Visionen

03.10.00

Permalink 01:15:00, von Olaf, 658 Wörter, 952 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Visionen

Früher Morgen. Ich halte durch bis die Visionen kommen (oder die Müdigkeit stärker ist). Was ich sagen will ist, dass viele Beobachtungen korrekt sind, und manche Folgerungen daraus sind ebenfalls nicht von schlechten Eltern: doch irgendwann spielt uns unsere fehlerhaft verinnerlichte induktive Logik einen Streich: hätte statt Mengenlehre (ihr wisst noch, oder: erste Klasse, die logischen Blöcke (rote und blaue und gelbe dicke und dünne große und kleine Quadrate und Dreiecke und Kreise und vielleicht (weiß ich nicht mehr) Rechtecke)) Erkenntnistheorie Gegenstand des Grundschullehrplans sein sollen (natürlich: wir hätten es nicht verstanden (verstehen es ja auch heute nicht))?): wir sehen die Ähnlichkeit zwischen zwei Dreiecken (den roten und den blauen) und schließen darüber auf die Eigenschaft eines dritten: meine zentrale These ist (nicht nur meine, dies hier ist common stuff), dass dieser Vorgang erschreckend oft in einem Bereich geschieht, in dem er zu falschen Ergebnissen führt: dies führt unter anderem zu Streits, Glaubensbekenntnissen (Weltbildern), naturwissenschaftlicher Theorienbildung (1) und Psychotherapien. Und hier schreibe ich (haha) etwas über meine Erfahrungen mit letzteren und betrachte sie von wo ich jetzt sitze (mein Körper auf meinem blauen Stuhl, eine Tüte in der Hand und "White Light from the Mouth of Infinity" (Swans) im CD-Player, mein Geist in Distanz zu meiner Vergangenheit (und doch seltsam daraus geboren ("wie entsteht neues?")), meine Seele in ihrem alten Schmerz (dessen Ergründung die treibende Kraft meines Lebens ist, und je weniger meiner Kraft ich für dessen (denn darum geht es vordergründig) Vernichtung aufwende, desto "besser" (jaja: Akzeptanz ist aus der Sicht derer, die eine Übersicht haben, schon eine leichtläufige Floskel!)).
Irgendwann (ich war 15) saß ich also auf dem Klo und dachte (schon damals dachte ich ständig (und somit zwanghaft) nach) nach und fand mein Leben soweit in Ordnung und war ganz glücklich (und wusste nicht so recht, wieso in aller Welt es unglückliche Menschen gab), und stürzte ab.

(1) Anmerkungen

Ort und Impuls
Die Diskussion um die Quantenmechanik ist ein Beispiel dafür: wir kennen das Konzept des Ortes aus dem Alltag ("Wo sind die Eiswürfel, Schatz?" - "Äh, oben im Kühlschrank"): dort sind die Angaben in der Regel ausreichend genau (zumindest können sie das sein, wenn die Leute ihren Verstand gebrauchen): "Eisfach" ist eine gute und korrekte Antwort, die sich spezifizieren ließe ("in der Plastikform ohne Namen"): die lediglich implizit getroffene Annahme, dies könne fortgeführt werden in immer kleiner werdendem Maßstab bis hinunter zur Größenordnung von Nanometern, ist jedoch unbegründet: sie wird getroffen aus einer Alltagserfahrung heraus: wir bilden stillschweigend die Klasse "Ort" mit der Eigenschaft "Auflösung: beliebig klein": wir nehmen also an, dass die Angabe eines Ortes im Prinzip (wenn auch nicht in der Praxis) in beliebig hoher Auflösung möglich ist, mithin dass das Konzept "Ort" auch im mikroskopischen Bereich existiert: dann finden wir heraus, dass sich "Ort" und "Impuls" nicht gemeinsam genau bestimmen lassen: und überraschender Weise zweifeln wir nicht die Gültigkeit dieser Konzepte (die implizit (ha: unbewusst!) zugewiesenen Eigenschaften unserer Alltagsklassen "Ort" und "Impuls") an, lassen sie nicht fallen, indem wir eine tiefere physikalische "Realität", die lediglich in abstrakter (d.h. nicht dem Alltag entlehnter) Sprache zu beschreiben ist, akzeptieren (ja, wir erfinden sogar das (richtigere) Konzept "Aufenthaltswahrscheinlichkeit", um unser Alltagskonzept in den Mikrokosmos zu tragen), sondern gehen den anderen Weg, reden von "Unschärfe" und meinen damit "es gibt zwar Ort und Impuls, aber wir können sie nicht gleichzeitig messen": und es entstehen Debatten wieder einmal nur aus dem Grund, dass wir nicht über unsere Voraussetzungen ("implizite Klassenbildung") nachgedacht haben: und wir übersehen die einfachere und elegantere Theorie, nämlich die Quantenmechanik als abstrakte Beschreibung anzusehen, die nach bestimmten (und lange existenten) Regeln eine Abbildung in unsere oben genannten Alltagsgrößen erlaubt, und fertig: keine weiteren Fragen mehr hinsichtlich einer fiktiven Abbildung zurück in den Mikrokosmos!

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Anmerkungen und Betrachtungen zu Grundsätzlichem

Hirnausflüsse von Olaf. Manche wollten das lesen. Wenige, aber immerhin. Es fügt der Welt Informationen hinzu.

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