Archiv für: September 1999

02.09.99

Permalink 00:52:00, von Olaf, 551 Wörter, 548 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Wir erschaffen nichts

Sowas: wir Menschen (jedenfalls ich, und darum geht es wie immer hier) sind nichts als eine schmale Vermittlungsschicht zwischen zwei unbekannten Welten: eine Schnittstelle: sie kann Potentiale realisieren oder auch nicht, und unser Wohl und Wehe hängen ab von dieser Fähigkeit, von der Durchlässigkeit: und vielleicht von nichts anderem außer (das meine ich wirklich) von Dingen wie dem Wetter, Dingen, die von außen auf uns einwirken. Von diesen beiden hängt unser Zustand einschließlich seiner emotionalen Qualität ab: von dem Wetter und unserer Fähigkeit, das in uns entstehende zu gebären. Was meine ich damit?: dass wir nichts schaffen können: was durch uns hindurchgeht (wie ein Orgasmus, eine Idee, ein Kunstwerk), erscheint nur als eine Schöpfung, ein Erzeugnis unseres Selbst: Illusion: denn es kommt von unten und geht nach oben, nicht mehr: alles kommt aus Arenen (nur teilweise aus psychischen Landschaften), die wir nicht erkennen noch beeinflussen können (wir können sie nur ‚freilassen', durchlässig (ha: ‚lässig') sein, osmotisch): aus dem sogenannten (von wem eigentlich?) Unbewussten, Unterbewussten: eine Idee entsteht durch Entspannung oder Anspannung oder "einfach so" (hergekotzt): aber sie wird nicht wie eine Legoburg erzeugt: der Einfluss (ein schönes, passendes Wort (wie sehr sehr viele deutsche Wörter: tiefgründig und seltsam passend, wenn sie aufgelöst werden und auch schon vorher)), den wir ausüben können, ist beschränkt: wir erzeugen Möglichkeiten, aber niemals die Idee selbst; wir bereiten dem Orgasmus eine Bahn, aber wir erzeugen ihn nicht: er kommt aus uns heraus und dringt nach oben und ist dann weg, aber wir haben ihn nicht zusammengesetzt wie zwei Legosteine zu einer (zugegeben bescheidenen) Legoburg. Mit einem Wort: wir sind Beamte!

Nein, das war mir nicht klar, und etwas in mir wehrt sich dagegen (nicht nur, weil es uns vielleicht unbedeutend macht und in irgendwelche Akzeptanz schiebt (fast schon Mode: Akzeptieren)): manchmal ist mir ein gequältes Etwas, eine falsche Musik, eine schlechte Poesie, die aber aus der Vermittlungsschicht (dem Menschen selbst) kommt und nicht aus dem Unendlichen Ganzen, lieber als Schönheit und Wahrheit und Perfektion: was ich damit genau meine? Langsam finde ich den Gedanken bestechend: das Wenige zu hüten und zu betrachten, das Menschen wirklich originär schaffen können: immer ein gezwungenes, uninspiriertes, schlichtes, gewolltes Etwas. Gezwungen und gewollt und gar nicht wunderbar oder wunderschön oder stimmig oder genial, aber originär. Ein unbekannter Wert: jemand erzeugt etwas aus dem Willen heraus, dass es eigen ist: mithin nicht mittels Ausschaltung des Bewusstseins (wie es gelehrt wird: "bring deine Gedanken zum Schweigen"), sondern durch gewollte Entkräftung jeder unbewussten Regung, Erregung und Eingebung: dass ja nichts von unten und damit nicht von jenem kleinen Selbst komme, dass ich wirklich bin (auch wenn ich, das kann mir angerechnet werden, den Rest verwalte, und dies gut oder schlecht oder so wie alle: ganz schlecht).

Die Geringsten unter uns (ja, schmunzelnd mache ich Anleihen aus der (auch hinsichtlich ihrer historischen Qualität durchschnittlichen) Bibel) können, geht es um Ureigenes, dasselbe schaffen wie die Besten: denn diese sind nur die besseren Säuger, die aus den unergründlichen Tiefen (und wäre es das Zimmer nebenan: wir könnten nicht hineinschauen) immer neue Kunstwerke, Wissenschaften, Poesien und weitere Quasi-Intuivitäten hervorpoppen.

Olaf Schreibers Blog

So fängt es an: ich blogge. Es gab immer mal wieder ein paar Leute, denen der Ausfluss eines mit mir identifizierten Hirns gefallen hat, drum teste ich es mal so.

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