Über den Beruf

01.05.99

Permalink 00:11:00, von Olaf, 431 Wörter, 532 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Über den Beruf

Gerade zurück von vielen Dingen wie Arbeit, Sport und Unterhaltung: und in dem 125er von Tegel nach hier saß ich und fragte mich, nein, nicht was wohl das Leben sei, denn das hatte ich schon geklärt (eine Anhäufung verwirklichtes Protoplasma), sondern warum ich mich wegen meiner beruflichen Zukunft streßte: denn seit vielleicht einem Jahr (oder lüge ich: vielleicht sind es zwei oder drei, jedenfalls nicht mehr) ging es mir nicht mehr nur ums Überleben, sondern auch um die sogenannte Qualität des Lebens (diese Erkenntnis sollte, einem moralischen Anspruch folgend, den Anja L. in meinen Pamphleten fand (so ihre Email), eigentlich schockieren: aber vielleicht aus Abgeklärtheit, Rechtsdrift oder Realitätseingeständnis tat sie dies nicht).
Neu: auf einmal beruhigte mich der Gedanke, mittel- bis langfristig in diesem Lande nicht des Hungers sterben zu müssen (auch wenn alles ganz schlimm käme), nicht mehr: ich wünschte mir auch, ja laßt es klingen in der Welt aus der ich eigentlich stamme (zu Blumfeld bald mehr), die Erhaltung eines gewissen Komfort. Allzumenschlich? (Still, Friedrich!) Vielleicht, aber was geht es mich an! Mein alter und immer wieder neuer (je neuer, desto innerlicher, aber weniger nach außen dringender) Ansatz ist, dieses zu verspotten.
Aber dann, als der Bus in das schöne Stückchen Wald einbog, was für die, die uns besuchen, immer die Illusion eines Lebens im Draußen kurz erzeugt, fand ich mich wieder (zur Vervollständigung des Verständnisses der Situation muß ich bestätigen, im Laufe des Tages zwei Aspirin, einen halben Liter Wein und ein Glas Ouzo segmentiert zu haben): nein, klang es, nein, sag nein: und sagte dies ein weiteres Mal innerlich zur Leistungsgesellschaft (dazu: (und um dem Kitsch vorzubeugen) ich stresse mich tatsächlich: dies ist ein wirklicher Kampf (ja der Kosovo, die Kriege, der echte Hunger: an dieser Perspektive (die sich im Hinterkopf abspielt) werden wir immer zerbrechen, und jeder unserer Schritte hier wird zum Hohn: aber das Problem ist erkannt und sogar bekannt und wird gängig ignoriert, und dies tue ich hier, wenn auch nur für eine Sekunde, bevor mich das Umfassende wieder ins Lächerliche schiebt (ich aber trotzdem fortfahre mit dem was ich tue)): ich, ohne Abschluß und gesellschaftliche Realität, aber mit passablem Wissen (was die Computer angeht), ringe um mehr davon, damit es irgendwann reicht, um mich sicher zu fühlen, um gewollt zu sein von Leuten, auf die ich eigentlich erbreche: bis es (was? ich?!) mich zurückholt und den unsicheren Weg weist und ich mich wieder spüre.

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Anmerkungen und Betrachtungen zu Grundsätzlichem

Hirnausflüsse von Olaf. Manche wollten das lesen. Wenige, aber immerhin. Es fügt der Welt Informationen hinzu.

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