühle tauchen auf, und sowieso leben wir in einer klassenlosen Philosophie (wenn wir es richtig machen), d.h. die Interpretation der Gefühle ist a priori falsch: vielleicht klappt gerade noch eine archaische, aber die psychologischen sind einfach nur ulkig.

10.10.00

Permalink 01:18:00, von Olaf, 378 Wörter, 541 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Wege in das was wir wollen (oder nicht wollen)

In der U-Bahn überlegt und nachgesonnen, und alles schien, als könnte es im Prinzip klar sein: das menschliche Streben und Wollen, die halbherzigen (und warum sie irgendwie immer halbherzig sind, außer wir sind besessen) Versuche, da- und dorthin zu gelangen: wir alle wollen etwas, und wenn wir "nichts wollen" wollen, wollen wir auch: ich kenne keine (oder aber: kaum) "angekommenen" Menschen (und sah "angekommene" zerbrechen oder lächerlich werden). Alle also wollen, und wohin es auch sei, in der U-Bahn dachte ich nicht über die "Ziele" nach (seien es: Glück (Hormone, Energien, Ausgeglichenheiten), Verschwinden (Nirwana, Leere), Ruhm (Kick, also Gefühle) oder was auch immer und auf was immer es sich zurückführen ließe), sondern über die Wege dorthin, und fand das interessant: denn auch die "Nicht-Wege" sind (Worte, Begriffe sind beliebig) Wege (oder so verwende ich das Wort). Und diese Wege kann ich aufzählen:
1. Schmerz: absichtliches Leiden (warum nenne ich das zuerst: bin ich ein heimlicher Fan?): von manchen modernen abgelehnt, aber in unserer ulkigen christlichen Kultur (leider, so finde ich wertend) verwurzelt;
2. Aktivität: etwas schaffen, bewusste Bemühungen, Arbeit, Anstrengungen;
3. Nichts-tun: Wu-wei (Handeln durch Nicht-Handeln), aber dabei (vielleicht) bewusst: akzeptieren: beobachten: stehen bleiben, warten;
4. Gut sein: "Gut" sein (zu anderen, zu der Natur, den Tieren, sich selbst): ehrlich sein, aufrichtig: helfen: missionieren; auch: korrekt sein, Beamter, oder politisch korrekt, sozialistisch, links;
5. Glauben: durch devote Haltung zum wahren (einzigen: dogmatischen (meistens)) Glück;
6. Lust: Sex: Freude: das Leben genießen: jeder Tag, an dem du nicht, lachst, ist ein verlorener Tag: Gegenwart: im Jetzt leben;
7. Wohlstand: viel Zeug, Materie: gutes Essen: Sicherheit: warme Wohnung, ungefährliche Bekannte und Nachbarn (Angst und weg mit dem Anderen, Unbekannten): nichts riskieren: verdrängen;
8. Erkenntnis: Wissen: mehr Lernen und Erkennen und dadurch den Weg sehen (der auch einer der obigen sein kann, aber wahrscheinlich nicht ist);
9. Macht: Kontrolle: andere unterdrücken und dadurch bestimmte Energien saugen: Nationalsozialismus: das Andere vernichten (ohne das Macht aber nicht funktionieren kann, deswegen: was übrig lassen);
10. Zur Natur: sich den Strömungen anpassen;
11. Du selbst sein: sich finden: sich erkennen: Psychoanalyse...

Nett, oder? Und bestimmt nicht vollständig. Und wer kommt her und wertet die Wege und hat die Wahrheit und zieht das eine dem anderen vor? Du, oder?

03.10.00

Permalink 01:15:00, von Olaf, 658 Wörter, 928 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Visionen

Früher Morgen. Ich halte durch bis die Visionen kommen (oder die Müdigkeit stärker ist). Was ich sagen will ist, dass viele Beobachtungen korrekt sind, und manche Folgerungen daraus sind ebenfalls nicht von schlechten Eltern: doch irgendwann spielt uns unsere fehlerhaft verinnerlichte induktive Logik einen Streich: hätte statt Mengenlehre (ihr wisst noch, oder: erste Klasse, die logischen Blöcke (rote und blaue und gelbe dicke und dünne große und kleine Quadrate und Dreiecke und Kreise und vielleicht (weiß ich nicht mehr) Rechtecke)) Erkenntnistheorie Gegenstand des Grundschullehrplans sein sollen (natürlich: wir hätten es nicht verstanden (verstehen es ja auch heute nicht))?): wir sehen die Ähnlichkeit zwischen zwei Dreiecken (den roten und den blauen) und schließen darüber auf die Eigenschaft eines dritten: meine zentrale These ist (nicht nur meine, dies hier ist common stuff), dass dieser Vorgang erschreckend oft in einem Bereich geschieht, in dem er zu falschen Ergebnissen führt: dies führt unter anderem zu Streits, Glaubensbekenntnissen (Weltbildern), naturwissenschaftlicher Theorienbildung (1) und Psychotherapien. Und hier schreibe ich (haha) etwas über meine Erfahrungen mit letzteren und betrachte sie von wo ich jetzt sitze (mein Körper auf meinem blauen Stuhl, eine Tüte in der Hand und "White Light from the Mouth of Infinity" (Swans) im CD-Player, mein Geist in Distanz zu meiner Vergangenheit (und doch seltsam daraus geboren ("wie entsteht neues?")), meine Seele in ihrem alten Schmerz (dessen Ergründung die treibende Kraft meines Lebens ist, und je weniger meiner Kraft ich für dessen (denn darum geht es vordergründig) Vernichtung aufwende, desto "besser" (jaja: Akzeptanz ist aus der Sicht derer, die eine Übersicht haben, schon eine leichtläufige Floskel!)).
Irgendwann (ich war 15) saß ich also auf dem Klo und dachte (schon damals dachte ich ständig (und somit zwanghaft) nach) nach und fand mein Leben soweit in Ordnung und war ganz glücklich (und wusste nicht so recht, wieso in aller Welt es unglückliche Menschen gab), und stürzte ab.

(1) Anmerkungen

Ort und Impuls
Die Diskussion um die Quantenmechanik ist ein Beispiel dafür: wir kennen das Konzept des Ortes aus dem Alltag ("Wo sind die Eiswürfel, Schatz?" - "Äh, oben im Kühlschrank"): dort sind die Angaben in der Regel ausreichend genau (zumindest können sie das sein, wenn die Leute ihren Verstand gebrauchen): "Eisfach" ist eine gute und korrekte Antwort, die sich spezifizieren ließe ("in der Plastikform ohne Namen"): die lediglich implizit getroffene Annahme, dies könne fortgeführt werden in immer kleiner werdendem Maßstab bis hinunter zur Größenordnung von Nanometern, ist jedoch unbegründet: sie wird getroffen aus einer Alltagserfahrung heraus: wir bilden stillschweigend die Klasse "Ort" mit der Eigenschaft "Auflösung: beliebig klein": wir nehmen also an, dass die Angabe eines Ortes im Prinzip (wenn auch nicht in der Praxis) in beliebig hoher Auflösung möglich ist, mithin dass das Konzept "Ort" auch im mikroskopischen Bereich existiert: dann finden wir heraus, dass sich "Ort" und "Impuls" nicht gemeinsam genau bestimmen lassen: und überraschender Weise zweifeln wir nicht die Gültigkeit dieser Konzepte (die implizit (ha: unbewusst!) zugewiesenen Eigenschaften unserer Alltagsklassen "Ort" und "Impuls") an, lassen sie nicht fallen, indem wir eine tiefere physikalische "Realität", die lediglich in abstrakter (d.h. nicht dem Alltag entlehnter) Sprache zu beschreiben ist, akzeptieren (ja, wir erfinden sogar das (richtigere) Konzept "Aufenthaltswahrscheinlichkeit", um unser Alltagskonzept in den Mikrokosmos zu tragen), sondern gehen den anderen Weg, reden von "Unschärfe" und meinen damit "es gibt zwar Ort und Impuls, aber wir können sie nicht gleichzeitig messen": und es entstehen Debatten wieder einmal nur aus dem Grund, dass wir nicht über unsere Voraussetzungen ("implizite Klassenbildung") nachgedacht haben: und wir übersehen die einfachere und elegantere Theorie, nämlich die Quantenmechanik als abstrakte Beschreibung anzusehen, die nach bestimmten (und lange existenten) Regeln eine Abbildung in unsere oben genannten Alltagsgrößen erlaubt, und fertig: keine weiteren Fragen mehr hinsichtlich einer fiktiven Abbildung zurück in den Mikrokosmos!

02.10.00

Permalink 09:15:00, von Olaf, 412 Wörter, 625 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Wie weiter?

Wie weiter?
Da sitze ich nun. Vor 18 Jahren und einigen Monaten fing etwas an, das seitdem vielerlei Gestalt angenommen hat und in keiner Weise abgeschlossen ist. Vor 18 Jahren und einigen Monaten wurde mir bewusst, dass das Leben eher ein seltsamer Zustand ist als etwas Stimmiges, zu mir Passendes, Natürliches. Die Struktur meines Universums zerriss: oder mir wurde es bewusst, denn (so müssen wir schreiben aufgrund der vielen Theorien, die es dazu gibt) natürlich liegen die Wurzeln dieser Bewusstwerdung in einer grauen, aber (und das ist wichtig) wahrscheinlich nicht schwarzen Vergangenheit. Vor 18 Jahren und einigen Monaten begann meine Reise ins Ich (nein, ich bin nicht angekommen): die Vehikel waren Vision Quests (oder was ich darunter verstehe), Therapien, Freunde und Freundinnen und Philosophien. Hier schreibe ich ein paar Worte zu den Therapien: die Essenz meiner Philosophien (die hier explizit nur am Rande vertreten wird, aber notwendiger Weise immer (immer - IMMER!) mitschwingt), ist eine poststrukturalistische (ein Teil davon auf die Spitze getrieben und verinnerlicht): ich glaube nicht an die objektive Existenz auch nur einer einzigen Klasse (lehne aber den Gedanken nicht ab, dass das Universum ein bewusstes (softwareähnliches) Produkt sein könnte und somit "a priorische" Klassen existieren könnten: diese könnten wir dann erkennen oder auch nicht: beweisen könnten wir sie in keinem Fall). "Klasse" meint hier so etwas wie "Begriff", "Kategorie": Beispiele sind Mensch, Frau, Mann, Atom, Angst, Stuhl, Apfel, und alle anderen: beinahe sämtliche Subjektive einer "Sprache" bezeichnen Klassen: und selbst wenn sie sich auf "eine konkrete Existenz" beziehen (zum Beispiel "mich"), sind sie möglicher Weise bestenfalls unscharf (schlimmstenfalls Geschwafel): ich streite nicht ab, dass das Arbeiten, Leben und Denken in Klassen sinnvoll und lebensnotwendig ist: selbst Erkenntnisse, aus denen dann Handlungsmaximen folgen, sind in einem gewissen Rahmen bildbar: der Fehler jedoch tritt genau dann auf, wenn vergessen wird, dass die Bildung einer Klasse heuristisch oder induktiv erfolgt und bestimmte Verallgemeinerungen (zu denen die Menschen einen sehr seltsamen Hang haben) gemacht werden: streng genommen ist keine Verallgemeinerung (Klassenbildung) gültig (wenngleich sie, wie gesagt, durchaus sinnvoll sein kann), weil bereits die Annahme, es existierten Klassen, vollkommen unbegründet ist: die Idee, zwei dieser kugelähnlichen ("Ähnlichkeiten" sind subjektiv: und die ehrliche Variante von Klassen) Dinger, die von dem, was die meisten Menschen in gleicher Weise als "Apfelbäume" identifizieren, der gemeinsamen Klasse "Apfel" zuzuordnen, ist brauchbar (und nicht mehr): dehnen wir sie aus und sagen "prima, schauen wir doch mal, zu welcher Klasse dies und jenes gehört", dann haben wir Unsinn begangen genau dann, wenn wir das 100%ig ernst meinen).
Visionen

22.08.00

Permalink 02:53:00, von Olaf, 105 Wörter, 607 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Es ist alles nur geliehen

Manche Dinge bleiben, zum Beispiel einige Lieder, die gar nichts bedeuten (und während ich dies schreibe, frage ich mich schon, was davon (von diesen Worten, von diesen Gedanken) im Universum angelegt (im Sinne von: möglich mit einer Absicht) ist: manchmal (wenn es draußen ruhig ist und gute Luft (aber ich labere)) mag ich den Gödelschen Satz (einen von ihnen) (so in etwa: du hast einen Haufen Axiome, und du baust ein System, und es gibt immer ein paar (unendlich viele?) Dinge, die haben mit deinen Axiomen nix zu tun, sind zu ihnen aber auch nicht im Widerspruch): und ich frage mich: könnte ich damit leben?

Permalink 01:40:00, von Olaf, 516 Wörter, 602 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

So das bin ich

Nach all diesen Enden und unfertigen Texten (denn mein Leben soll doch nach außen gehen und strahlen, deswegen möchte ich viel produzieren an Texten, denn das ist was bleibt) sitze ich hier an diesem Abend nach diesen Erlebnissen und frage mich nach den Rahmen, in denen sich alles abspielt, und dies ist wirklich entscheidend für alles was ich bin und alles was ist (für mich): und wenn ich also hier bin: so weit draußen wie es nur Schmerz schafft (ja: vielleicht mit einer kleinen Hilfe von Alkohol, aber wirklich einer kleinen)! Nur der Schmerz kann mich hierher bringen, keine andere Kraft genügt den psychischen Gezeiten (die da erscheinen als Faulheit (wenn ich moralinsauer sein will) oder als Lust (wenn ich mal klerikal bin) oder als Naivität (wenn ich Mensch bin)). Und wo bin ich: hier: soweit zu sagen dass was möglich ist, a priori nicht interessant ist!

So lebe ich. Mein Wesen drückt sich darin aus: was möglich ist, ist nicht interessant: woraus es zwei (kosmische) Auswege gibt (die auch wieder nicht interessant sind, wenn sie geplant wurden, und insofern auch wieder keine Auswege): erstens die Beliebigkeit, die sagt, dass die Fakten (nach Wittgenstein das was der Fall ist) nicht fassbar sind, will sagen dass es sie nicht gibt, weil sie keine Namen haben, nicht benennbar sind, gar nicht da sind, sie nirgendwo von keiner noch so weisen Instanz (insbesondere: von keinem Gott!!) jemals geschrieben worden sein können (um es deutlich zu machen: auch von keiner Intuition (auch nicht von deiner, will sagen: meiner)); und zweitens die Kreativität (ja: sie sind eng verwandt, die beiden), die vielleicht nicht beliebig ist, aber die erfinden kann, wirklich erfinden, jenseits (sich dies klarzumachen lohnt über alle Grenzen hinweg) aller Moral, Theorie, Gesetzmäßigkeit, Gottgegebenheit, Physik, Dualität, Symmetrie. Ist das zu verstehen? Es sagt auch: wenn unser Weg einem Plan folgt (oder versucht, diesem möglichst nah zu kommen (sei es ein Plan der PsychologInnen oder der GöttInnen)), ist er niemals frei: und tief in meinem Inneren glaube ich an die verzweifelte Suche Gottes (dies nun wirklich als Methapher) nach einem wirklich freien Wesen, das, egal wie klein es ist, wie schwach es sein mag, doch ein Gegenüber darstellt, es wirklich anderes, somit eine Weiterentwicklung (aber auf kein benennbares Ziel hin).

So lebe ich

Denn wir fühlen uns doch alle wie im Kinderzimmer: letzlich suchen wir nach einem (dem) Weg, das heißt wir suchen nach dem, was uns (wie ein Knochen einem Hund) vorgelegt wird, in welch komplexer (vielleicht: heiliger) Form auch immer: uns finden, unseren Weg finden, wie auch immer wir es nennen, immer ist es dasselbe (und: hier spricht mein tiefstes Olaf-Ich: immer ist es unfrei, bestimmt, eng, eingesperrt): schon da! Streben wir nach Harmonie (kosmischer)? Sie ist schon da, angelegt, geplant, muss nur gefunden werden. Und (wenn es hoch kommt): wenn sie geschaffen werden muss (weil die Möglichkeiten dazu da sind), dann ist sie auch schon da!.

Gibt es einen Ausweg? Einen Ausweg aus den Plänen anderer, aus den Möglichkeiten?

Ich weiß es nicht. Aber schon der Gedanke ist toll (oder ist er allein schon der grüne Fleck rechts unten im Yin-Yang?).

09.04.00

Permalink 22:05:29, von Olaf, 425 Wörter, 615 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Über Klassen

Es gibt keine Regelmäßigkeiten, keine Klassen, keine Wiederholungen, keine Identitäten (besonders letztere sind kaum fallenzulassen: haben wir Identität, mit was sind wir identisch? Mit uns selbst in Vergangenheit und Zukunft: was wir aber wiederum nicht sind, wenn wir uns ändern: also erfinden wir einen roten Faden, ein Ich, eine Konstante: und wir erfinden Eigenschaften und Methoden, änderbare Größen, die keinen Einfluss auf unsere Identität haben (sie allenfalls bestätigen): und wir erfinden das alles: und so erfinden wir uns, denn schon ein Personalpronomen ist eine Unterstellung!). Jede Assoziation ist ebenso falsch (erkenntnistheoretisch) wie lebensnotwendig. Wir können zwar wissen (und zwar und nur zufällig oder mit göttlicher (wenn es das gibt) Wirkung): aber wir können nicht wissen, dass wir wissen (jedenfalls nicht sicher oder nur zufällig oder mit göttlicher (wenn es das gibt) Wirkung): aber es geht hier nicht um Meta-Ebenen. Und ganz und gar nicht um Sprache. Vielleicht eher um das, was mit und ohne Alkohol ganz gleich ist. Wir können die kühne These vertreten, dass (aus eben solchem Zufall wie oben beschrieben) der unscharfe/Trance-/“was auch immer“/meditierte (aktives Wortwendung, lustig) Geist näher an dem vom scharfen/nüchternen/klaren/Alltag-Geist angestrebten Etwas (die Menschen nennen es voll impliziter Unterstellung Wahrheit) dran ist als eben der scharfe/klare/usw. Geist (näher nicht metrisch sondern unscharf/Trance/etc.). Es gibt nur Phänomene, keine Klassen (ist die Welt ein Traum („Idealismus“), was ich nicht behaupte und nicht negiere (oder könnte ich als euer „Objekt“ lustiger Weise sagen „dementiere“?), dann gibt es auch keine (nein: nur viel weniger) Phänomene): wie konnten wir nur darauf kommen es gäbe welche? Gibt es sie für Tiere? Oder gibt es nur mehr und weniger essbares, kombiniert mit Erfahrung von Hunger, Lust, Angst und Schmerz (und was weiß ich noch für – auch nicht existente – Klassen)? Weil es lustig (schon wieder lustig, ich lache fast) klingt zu sagen: es gibt keine Vögel, es gibt keine Menschen, es gibt keine Angst, es gibt keine Berge? Es gibt natürlich Grund zu der Annahme (das fällt uns Modernen ein) es gäbe Elektronen (nicht Kügelchen, aber Objekte mit ihren vielen Eigenschaften, Wellen, Aufenthaltswahrscheinlichkeiten)) und Gravitation: aber ich bestreite das (in jedem Fall könnt ihr es nicht beweisen): weil wir auch hier nach Willkür (!) die Definition der Klasse (Menge) und ihre variablen Eigenschaften trennen, das eine links, das andere rechts, und immer Willkür. Alle Klassen sind Willkür.

19.01.00

Permalink 02:35:00, von Olaf, 334 Wörter, 617 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Einträge

S-Bahn

Da stand ich so (ja, der Möglichkeiten-Text geschieht zu derselben Zeit) am S-Bahnnhof Yorckstraße und warte um 0:51 auf die S1, weil da an der Anzeige leuchtend dransteht S1 Oranienburg, und weil das weiter ist als das wo ich hinmuss (Hermsdorf nämlich). Aber um die genauen Zeiten zu kennen, las ich den überall hängenden Fahrplan, und der sagte mir, dass die letzte Bahn, die am Bahnhof Hermsdorf vorbeifahren würde, bereits seit über zehn Minuten weg war: die letzte Bahn um ein Uhr würde tatsächlich nur bis Schönholz fahren (was lange vor Hermsdorf ist). 
Weil die Dinge also insgesamt nicht klar (weil widersprüchlich) schienen, entschloss ich mich, die junge Dame in der Bahnhofsrezeption (so nenne ich es mal eben) zu fragen, was es damit auf sich habe.
 
Und was sie mir erklärte, kann ich nicht so einfach dem Internet und damit sechs Milliarden Menschen (wenn sie denn endlich mal Deutsch lernen täten) vorenthalten:
 
Sie sagte, ich solle mal hinschauen, ob auf der Anzeigetafel irgendwo Schönholz stünde. "Das können wir nicht schildern!", meinte die junge Dame. Also sah ich mir die Anzeigetafel an, wo lauter Zielorte dunkel geschaltet waren (also nicht-hell (für die PoststrukturalistInnen)), ein einziger (Oranienburg nämlich) jedoch hell leuchtete. Unter den unerleuchteten waren Frohnau, Potsdamer Platz und einige andere, aber nicht Schönholz.
"Da steht nicht Schönholz, das können wir nicht schildern." Schildern in diesem Zusammenhang verstand ich nicht sofort. Als es mir aber klar wurde, blieb mir dennoch ein Riss in der Argumentation nicht verborgen; also fragte ich: "Aber wieso zeigen Sie dann Oranienburg an?" Weil: das musste die Leute verwirren, denn der nächste Zug Richtung Oranienburg ging am frühen Morgen, fast vier Stunden später. Worauf sie meinte: "Na die meisten Leute, die um diese Zeit hier sind, wissen, dass kein Zug mehr durchfährt." Worauf ich meinte: "Na ich weiß es aber nicht." Worauf sie eigentlich ganz nett lachte.

Permalink 02:12:00, von Olaf, 501 Wörter, 604 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Möglichkeiten

Während ich so vor mich hin lebe und gerade noch fühle, wie sich meine Möglichkeiten hinter dem Horizont der Realität zurückziehen, während es spät in der Nacht ist und ich in einem Rausch (Alk), aber nicht neben oder jenseits von mir (was immer diese Sprache wirklich ist), mehr erlebe und erkenne als in anderen Zuständen und mir in der S-Bahn, bevor ich in das Taxi steige, gerade so viele Ideen und Einsichten kommen, und während ich mich dann frage: Gedanken: Einsichten: woher kommt ihr? Und kommt ihr aus mir, woher kommt ihr dann trotzdem?, während sich dies abspielt, spielt sich an einem anderen (an einem ganz, ganz anderen) Ort eine Realität ab, die die meine irgendwie zu beobachten, zu betrachten scheint: anders kann ich mir (unter Auferbietung all meiner Kräfte, all meiner angestrengten Wahrnehmung in meiner beschränkten, nicht von mir gemachten (ja!) Welt) nicht erklären, wie die Dinge sind. Manchmal kommt mir hoch: ich bin Existenzialist: manchmal erkenne ich die Welt als Fiktion (und frage mich, ob die Welt als Wille und Vorstellung, Maja, Paranoia und all diese Dinge etwas mit meinem innersten Wesen gemein haben): sehe ich die SchaffnerInnen, wie sie Rollen spielen, ganz gleich ob sie ihnen zugewiesen wurden oder ob sie sie sich in einem merkwürdigen Setting (einem früheren Leben oder einem Vorleben) ausgesucht haben: manchmal bin ich müde und habe Angst, manchmal habe ich keine: aber immer ist die Welt gefärbt, nicht als wäre ich schizophren, auch nicht als wäre ich bedroht, auch nicht als wäre ich neben mir in just dem Sinne, den die Psychotherapie zu heilen versucht: sondern als würde sich all meine Wahrnehmung von ihrem Inhalt trennen, einschließlich der Erkenntnis der Erkenntnis, einschließlich dessen, was das tiefste des Tiefen in mir wäre, wenn es nicht mein wäre, sondern das Ergebnis gleich welchen Prozesses. Was damit gesagt ist (und hier sage ich es nochmal): wenn alles, was ich bin, was in mich geht und aus mir kommt (einschließlich dieser Begriffe, die sich damit relativieren), mich nur als unvorstellbare Instanz benutzt, bin ich nicht und habe kaum noch Lust zu leben (außer nach einem geschickt gewählten Rückzug auf eine psychologische Instanz): und vielleicht ist das der Weg, den wir alle gewählt haben, weil wir alle da anfingen (wo jetzt eigentlich? na in dem Zustand völliger Abhängigkeit, und zwar nicht von Instanzen, die deswegen kritisiert gehörten, sondern von solchen, die das Sein selbst sind): jedenfalls in meinem Bild ist dies so oder könnte dies so sein: denn den Schritt muss ich nach aller Erkenntnis (wo profund sie auch jemals sein mag: das habe ich mir geschworen) noch tun: es könnte alles anders sein, und was DU sagst (wie bescheuert es auch ist) unterscheidet sich in diesem Sinne in keiner Weise von dem, was ich sage. Ach und es gibt so viel.

Olaf Schreibers Blog

So fängt es an: ich blogge. Es gab immer mal wieder ein paar Leute, denen der Ausfluss eines mit mir identifizierten Hirns gefallen hat, drum teste ich es mal so.

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