Archiv für: April 1999

29.04.99

Permalink 18:00:00, von Olaf, 1306 Wörter, 593 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Über das Wichtige

Schöne Tage (was das Wetter betrifft) wie dieser heutige zwingen mich immer, einen Genuß zu versuchen: dieser scheitert meist und gelingt manchmal, aber der Versuch ist nötig, damit ich am Abend die vergangene (verbrauchte) Zeit nicht als Verlust verbuche und mich 'schlecht' fühle: letzteres ist natürlich nicht 'schlimm', aber trotz aller Einsicht in natürliche Gefühle (und deren grundsätzliche Folgerichtigkeit) strebe ich noch immer ('noch immer' erzeugt eine Erwartung) nach der Vermeidung von Unannehmlichkeiten: beim heutigen Versuch bin ich also recht zeitig (aber im psychologischen Sinne kann es, wie gleich ausgeführt wird, kein 'rechtzeitig' geben) spazieren gegangen, ins Hermsdorfer Fließtal, das in diesen blühenden Apriltagen zumindest theoretisch wunder-wunderschön ist: die Frage ist dann jeweils, wieweit diese Schönheit in der Lage ist, in meinen Organismus zu dringen (stimmt: sicher ist die Frage falsch gestellt: inwieweit kann ich diese Schönheit in meinen Organismus dringen lassen: und in was (welchen Teil dieses Organismus, der 'ich' ja nicht zur Gänze bin, weil ich ihn ständig wie von außen beobachte) dringt diese Schönheit ein, wenn ich sie lasse?: oder noch genauer (denn so spielt es sich ab): in welchen Teil 'will' ich diese Schönheit dringen lassen, denn ich habe ein Motiv, das mit meinem Bild von Erleben (und vielleicht von 'Natur') zusammenhängt, mit dem 'was sein sollte': wahrscheinlich 'will' ich ('was' da will ist bestimmt Thema einer späteren 'Untersuchung'), wenn 'ich das schöne Wetter genießen will', in erster Linie 'nichts versäumen', 'gelebt' und 'erlebt' haben, was 'aus dem Leben herauszuholen' ist: ach könnte ich diesen Unsinn fallen lassen und tun, wonach mir wirklich ist: aber wie soll ich das wissen, wenn soviel Gesellschaft eingedrungen ist in meinen Organismus (da wo ich heute eigentlich die 'Natur' haben 'wollte')?

In dieser Befindlichkeit befand ich mich also, als ich aus der Dingsbumsstraße in das Fließtal einbog, welches mein 'Ziel' (wann immer ich ein solches habe, bin ich gehetzt, bis ich da bin: deswegen bin ich immer gehetzt, weil ich immer auf etwas warte, was dasselbe wie ein Ziel ist) war: es dauerte eines Weile des Spazierens, bis die Tagträume sich ausgelebt hatten und der an sich immer von mir angestrebte 'glückliche Umstand' einer ganz bestimmten Freiheit eingetreten war: der glückliche Umstand war, daß ich (wie immer häufiger) in der Lage war, klar zu denken, 'nachzudenken': ich konnte mir die Frage nach 'dem Wichtigen' und die nach 'dem Wesentlichen' in aller Ruhe stellen, nur hin und wieder abgelenkt von störenden Gedanken oder Insekten (wie jenen, der jetzt gerade kommt (aber der ist nicht störend, da diese Art Text ja gerade das Forum für Assoziationenketten und somit 'störende' Gedanken ist, die in diesem Sinne ja nur 'stören', wenn das Ziel vorhanden ist, namentliche nicht zu haben, sondern nur einen 'frei' gewählten, der dann gewendet und betrachtet wird: oder natürlich gar keinen wie bei einer Meditation): welchen Gewinn halte ich in den Händen, sollte tatsächlich eines Tages jeder Winkel meines 'Organismus' (einschließlich des Gehirns und seiner Ausgeburten) auf Papier oder im WWW geschrieben stehen?): in diesem Zusammenhang erklärt sich auch das 'interessante' Phänomen, daß eine 'Natur'betrachtung im Kino, womöglich mit Musik, oft leichter verdaulich (im Sinne des oben beschriebenen 'Genießens') ist als ein 'reines' 'Natur'erlebnis in der 'Natur' selbst: es gibt keine (oder weniger) störende Gedanken und keine (wirklich keine) störenden Insekten: letztere gibt es nicht, weil die modernen europäischen Kinos weder Ernährungsgrundlagen noch Brutstätten für diese bieten (im Falle von Mücken zwar viel Blut (für deren Eier), aber wenig Wasser (für die Larven): wenn, dann ist es nicht zugänglich, nur für 3,50 DM pro 0,4 l, zu teuer für Mücken, und ich weiß nicht, wie sie auf Kohlensäure reagieren, oder gar auf Cola, die selbst Menschen schädigt: soviel zu störenden Gedanken: da kommt mir noch einer: in einer Textform wie dieser gehe ich offensiv mit störenden Gedanken um, das ist ja eine ganz neue Methode: ich behandle sie wie Pickel oder fertige Kippen: ich drücke sie aus), erstere (habt ihr den Faden noch?), weil das Kino (mit wenigen Ausnahmen) das 'Leben' in jeder Hinsicht übersteigert darstellt (natürlich stellt es nicht 'das Leben' dar, dann wäre es sinnlos, es will besondere Aspekte 'des Lebens' klarstellen, wenn es 'gut' ist, oder via Identifikation Männerträume befriedigen, wenn es 'schlecht' ist (und es ist meistens 'schlecht', auch wenn es sich um diese tollen, spannenden Filme handelt)): aber ich will hier nicht in Medientheorie (die eine Theorie von Lüge, Lüge, Lüge, Wahrheit und Lüge ist) lustwandeln, sondern das 'Natur'erlebnis im Kino mit dem 'echten' (das es eben auch nicht ist, und darum geht es hier) vergleichen und eben feststellen, daß durch die Übersteigerung (mittels intensiverer Farben (Polarisationsfilter oder Computer), Musik, treffender Sprache der ProtagonistInnen (sie wissen immer was zu sagen), einer jedem normalen Leben fremden Erlebnisdichte der ProtagonistInnen, einer vollkommen entfremdeten 'Schönheit' der ProtagonistInnen, Aktion, Reichtum der ProtagonistInnen (im Kino und in echt), einfach gehaltener (selbst in den schwierigen Filmen) Handlungszusammenhänge (das 'wirkliche Leben' ist immer komplizierter), unwahrscheinlicher Ereignisse, summa summarum größerer 'Interessantheit' als das 'wirklich Leben') das Gesehene und Gehörte mehr Raum im betrachtenden 'Organismus' einnimmt (tiefer und umfassender 'eindringt') und gleichsam 'störende Gedanken' überflüssig macht: dies geschieht deshalb, weil die Inhalte der 'störenden Gedanken' ja allzu oft Ereignisse durchspielen und -spulen, die von der/dem Tagträumenden erfunden (Drehbuch) oder modifiziert (Regie) oder neu beurteilt (Kritik) oder, wenn sie als schön empfunden wurden, einfach wieder angeschaut werden (ZuschauerInnen): sie stehen als Ersatz für die 'langweilige' gerade stattfindende 'Realität' (wie den Spaziergang) oder kompensieren eine Unzulänglichkeit, die die eigene Psyche nicht erträgt (wie bei Tagträumen, in denen die/der Träumende heldenhafte Taten begeht: hier wird zum Beispiel die eigene Minderwertigkeit kompensiert (anstatt die Meßlatte auf tieferer Ebene zu hinterfragen)) oder schummeln sich um nicht erlebte Trauer herum oder was auch immer eine Psyche hergibt: dasselbe erreicht ein Film mit anderen Mitteln und macht daher 'störende Gedanken' und Gedanken überhaupt temporär überflüssig: ich in besagtem Fließtal wollte gerade das (in meditativer Manier) heute nicht und, wie gesagt, verscheuchte störende Gedanken (nachdem ich ihnen einige Zeit zur freien Verfügung eingeräumt hatte) wieder und wieder: ich wollte nachdenken.

Da saß ich also unter blühenden, wundervoll duftenden Bäumen neben fließendem und stehendem Wasser auf einer (leicht sumpfigen, wie sich später herausstellte) Wiese, während die Vögel lautstark vor sich hin balzten und nur aus der Ferne der (wenn Gott existiert, möge sie oder ihn ihn verdammen in alle Ewigkeit) Verkehrslärm herüberklang (und sich mit einer Leichtigkeit - wie Lärm überhaupt - in meinen 'Organismus' drängte, gegen die die 'Natur' bislang besser beraten ist, jeden Vergleich zu scheuen): und ich fragte mich, wie so oft auf mein Leben und seinen 'Verlauf' (das ist die zeitliche Perspektive, die wir tiefer verinnerlicht haben als unsere Liebes- und Leidensfähigkeit) blickend, was 'wichtig' ist für das 'Universum' und wie ich dem am besten begegnen (hier: entsprechen; aber genauso gut: widersetzen, kontrollieren) könnte: also hörte ich fiktive Menschen vor meinem inneren Ohr sprechen und sagen: "Gesundheit", "Liebe", "gute Freunde", "Geld", "Frieden", "politisches Engagement", "soziales Engagement", "Sex", "Gott", "Buddha", "einen guten Beruf haben", "Selbstverwirklichung", "bei sich sein", "innere Ruhe", "mit der Natur leben", "Urlaub", uvm.: nun, die richtige Antwort wird zu einem späteren Zeitpunkt an gleicher Stelle veröffentlicht: wichtig (aber hier nicht im umfassenden Sinne) war mir heute nur der Weg zu der Frage, wie ich ihn beschritten.

08.04.99

Permalink 20:13:10, von Olaf Email , 1795 Wörter, 655 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Über Wahrnehmung und Interpolation der Größe anderer Menschen und der Größe ihrer Taten

Es ist 20:13, der 8. April 1999. Draußen verschwindet das letzte Licht eines feuchten, aber wohlriechenden Tages. Ich höre eine Lohengrin-Aufnahme von Barenboim, während im Kosovo die Vertreibung tobt und in Serbien Bomben fallen.
Die Gedanken dieser Schrift sind syntaktisch durch Verkettung von Doppelpunkten dargestellt: ich bin nur unter Verkrampfungen in der Lage, durch und durch strukturiert und zielgerichtet zu schreiben, also von 'oben' vor einem großem Blatt zu sitzen und dessen Inhalt wie in einem Puzzle zusammenzusetzen (eigentlich: zu konstruieren), wie es für wissenschaftliche Arbeiten nötig wäre: meine 'Gedanken', 'Gefühle' und Filme kommen aber anders, und 'Ich' bin als Thema zu wenig scharf abgegrenzt, um darüber anders als seriell zu schreiben: es wäre immer nur ein falscher Ausschnitt, an dem ungeheuer viele 'Wenns', 'Abers' und 'Gegenteile dessen' nagen: anders als in einer Arbeit, die auf eine Conclusio hinauslaufen soll, verdienen bei 'mir' alle Aspekte genannt zu werden (stimmt: weil es keine Conclusio gibt), und eine Auswahl ist nicht möglich (scheitert an der Mächtigkeit der Menge) und wäre vollkommen falsch: ich muß also 'irgendwo' einsteigen und 'irgendwo' auch wieder aussteigen und den dazwischen liegenden Strom auf das Papier gießen, und hier beginnt er:
tagsüber habe ich am Computer gearbeitet und ausreichend Geld verdient, jetzt am Abend denke ich über Möglichkeiten und Strategien eines (meines) Lebens nach: ich versuche, alles einzubeziehen, alle bekannten 'äußeren' Fakten: neben 'Kosovo' sind das zur Sekunde die Erwärmung des Golfstroms mit der Folge einer klimatischen Abkühlung in Europa, also kälteren Sommern, und die Genitalverstümmelung bei Millionen von Mädchen und Frauen in aller Welt: davon habe ich gerade wieder gelesen im Zusammenhang mit Asylgründen in Deutschland und warum das keine sind: niemand will 'das' (Asyl) bezahlen (offiziell ist der Grund dafür, daß es sich 'dabei' - wie auch bei Vergewaltigung - nicht um politische Verfolgung mit unmittelbarer Gefahr für Leib und Leben handelt): dann dachte ich, daß ich immer bestrebt bin, möglichst wenig Steuern und Abgaben zu zahlen und wie das, diesen nüchternen Fakt einbeziehend, mit meiner selbstverständlichen Forderung nach Asyl für alle ausschaut: dann aber fällt mir die 'grenzenlose Verschwendung von Steuergeldern' ein (auf 'jedem Gebiet'), und mir scheint es gerechtfertigt, nach einer anderen Verteilung des Vorhandenen zu rufen, selbst wenn von mir nichts dabei ist: hin und wieder spende ich aber kleine bis mittlere Beträge: dabei fällt mir ein der Spendenaufruf für die Kosovo-Vertriebenen (von denen die 220, die nach Berlin sollen, gerade von so ein paar CDU-Scheißern nicht willkommen geheißen wurden): ich dachte darüber nach, einen Betrag anzuweisen, aber dann fielen mir die 20 Milliarden ein, die bis jetzt für das NATO-Bombardement Serbiens ausgegeben wurden (dessen aktuelle - nicht historische - Beurteilung mir übrigens schwerfällt), im Vergleich zu den 800 Millionen, die die EU gerade versucht bereitzustellen für die Vertriebenen: da wirkt ein Spendenaufruf irgendwie bescheuert (also spende ich an amnesty international, die grundsätzlich von keinem Staat was annehmen). An anderen Tagen gibt es andere 'äußere' Fakten, die die eines jeden und einer jeden modernen moderaten 'Linken' sind. Nachdem ich mich also damit abgefunden habe, heute nichts mehr (wie an anderen Tagen auch schon nicht) für das Wohl anderer zu unternehmen: ein schlechtes Gewissen habe ich nicht mehr, wenn mich eines Tages etwas nach 'außen' bewegt, wird es die Einsicht in eine 'faktische' Möglichkeit, die sich mit einer 'inneren' deckt, sein: oder mit anderen Worten: wenn die Kluft zwischen meiner Faulheit und der Unlust politischer Aktivität (so habe ich sie erlebt) überwindbar oder nicht mehr vorhanden ist (weil es nicht mehr abstrakt ist oder um Menschen oder Themen geht, die mir wirklich nahe sind), fällt mir auf, daß nie jemand diese Sätze lesen wird: wo war ich? Es folgt die weitere Vergegenwärtigung meiner Position in Zeit und Raum (eher als umgekehrt): nach den 'äußeren' Fakten folgen die 'mittleren': mein Umfeld, Beziehung, Job, Wohnung: die waren schon oft Anlaß zur Sorge (die sich aber immer mit obigen 'äußeren' Fakten aushebeln läßt), sind aber heute alle keine Anmerkung oder Aufzählung wert. Also komme ich zu meiner 'inneren' Realität: nun handelt es sich nicht mehr um 'Fakten': über die ich eigentlich schreiben wollte, was aber nur möglich ist, wenn das Grauen draußen in der Welt wenigstens erwähnt und am besten eingeordnet ist: nicht aus schlechtem Gewissen (das sagte ich schon), sondern damit alles in einem schlüssigen System bleibt (und damit ich nicht ignorant oder gar egoistisch wirke) oder jedenfalls so scheint, egal wie bescheiden das Ausmaß der 'Schlüssigkeit' (aber ich fange schon wieder an, mich zu entschuldigen). Also zurück: bereits mit dem ersten Satz wollte ich mich fragen, mit der Nüchternheit, die mir heute möglich ist, was ich eigentlich in meinem Leben noch machen möchte: da ist ein Haufen Zeit, eine nicht unbeträchtliche Menge Freiheit

lustiger weise kommt just in diesem Moment (es ist 20:49) Eva rein und fragt mich, ob wir nicht essen kochen sollen, und weil ich zugestimmt habe, unterbreche ich jetzt diese Schrift und nehme sie vielleicht nie wieder auf

tatsächlich, um 21:37 geht es weiter mit einer nicht unbeträchtlichen Menge Freiheit, die da ist: die wirklich da ist und wohl nur beschränkt wird durch Weltbilder, Glaubenssätze und 'Fakten' (letztere in diesem Zusammenhang genau auszumachen ist schwierig): im wesentlichen bin ich in einer Situation, in der ich mich hinsetzen kann und im Prinzip nachdenken oder nachsinnen und im Prinzip entscheiden. Will sagen, es brennt weder ein Feuer in mir oder wütet ein Dämon, das oder der mich in seine Pflicht nimmt: ich liebe und mache Musik, aber bin weder ein Visionär noch davon verfolgt noch muß ich um alles in der Welt Musik machen: oft habe ich mir einen inneren Fanatismus gewünscht, der mir die Suche nach Sinn und vor allem sinnhaftem Inhalt meines Lebens abnimmt: oder ich fühle das Feuer und spüre den Dämon nicht (wie die noch immer tiefenpsychologisch orientierten unter uns einwenden mögen), noch stecke ich in 'äußeren' Zwängen, mit Ausnahme der viel zu vielen und im Vergleich zu anderen doch wenigen Stunden Broterwerb, die einiges von meiner Zeit abzwacken (ja, wenn ich 'anders' wäre, könnte ich daran viel machen, aber ich bin visionsarm, faul und arbeite vielleicht sogar gerne: nur hin und wieder - vielleicht einmal in der Woche - überkommt mich eine Klarheit und ein tiefes Unbehagen, was ich mit diesem (vielleicht einzigen, vielleicht auch nicht) Leben mache, wie ich es wegwerfe: ein weiteres Mal bin ich ebenso klar und zufrieden damit, kleine Brötchen zu backen: genauer, wenn ich nicht an die (im Prinzip hypothetische, und auf genau diese Hypothese bezieht sich die überschrift dieser Schrift) Existenz größerer bis großer Brote denke, finde ich eine Ausgeglichenheit, die sich richtig anfühlt: oder ist es in diesem Fall das eher seltene Phänomen, die eigenen Gedanken zu verdrängen: anstatt natürlich, wie unter uns Männern üblich bis die Regel, die eigenen Gefühle: wenn wir unseren Diskurs überhaupt noch in diese Kategorien packen, was von Jahr zu Jahr kraft- und reizloser wird: wie dem auch sei, ich finde also in einfachen Strukturen die Ausgeglichenheit, die ich in den Jahren meiner Depressionen und Einsamkeit und Selbstglorifizierung so vermißte: und frage mich, ob ich damit auch meine 'Kreativität' (schon klar, oder?: die einfachen Anführungszeichen deuten immer an, daß auf eine tiefere Klärung des Begriffs aus dem am Anfang dieser Schrift genannten Gründen verzichtet werden muß) einbüße: die ich wiederum zu Zeiten der Depression und Einsamkeit und Selbstglorifizierung ebensowenig ausgelebt habe, auch wenn die wenigen 'Produkte' (einige Texte, einige Musik) aus dieser immerhin 15 Jahre dauernden Zeit anderes vermuten lassen: ich kann hier nicht genauer darauf eingehen, denn ich fühle mich gestreßt durch den einen Gedanken, dessen Beschreibung ich mir schon in der überschrift auferlegte: über Wahrnehmung und Interpolation der Größe anderer Menschen und der Größe ihrer Taten. Da bin ich also nun mit meinem Leben und meiner Zeit, meinem Raum, meiner Freundin, meiner Wohnung, meinen CDs, meinem Geld, meinen Tagebüchern, den Kassetten mit 'selbstgemachter' Musik (komisch, daß das nicht mehr alle Musik auf der Welt ist: 'ist diese Musik selbstgemacht?'; 'nein, das ist eine professionelle Aufnahme.'), meinen Freundinnen und Freunden, meinem Job, meinem Interesse und Fachwissen über Computer (namentlich HTML, Perl, Javascript, Visual Basic, VBA, Microschrott Office, 95/NT, Linux, Cubase, uvm. - daher kommt die Kohle und somit das Leben), meinem Klavier, meiner Kochkunst (asiatisch am liebsten), meinem Geist, und sitze hier, und (das ist fern von jeder Selbstverständlichkeit, auch wenn es sich vielleicht einfach liest) bin in der Lage, mir die Frage nach meinem Leben ohne jede Verwirrung zu stellen: allerdings werde ich sie hier nicht beantworten, sondern eine der Bedingungen einer möglichen Antwort erörtern (auch wenn ich dazu - zu meinem ursprünglichen Motiv also - gar keine Lust mehr habe): es geht um die Einschätzung der Lebensnotwendigkeiten für die eigene Person im Angesicht anderer Personen und dessen, was diese erreicht haben: und in diesem Zusammenhang wollte ich eigentlich nur die Erkenntnis mitteilen (dies aber mit all ihren 'Fürs' und 'Widers'), daß es ein häufiger, lähmender Fehler vieler Menschen ist, sich andere Menschen (vorzugsweise solche, die frau/man sehr wenig kennt) anzuschauen, einige ihrer wirklich großartigen (das meine ich so) Persönlichkeitsmerkmale, Wesenzüge und Charaktereigenschaften anzuschauen und diese auf den gesamten Menschen zu interpolieren und dasselbe mit den Taten, Berufen und dem Erreichten dieser Menschen zu machen und sich dies zum Maßstab zu machen (wohlgemerkt, nicht die 'Fakten' sondern die eigene Interpolation): die andere Seite ist, daß diese Betrachtung, einmal verstanden, gleich die Möglichkeit bietet, die eigene Trägheit in ein selbstbetrügerisches Koordinatensystem zu hieven: und das sind schon die beiden Seiten, und ich schließe damit, daß in allen Belangen des wirklichen Lebens eine Synthese (=eine Wahrheit) aus Antagonismen oder zwei Medaillenseiten die absolute Ausnahme darstellt und daß unser Weltbild und alle Filme außer den guten lügen und daß mir persönlich kein final fester Koordinatenpunkt im Universum bekannt ist, der nicht irgendwo, vielleicht im Gamma-Quadranten oder in einer Nachbarkultur oder noch weiter, ein gültiges Gegenteil (und sei es klein) hat: und daß die Leute, die dennoch mit festen Koordinaten leben, oft merkwürdig langweilig wirken - wie ChristInnen -, weil die prinzipielle - nicht praktische - Möglichkeit, alles in Frage zu stellen, Kontakt notwendig macht, und ein Kontakt, der nicht aus einer Notwendigkeit heraus besteht (oder seine wahre Notwendigkeit leugnet, was häufiger der Fall ist), wie wir alle wissen, nicht funktioniert.

os

Olaf Schreibers Blog

So fängt es an: ich blogge. Es gab immer mal wieder ein paar Leute, denen der Ausfluss eines mit mir identifizierten Hirns gefallen hat, drum teste ich es mal so.

April 1999
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