Helfen

28.12.04

Permalink 10:00:00, von Olaf, 486 Wörter, 627 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Helfen

Die größte Katastrophe seit langer Zeit, das Seebeben in Südasien im Dezember 2004, fand gerade statt. Wenn ich mich damit beschäftige, beschäftige ich mich jedoch mit mir selbst (zumindest wenn ich hier hinter dem Computer bin, oder auch in meiner sicheren europäischen Stadt) und frage mich, ob es nicht im Grunde allen so geht (sind wir hier, weil sich ein Ego aus den Wirbeln transenergetischen Plasmas gebildet hat, oder hat sich unser Ego gebildet, um uns zu einem anderen Zwecke entstehen zu lassen?). Hin und wieder denke ich nach über das Helfen, denn Sinn und das Leben: es gibt die nicht unverbreitete (aber auch nicht kanonische) Perspektive, dass nur gut und sinnvoll lebt, wer anderen hilft. Das impliziert, neben anderem, dass die, denen geholfen wird, dann nicht mehr gut und sinnvoll, sondern egoistisch, leben, es sei denn, sie hülfen wieder anderen. Es ließe sich argumentieren, dass obige nicht unverbreitete Perspektive genau so lange gelte, bis allen geholfen sei, und dann könnten alle dem sinnlosen Alltag nachgehen, wie er in Deutschland herrscht, oder sie könnten Kunst machen oder Kinder kriegen (aus Sinn-Sicht ist das Weitergeben des Schwarzen Peters an das eigene Kind natürlich verwandt mit dem Helfen). Das Objekt des Helfens ist stets willkürlich: in der Regel wird jenen geholfen, die einem am nächsten stehen, oder es bietet sich ein Job an (es soll noch Ärzte geben, die das Helfen glücklich und zufrieden macht (ein Nebenthema wäre die Untersuchung des Unterschiedes zwischen der (sanktionierten) "Zufriedenheit" und der (negativ besetzten (mein Gott, der Begriff des "negativ Besetzten" ist auch schon ganz schön ausgeleiert)) "Selbstzufriedenheit"); gilt das eigentlich auch, wenn sie jene übergewichtigen, völlig fertigen, bis auf Überbleibsel von Überlebens- und Fressinstinkten desinteressierten, degenerierten Lebewesen heilen (per Nierenersetzung), die dann noch mal für ein paar Jährchen betreut zu Hause wohnen und unglücklich weiter verbittern (nein nein, natürlich muss man sie retten, um jeden Preis; ich wollte nur mal fragen)?). Manche helfen Tieren (sei es jenen barbarisch gequälten in Kosmetikversuchsreihen (der bescheuerte Jugendwahn (Anti-Aging) hat wahrscheinlich schon mehr Tiere zu Tode gefoltert als McDonalds), sei es ausgesetzten Haustieren, sei es Legehennen), die wiederum sowohl von jenen, die anderen Menschen helfen, als auch von jenen Menschen, denen geholfen wird, ihrerseits massenhaft ohne die geringste Reue verzehrt werden, nachdem ihr ganzes Leben eine Qual war. Wenn ich, sagen wir mal, 10.000 Menschen das Leben rette und zu einer Existenz in einer halbwegs zivilisierten Gesellschaft verhelfe, und die kaufen dann Antifaltencreme und essen alle zwei Tage ein halbes Huhn beim Imbiss, was habe ich dann eigentlich getan? - na ich habe meine Werte durchgesetzt, und je absoluter ich sie sehe, desto mehr empöre ich mich, wenn jemand anders das nicht tut. Und auch die Betrachtung des Relativen, der beliebigen Werte, ist wieder einseitig. In welcher Weise also - zurück - ist das Helfen Sinn stiftend?

Pingbacks:

Bisher keine Pingbacks für diesen Eintrag...

Anmerkungen und Betrachtungen zu Grundsätzlichem

Hirnausflüsse von Olaf. Manche wollten das lesen. Wenige, aber immerhin. Es fügt der Welt Informationen hinzu.

Februar 2020
Mo Di Mi Do Fr Sa So
 << <   > >>
          1 2
3 4 5 6 7 8 9
10 11 12 13 14 15 16
17 18 19 20 21 22 23
24 25 26 27 28 29  

Suche

Kategorien

Sonstiges

Wer ist online?

  • Gäste: 7

powered by
b2evolution