Koh Samet, Thailand

04.05.03

Permalink 21:55:55, von Olaf, 631 Wörter, 633 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Koh Samet, Thailand

Einundzwanziguhrfünfundfünfzig ist irgendwie eine typische Zeit: vielleicht hat es früher, als wir noch fernsahen, eine Sendung zu diesem Termin gegeben. Inzwischen aber sitze ich einsam und nicht ganz überzeugt von dem, was ich mir selbst dazu sagen möchte, in meinem Zimmer und warte, dass mich ein Engel anspricht und mir viel von der Last nimmt, die ich nach 36 Jahren noch immer nicht benennen kann und die mein Leben, das eigentlich schön, angenehm, aufregend, sinnlich ist, nur in Rückblicken oder Vorstellungen niemals eintretender Dinge (die aber zu diesem Leben zu passen scheinen, meint meine Phantasie) in positivem Lichte erscheinen lässt: in der Gegenwart selbst aber, jenem Ort, nach dem wir, die wir den Meistern der vielen Schulen der Meditation, die die Menschheit hervorgebracht hat und noch immer hervorbringt (manche ein lauer Aufguss vergessenen Wissens, das noch irgendwo im kollektiven Unbewussten schwebt und in Bierlaune von den entsprechenden langgewandigen ProtagonistInnen aufgefangen und - kurz modernisiert - weitergereicht wird, sei es in der Hoffnung auf Mammon, Ruhm oder göttlichen Lohn), Glauben zu schenken gewohnt sind, das eigentliche Ziel menschlicher Existenz darstellt, habe ich (habt Ihr den Faden dieses Wurstsatzes noch?) nie (mit wenigen pathologischen Ausnahmen, die ich hier lieber nicht beschreibe) genug "loslassen" (weil ich ja von "Last" schreibe) können, um wirklich, ganz und gar entspannt, ohne Reiberei mit dem was nicht ist aber unbedingt sein sollte, einfach zu sein. Und auch hier und jetzt, allein, mit mir und meiner Arbeit (die viel ist, was wirklich eine Neuigkeit auf einer Reise ist), ohne die Chance, willentlich zu guten Kontakten zu kommen (eine Einsicht, die ich mir endlich gönne), aber hungrig danach, im gleichzeitigen Bewusstsein der Beschränktheit beinahe aller Kontakte (genau die wertvollen sind es, die nicht Teil dieser genannten Menge sind), scheitere ich in dem Versuch, "kontaktzufasten", einfach allein zu sein, ein "solitary confinement" ("refinement", wie Rollins es erfunden hat), scheitere am "einfach sein Lassen", gleich ob eine schöne Beziehung in einem schönen Zuhause, eine angenehme Arbeit mit guten Leuten, eine Sicherheit (an die ich nie wirklich glaube, aber das ist ein anderes Thema), gleich ob ich all die Dinge habe, von denen so viele träumen. Ich kann nicht entspannen (derselbe Satz in profanerer Form). Alles ist gut, und das ist es nicht. Und ich weiß das schon lange, und das Wissen erreicht mich nicht.
Auch dass ich mir die Unfähigkeit, über meinen Schatten zu springen, vergeben habe (durchaus ein hehres, erreichtes Ziel, eins von den hehren Zielen, die erreichbar sind, keins von jenen, die, aufgrund welch seltsamer als anerkannt geltender Theorien auch immer, als erreichbar gelten, aber es in Wirklichkeit ("Wirklichkeit", hach, andere haben dazu viel gesagt) nicht sind), ist nicht von Bedeutung in diesem Zusammenhang. Auch dass mein Leben immer besser wird nicht. Auch die Liebe, die Sicherheit nicht. Auch die Einsicht nicht (stimmt, meine Damen und Herren Autoimmunisierer, ob Ihr aus der Gattung der Psychoanalyse kommt oder der Tiefenreligion: es kann sein, dass mir die Einsicht bislang verwehrt geblieben ist; dass ich immer noch rudere im Dunkeln; und ich stimme dem zu: aber dies ist kein Pferd mehr auf das ich setzen mag, die "Eswarnurnichtgenug"-Idee ist so alt und so krank wie die Menschheit selbst: schlimmer noch, "Es war nur nicht genug von demselben" (spaßhaft getoppt von "Nur noch ein bisschen mehr, vielleicht genügt es dann") ist eine Sackgasse: es ist die klassischste aller klassischen menschlichen Sackgassen, Treibsandsackgassen, schwer zu entrinnen: sie ist nicht nur aktiv in dem großen Feld der Suche nach dem inneren Frieden, sondern auch in Beziehungen ("irgendwann muss es doch…") und fast überall sonst). Die Unruhe, der Schmerz bleibt. Immer. Es gibt Hollywood nicht: es ist unser drittes Elternteil, aber (genau wie die beiden anderen!) ohne Entsprechung zur Realität.

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Anmerkungen und Betrachtungen zu Grundsätzlichem

Hirnausflüsse von Olaf. Manche wollten das lesen. Wenige, aber immerhin. Es fügt der Welt Informationen hinzu.

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