Über die Entstehung meiner Phantasie

03.08.99

Permalink 00:30:00, von Olaf, 333 Wörter, 526 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Über die Entstehung meiner Phantasie

Was wir haben sind Phantasien: weil unsere Leben letztendlich so leer und unbedeutend, so wiederholt und kopiert sind, daß ihr Inhalt nur in schwachen Stunden, vielleicht alkoholisiert, dumpf oder in sonstiger Euphorie erträglich erscheint (ja, vielleicht gibt es die Ruhe, in der wir über den Dingen schwebend, akzeptierend, das Kleine liebend, mit uns im Reinen sind: aber nicht für mich, und schon gar nicht bald, schon gar nicht als Perspektive, nur als trügerische Hoffnung, die mich über den Tag hievt...). Ich war in Mitte, zur Montagsbar, nach dem Badminton mit Matthias, und mir (und auch uns) fiel die Art der herrschenden Gespräche auf, die der Tischnachbarn und unsere eigenen: ihre Semantik, die Formulierungen, der Tonfall: alles geklaut, alles schon gewesen, alles Abklatsch einer herrschenden Kultur. Die Kleidung selbst der ausgefeiltesten Leute ist zurückführbar auf den sogenannten Zeitgeist: und was macht's? Es ist nur schön, diese Dinge zu wissen.

Mein persönliches Leben, das inmitten dieser Welt Atemzüge zu tun versucht, ist davon betroffen: ich suche Lösungen. Manche gebiert meine Bitterkeit, die sich hervordrängt, allem was ich habe zum Trotz: beinahe psychotisch traktieren mich blödsinnige Sehnsüchte: werde ich neidisch auf Zeug, das mir hier zu peinlich ist zu erwähnen (na, so schlimm ist es auch nicht): was andere haben, was ich will, weil ich damit eine Erlösung verbinde: und gleichzeitig weiß, daß es diese nicht ist, die ich suche. Wieviel Zeit ist mein Organismus mit längst durchschautem Unsinn beschäftigt, der an der geistigen Oberfläche herumturnt? Achtzig Prozent?

Weil das Leben meine tiefen leeren Töpfe nicht füllt, und weil ich noch nicht gelernt habe, auf den Versuch der Füllung zu verzichten, erzeugt eine offensichtlich intelligente und von mir selbst auf seltsame Weise halbgetrennte Instanz meines Organismus Phantasien. Manche erscheinen als Tagträume (oft solche, die mir Selbstbestätigung geben, weil ich tolle Dinge erreiche), manche als Möglichkeiten, die wesentlich Fakten des Universums erklären.

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Anmerkungen und Betrachtungen zu Grundsätzlichem

Hirnausflüsse von Olaf. Manche wollten das lesen. Wenige, aber immerhin. Es fügt der Welt Informationen hinzu.

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