Über das Wichtige

29.04.99

Permalink 18:00:00, von Olaf, 1306 Wörter, 770 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Über das Wichtige

Schöne Tage (was das Wetter betrifft) wie dieser heutige zwingen mich immer, einen Genuß zu versuchen: dieser scheitert meist und gelingt manchmal, aber der Versuch ist nötig, damit ich am Abend die vergangene (verbrauchte) Zeit nicht als Verlust verbuche und mich 'schlecht' fühle: letzteres ist natürlich nicht 'schlimm', aber trotz aller Einsicht in natürliche Gefühle (und deren grundsätzliche Folgerichtigkeit) strebe ich noch immer ('noch immer' erzeugt eine Erwartung) nach der Vermeidung von Unannehmlichkeiten: beim heutigen Versuch bin ich also recht zeitig (aber im psychologischen Sinne kann es, wie gleich ausgeführt wird, kein 'rechtzeitig' geben) spazieren gegangen, ins Hermsdorfer Fließtal, das in diesen blühenden Apriltagen zumindest theoretisch wunder-wunderschön ist: die Frage ist dann jeweils, wieweit diese Schönheit in der Lage ist, in meinen Organismus zu dringen (stimmt: sicher ist die Frage falsch gestellt: inwieweit kann ich diese Schönheit in meinen Organismus dringen lassen: und in was (welchen Teil dieses Organismus, der 'ich' ja nicht zur Gänze bin, weil ich ihn ständig wie von außen beobachte) dringt diese Schönheit ein, wenn ich sie lasse?: oder noch genauer (denn so spielt es sich ab): in welchen Teil 'will' ich diese Schönheit dringen lassen, denn ich habe ein Motiv, das mit meinem Bild von Erleben (und vielleicht von 'Natur') zusammenhängt, mit dem 'was sein sollte': wahrscheinlich 'will' ich ('was' da will ist bestimmt Thema einer späteren 'Untersuchung'), wenn 'ich das schöne Wetter genießen will', in erster Linie 'nichts versäumen', 'gelebt' und 'erlebt' haben, was 'aus dem Leben herauszuholen' ist: ach könnte ich diesen Unsinn fallen lassen und tun, wonach mir wirklich ist: aber wie soll ich das wissen, wenn soviel Gesellschaft eingedrungen ist in meinen Organismus (da wo ich heute eigentlich die 'Natur' haben 'wollte')?

In dieser Befindlichkeit befand ich mich also, als ich aus der Dingsbumsstraße in das Fließtal einbog, welches mein 'Ziel' (wann immer ich ein solches habe, bin ich gehetzt, bis ich da bin: deswegen bin ich immer gehetzt, weil ich immer auf etwas warte, was dasselbe wie ein Ziel ist) war: es dauerte eines Weile des Spazierens, bis die Tagträume sich ausgelebt hatten und der an sich immer von mir angestrebte 'glückliche Umstand' einer ganz bestimmten Freiheit eingetreten war: der glückliche Umstand war, daß ich (wie immer häufiger) in der Lage war, klar zu denken, 'nachzudenken': ich konnte mir die Frage nach 'dem Wichtigen' und die nach 'dem Wesentlichen' in aller Ruhe stellen, nur hin und wieder abgelenkt von störenden Gedanken oder Insekten (wie jenen, der jetzt gerade kommt (aber der ist nicht störend, da diese Art Text ja gerade das Forum für Assoziationenketten und somit 'störende' Gedanken ist, die in diesem Sinne ja nur 'stören', wenn das Ziel vorhanden ist, namentliche nicht zu haben, sondern nur einen 'frei' gewählten, der dann gewendet und betrachtet wird: oder natürlich gar keinen wie bei einer Meditation): welchen Gewinn halte ich in den Händen, sollte tatsächlich eines Tages jeder Winkel meines 'Organismus' (einschließlich des Gehirns und seiner Ausgeburten) auf Papier oder im WWW geschrieben stehen?): in diesem Zusammenhang erklärt sich auch das 'interessante' Phänomen, daß eine 'Natur'betrachtung im Kino, womöglich mit Musik, oft leichter verdaulich (im Sinne des oben beschriebenen 'Genießens') ist als ein 'reines' 'Natur'erlebnis in der 'Natur' selbst: es gibt keine (oder weniger) störende Gedanken und keine (wirklich keine) störenden Insekten: letztere gibt es nicht, weil die modernen europäischen Kinos weder Ernährungsgrundlagen noch Brutstätten für diese bieten (im Falle von Mücken zwar viel Blut (für deren Eier), aber wenig Wasser (für die Larven): wenn, dann ist es nicht zugänglich, nur für 3,50 DM pro 0,4 l, zu teuer für Mücken, und ich weiß nicht, wie sie auf Kohlensäure reagieren, oder gar auf Cola, die selbst Menschen schädigt: soviel zu störenden Gedanken: da kommt mir noch einer: in einer Textform wie dieser gehe ich offensiv mit störenden Gedanken um, das ist ja eine ganz neue Methode: ich behandle sie wie Pickel oder fertige Kippen: ich drücke sie aus), erstere (habt ihr den Faden noch?), weil das Kino (mit wenigen Ausnahmen) das 'Leben' in jeder Hinsicht übersteigert darstellt (natürlich stellt es nicht 'das Leben' dar, dann wäre es sinnlos, es will besondere Aspekte 'des Lebens' klarstellen, wenn es 'gut' ist, oder via Identifikation Männerträume befriedigen, wenn es 'schlecht' ist (und es ist meistens 'schlecht', auch wenn es sich um diese tollen, spannenden Filme handelt)): aber ich will hier nicht in Medientheorie (die eine Theorie von Lüge, Lüge, Lüge, Wahrheit und Lüge ist) lustwandeln, sondern das 'Natur'erlebnis im Kino mit dem 'echten' (das es eben auch nicht ist, und darum geht es hier) vergleichen und eben feststellen, daß durch die Übersteigerung (mittels intensiverer Farben (Polarisationsfilter oder Computer), Musik, treffender Sprache der ProtagonistInnen (sie wissen immer was zu sagen), einer jedem normalen Leben fremden Erlebnisdichte der ProtagonistInnen, einer vollkommen entfremdeten 'Schönheit' der ProtagonistInnen, Aktion, Reichtum der ProtagonistInnen (im Kino und in echt), einfach gehaltener (selbst in den schwierigen Filmen) Handlungszusammenhänge (das 'wirkliche Leben' ist immer komplizierter), unwahrscheinlicher Ereignisse, summa summarum größerer 'Interessantheit' als das 'wirklich Leben') das Gesehene und Gehörte mehr Raum im betrachtenden 'Organismus' einnimmt (tiefer und umfassender 'eindringt') und gleichsam 'störende Gedanken' überflüssig macht: dies geschieht deshalb, weil die Inhalte der 'störenden Gedanken' ja allzu oft Ereignisse durchspielen und -spulen, die von der/dem Tagträumenden erfunden (Drehbuch) oder modifiziert (Regie) oder neu beurteilt (Kritik) oder, wenn sie als schön empfunden wurden, einfach wieder angeschaut werden (ZuschauerInnen): sie stehen als Ersatz für die 'langweilige' gerade stattfindende 'Realität' (wie den Spaziergang) oder kompensieren eine Unzulänglichkeit, die die eigene Psyche nicht erträgt (wie bei Tagträumen, in denen die/der Träumende heldenhafte Taten begeht: hier wird zum Beispiel die eigene Minderwertigkeit kompensiert (anstatt die Meßlatte auf tieferer Ebene zu hinterfragen)) oder schummeln sich um nicht erlebte Trauer herum oder was auch immer eine Psyche hergibt: dasselbe erreicht ein Film mit anderen Mitteln und macht daher 'störende Gedanken' und Gedanken überhaupt temporär überflüssig: ich in besagtem Fließtal wollte gerade das (in meditativer Manier) heute nicht und, wie gesagt, verscheuchte störende Gedanken (nachdem ich ihnen einige Zeit zur freien Verfügung eingeräumt hatte) wieder und wieder: ich wollte nachdenken.

Da saß ich also unter blühenden, wundervoll duftenden Bäumen neben fließendem und stehendem Wasser auf einer (leicht sumpfigen, wie sich später herausstellte) Wiese, während die Vögel lautstark vor sich hin balzten und nur aus der Ferne der (wenn Gott existiert, möge sie oder ihn ihn verdammen in alle Ewigkeit) Verkehrslärm herüberklang (und sich mit einer Leichtigkeit - wie Lärm überhaupt - in meinen 'Organismus' drängte, gegen die die 'Natur' bislang besser beraten ist, jeden Vergleich zu scheuen): und ich fragte mich, wie so oft auf mein Leben und seinen 'Verlauf' (das ist die zeitliche Perspektive, die wir tiefer verinnerlicht haben als unsere Liebes- und Leidensfähigkeit) blickend, was 'wichtig' ist für das 'Universum' und wie ich dem am besten begegnen (hier: entsprechen; aber genauso gut: widersetzen, kontrollieren) könnte: also hörte ich fiktive Menschen vor meinem inneren Ohr sprechen und sagen: "Gesundheit", "Liebe", "gute Freunde", "Geld", "Frieden", "politisches Engagement", "soziales Engagement", "Sex", "Gott", "Buddha", "einen guten Beruf haben", "Selbstverwirklichung", "bei sich sein", "innere Ruhe", "mit der Natur leben", "Urlaub", uvm.: nun, die richtige Antwort wird zu einem späteren Zeitpunkt an gleicher Stelle veröffentlicht: wichtig (aber hier nicht im umfassenden Sinne) war mir heute nur der Weg zu der Frage, wie ich ihn beschritten.

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Anmerkungen und Betrachtungen zu Grundsätzlichem

Hirnausflüsse von Olaf. Manche wollten das lesen. Wenige, aber immerhin. Es fügt der Welt Informationen hinzu.

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