Archiv für: August 1999, 02

02.08.99

Permalink 23:11:13, von Olaf, 709 Wörter, 816 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Wie des Menschen leben funktioniert - Wie es kommt, daß manche Menschen mehr Glück im Leben haben als andere, daß sie besser aussehen, mehr Geld haben, mehr Sex, berühmter sind, cooler sind, bessere Eltern haben, einen angenehmeren Job haben, nicht gefoltert werden, mehr FreundInnen haben usw.

Und daher kommt es:

Bevor die Menschen geboren werden, erhalten sie entsprechend dem Guthaben ihres Karmakontos eine Anzahl Gutscheine, die gegen bestimmte Aspekte ihres zukünftigen Lebens eingetauscht werden können. Für jede Tier-, Pflanzen oder Geisterrasse gibt es ein bestimmtes Intervall an Karmapunkten, die die Leute (oder auch Tiere oder Pflanzen oder Geister oder vielleicht Steine) haben müssen, um als solche reinkarniert zu werden (für eine Giraffe brauchen wir 2.000 Punkte, jeder Zentimeter Hals schlägt mit 30 zu Buche; um als Baum geboren zu werden, brauchen wir 1.800 Punkte, als Grashalm lediglich 10). Deswegen unterscheiden sich beispielsweise die Menschen, die auf der Erde leben, nicht allzu sehr voneinander, was die Summe ihrer Qualitäten angeht: hier finden wir nur Individuen, die zwischen 3.800 und 4.050 Punkte angesammelt haben. Affen (und viele andere höhere Tiere) liegen bei 3.200 bis 3.799, manche (wie Yetis und Blauwale) bei über 4.500 (was der überheblichen Idee, der Mensch sei die Krone der Schöpfung, widerspricht).

Betrachten wir die Menschen: Bevor wir geboren werden, erhalten wir eine Art Fragebogen, auf dem wir die Punkte für unser künftiges Leben dessen einzelnen Aspekten zuweisen können. 3.500 Punkte brauchen wir allein für die Reinkarnation als solche: dies sind die Grundkosten (wir könnten wählen, als Tier wiedergeboren zu werden, aber das minimiert unsere späteren Aufstiegschancen - außerdem will das niemand, weil Tiere heutzutage gejagt und ausgerottet werden oder in der Massentierhaltung enden. Lediglich Hunde und Katzen sind begehrt). Von der verbleibenden Punkten könnten wir 50 Punkte für unser Aussehen aufwenden, 100 für unsere Intelligenz, 20 für unsere Musikalität, 40 für unsere Gesundheit, 50 für unseren Wohlstand, 70 für unser Lebensglück, 80 für die Möglichkeiten spiritueller Entwicklung, die sich in unserem Lebenslauf auftun werden (ja, diese Wahl geschieht jenseits der Zeit), 10 für unsere Eltern, 30 schenken wir dem Universum als Dank für unsere Existenz (sowas geht auch - und kann sich auszahlen wie bei einem Adventurespiel (denn das kann das Leben sein: die Computerei bringt es auf den Punkt)), 10 für unseren Humor, usw., und ganz schnell haben wir unser Kontingent aufgebraucht. Was wir wählen, ist eine Frage der Taktik und dessen, was wir eigentlich wollen. Vielleicht wollen wir im einen Leben eine schnelle spirituelle Entwicklung (und nehmen dafür eine Menge Streß in Kauf), in einem anderen aber entspannen (Wohlstand haben, gut aussehen, aber dafür eine ziemlich Null sein, oder ein Arschloch). Vielleicht wollen wir uns verewigen und setzen 300 Punkte auf eine gewaltige musikalische Fähigkeit, sterben aber mit 30 und haben zeitlebens Depressionen, während wir unter starker gesellschaftlicher Ablehnung leiden. Vielleicht verteilen wir die Punkte so, daß wir herzenswarm und ein bißchen doof sind, weil das ohne Risiko, aber mit Streß und eher langsam, weitere Punkte ansammelt. Wir können auch abgefahrenere Deals machen: wir sehen gut aus, sind wohlhabend, spirituell gut drauf, intelligent, haben intensive Gefühlserlebnisse (alle Leute beneiden uns), laufen aber ständig auf des Messers Schneide, weil das, was wir suchen, nicht von dieser Welt ist: wir haben alles auf eine Karte gesetzt: vielleicht haben wir aus einem zukünftigem Leben etwas geliehen. Wer sein Leben vernünftig lebt oder ein riskantes Leben gut meistert und am Ende neue Punkte hinzugewonnen hat (was nötig ist, weil bei der Abgabe des Körpers - die wir als Tod bezeichnen - nicht alle 3.500 Punkte wieder gutgeschrieben werden, sondern pauschal 10% abgezogen werden. Wer nur Blödsinn macht, kann es demnach schaffen, danach nicht wieder als Mensch auf die Welt zu kommen), kann sich im nächsten Leben vielleicht mehr Schönheit, Libido oder Geld leisten. Wer über 4.050 Punkte kommt, braucht nicht wieder als Mensch auf diese Welt (in seltenen Fällen machen es doch manche, und zwar aus komplexen kosmischen Gründen, die ich hier nicht abhandeln darf). Das Nirwana wird bei 6.666 Punkten erreicht (bei 6.000 Punkten weniger müssen wir in eine Art Zwischenhölle).

Alternativ zu dieser Phantasie könnte angenommen werden, daß wir unsere Punkte nicht selbst verteilen können, sondern die Zuordnung von anderer Seite geschieht oder zufällig ist. Oder es gibt gar keine Punkte und kein Karma, und alles ist ohnehin zufällig. Oder es ist weder nicht zufällig noch zufällig und hat auch keine Hierarchien (wie die mit den Punkten).

Olaf Schreibers Blog

So fängt es an: ich blogge. Es gab immer mal wieder ein paar Leute, denen der Ausfluss eines mit mir identifizierten Hirns gefallen hat, drum teste ich es mal so.

August 1999
Mo Di Mi Do Fr Sa So
Aktuell> >>
            1
2 3 4 5 6 7 8
9 10 11 12 13 14 15
16 17 18 19 20 21 22
23 24 25 26 27 28 29
30 31          

Suche

Kategorien

Sonstiges

Wer ist online?

  • Gäste: 8

powered by
b2evolution