Sinn

19.12.04

Permalink 19:25:58, von Olaf, 512 Wörter, 682 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Sinn

Die mir wesentlichen Fragen des Daseins finden im mir vertrauten Denken nicht die Spur einer Antwort: also suche ich sie im mir nicht vertrauten Denken, die Schwierigkeiten zu überwinden trachtend und die Unmöglichkeiten zu umschiffen: auch wenn sich ständig, bei beinahe jedem neuen Gedanken, ein Einspruch der aus der Melange aus unserer Kulter und meiner genetischen Disposition und aller weiteren "mich" (die Schwierigkeiten dieses Begriffes lasse "ich" wie immer mal wieder außer acht und verweise auf den praktischen Charakter eines Personalpronomens) ausmachenden Elemente entstehenden Grenzen vernehmen lässt, schreite ich munter in alle Richtungen, von außen verwirrt wirkend, von innen seiend. Beispielsweise bei Untersuchungen der Grenzen von Logik und Kausalität und dem aufrichtigen Vorhaben, dieses vielleicht energetisch oder auch meditativ, in jedem Fall aber ohne Einfluss des Untersuchungsobjektes, durchzuführen, stört jenes unentwegt.

"Sinn"! Früher fragten wir hin und wieder: was ist der Sinn des Lebens? Die geistig weniger Beschenkten unter uns antworteten: sich fortzupflanzen: worauf wir antworteten: und so den Schwarzen Peter weiterzugeben, was entweder nicht verstanden wurde oder mit dem Hinweis auf eine unendliche Reihe kopulierender SinnsucherInnen abgetan wurde. Manche sagten: die Probleme der Menschheit lösen, und wir: und dann? - und sie: na es gibt immer Probleme, daher kein "Dann". Oder: eine gute Zeit haben (in der Tat eine der wenigen validen, wenn auch nicht befriedigenden Antworten). Oder: Gott dienen (aber wir fragten eigentlich nicht nach dem Sinn des Menschseins (wäre die Antwort für ein Schwein dann "gegessen werden"?), sondern des Lebens, und so verschöbe sich die Frage halt auf den Sinn von Gottes Leben (was dann ggf. wieder mal unergründlich wäre), gefragt von denen, die Ihm nicht nur ein Wohlgefallen sein wollten). Oder: andern gutes tun (auch wieder Schwarzer Peter, weil dann müssen die den Sinn für ihre Leben suchen).

"Sinn des Lebens" fragt also erst einmal: Sinn für wen? - weil ein "objektiver" Sinn nicht nur keinen solchen macht (Sinn hier im diskursiven Sinne), sondern von seinem Wesen her ein Zufallsprodukt der Sprache ist (wie ca. 95% aller philosophischen Probleme (manche sagen 100%)), daraus entstanden, dass kein grammatisches Gebot das Zusammensetzen der Worte "objektiv" und "Sinn" verbietet (Grammatik mischt sich generell auf sehr eigene Weise in die Wahrnehmung der Welt und des (existenten oder nicht existenten sei mal egal) Selbst ein). Ich kann "objektiver Sinn" sagen, aber nicht erwarten, dass sich die Welt auf eine endliche Menge sauberer Paare aus Signifikanten und Signifikaten abbilden lässt: darüber hinaus kann ich "objektiv" nicht sauber definieren (die Bedeutung von Sinn habe ich ganz locker aus der Motivation für diesen Text geholt, das ist ok). Wenn ich aber die Möglichkeit der Antwort auf die große allgemeine objektive Frage auf die beinahe beliebig beantwortbare: "Sinn für wen?" reduzieren kann, habe ich die große Frage nach dem Sinn des Lebens eigentlich beantwortet: gibt keinen.

Das sagt wiederum als solches nicht wirklich viel, denn der Begriff "Sinn" ist (was ausgerechnet alle anderen auch) eine menschliche Idee, die nur der Größenwahn dem Universum überstülpt.

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Anmerkungen und Betrachtungen zu Grundsätzlichem

Hirnausflüsse von Olaf. Manche wollten das lesen. Wenige, aber immerhin. Es fügt der Welt Informationen hinzu.

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