Ego

02.12.04

Permalink 11:40:28, von Olaf, 862 Wörter, 789 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Ego

Ja es würde meinem Ego schmeicheln: Gutes tun: und ein Stück von mir will es wohl auch, vielleicht! - nicht in dieser abstrakten Größe als "Gutes", sondern aus dem seltsamen "Mitgefühl" heraus, jenem, das ich habe, wenn ich gequälte Wesen sehe und mich mit ihnen identifiziere - aber die Zweifelhaftigkeit des "Mitgefühls" liegt haargenau auf der Ebene der Zweifelhaftigkeit des "Ich": unwissend was dies sei. "Das Leben sinnvoll gestalten": bis man überhaupt auf die Idee kommt, vergehen im günstigen Fall Jahre: und die Erfüllung dessen ist - wie ausgerechnet wieder mal alles andere auch - gestört von Eindrücken von Coolness und "erlebt Haben": als hätten wir (wir? WIR?) nichts besseres zu tun (und: haben wir? Was ist überhaupt dieses "Tun"? Und was zum übelsten Geier in der Welt ist etwas "Besseres"? Etwas "BESSERES"?). Was zum Geier ist sie, diese "Zufriedenheit"? Wie entsteht sie, wie vergeht sie, und wieso in aller Welt sollten nicht alle - ALLE - Vorstellungen, die sich mit ihrem Kommen und Gehen verbinden - schwachsinnige Illusionen sein?
Manchmal, im Alkohol, wird so etwas wie Bach klarer noch als sonst: kann gar bestehen gegen die Eindrücke des Niedergangs, des Schmerzes der Welt (nicht meines kleinen Weltschmerzes, sondern wirklich: des Schmerzes der Welt): wird wichtig, trotz "klein".
Jedes Element der sinnlichen Welt, jede Ansicht, jeder Spruch, jeder Satz, lässt sich als Klischee auflösen, wenn man nur genau genug schaut.
Man kann immer geschickter werden im Betrügen der diversen Dinge, oder auch immer "ehrlicher", d.h. immer näher an den Ursprüngen der Dinge (die nicht die Dinge selbst sind, nicht so wie wir sie sehen): die Auswirkungen mögen dem ungeübten Auge ähnlich scheinen - das Wesen könnte verschiedener nicht sein. Aber all das sagt nichts über das Potenzial von Betrug oder Ehrlichkeit, als Floß zum Absoluten zu dienen - oder doch? - wenn ja, aufgrund welchen Gesetzes?
Alles Sinnliche ist Gefangenschaft! - aufgrund welchen Gesetzes? Was kann noch losgelassen werden an Ansichten wie diesen, die auch Gefangenschaft sind? was an Aussagen über Rekursionen, die auch Gefangenschaft sind? was an Gefangenschaften, die auch Gefangenschaft sind? was an Aussagen? was bleibt? wenn ich das Bleibende Nichts nenne - auch Gefangenschaft! wenn ich es nicht Nichts nenne - auch! wenn ich es gar nicht erst nenne - auch! wenn ich an dieser Stelle aus dem Spiel aussteige - auch! Warum nicht einfach freudenvoll zwischen dem Endlichen und dem Unendlichen wandern und gut essen?
Wer definierte als ersteR Gefangenschaft?
Wenn mich die sinnliche Welt anwidert, kommt eine Frau meiner Generation (mein Gott: irgendwann waren es Mädchen!) und hält mir ein Kind unter die Nase: "Hier schau mal, das ist wirklich, das ist wirkliches Gefühl" - und wir beide haben recht.
Das unendliche Elend der Welt: einmal etwas schönes erlebt, wollen wir es erst recht nicht mehr: es stört unsere Elegie; einmal Neid erlegt und als das schlimmste der Gefühle empfunden, lieben wir es und nutzen es zur Zerstörung unseres erfolgreichen Gegenübers.
Was also tun? Unsere Theorie, die wunderbaren, im Rausch (Alkohol oder ohne) reflexartig aus dem Hirn geflossenen Sichten und alle Erkenntnis hat nicht den geringsten - nicht den geringsten! - Einfluss auf die allenthalben spürbare Tatsache: wir sind hier. Ob das sich eingeschlichen habende (jedenfalls wenn man das Minimum an spirituellem Mut aufbringt) Anerkennen der eigenen Verantwortung (jenseits des legitimen Zweifel an Wort und Ursprung von "eigen") an der eigenen (dito) Situation vorhanden ist oder nicht: wir müssen damit umgehen: und wenigstens ein Teil des Umgehens muss der Praxis entstammen (auch wenn ein rechter Gedanke in der Lage sein mag, einen Neuralknoten neu zu verknüpfen: auch wenn eine rechte Theorie doch reicht und der Satz außerhalb der Klammer, in der sich dieser befindet, gar nicht richtig ist): und die Praxen, die die Menschheit gesammelt hat für solch einen Fall, sind - Wahnsinn, oder? - an ein oder zwei Händen aufzuzählen: Meditation; Selbstlosigkeit leben (d.h. Verdienst ansammeln und dann auf Gnade hoffen oder auf eine korrekte, aber vorher nicht verstandene kosmische Buchhaltung); Hingabe und Vertrauen (und wenn es nur 100%ig genug ist, wird es schon genügen - und seien die letzten 5% eine Aufgabe ausharrender Geduld); Liebe (der quatschigste unter den Wegen: und deswegen bei meiner verkommenen Menschheit auch attraktivste); Ritual (es muss halt nur das richtige sein: aber zufällig bin ausgerechnet ICH just in der Gesellschaft aufgewachsen, die in dessen Besitz ist (alle andern leider dann doch nicht)); Erkenntnis (halt wissen wie das Optimum herauszukitzeln ist); quasi-zufällige Gnade (oder die Tatsache, dass sowieso alle erlöst sind, letztlich); Aufrichtigkeit - und hier spaltet es sich - a) dem eigenen Wesen gegenüber (mit allen oben spielerisch angedeuteten Implikationen) oder b) der angenommenen externen Entität gegenüber (mag sein Gott, Kraft, Univerum und Konsorten), die Grundlage der Beurteilung und Quelle der Wertschätzung dieser Entität einmal außer Acht lassend; materielle Optimierung ("es gibt da gar nichts, lasst uns unser Leben genießen, mit Krankheiten im Alter das ist Pech, aber irgendwo spielt da auch die Psyche eine Rolle") - verwandt mit "Erkenntnis", aber das Spirituelle negierend (d.h. das, was gerade in der gegebenen Gesellschaft dem Spirituellen zugeordnet ist).

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Anmerkungen und Betrachtungen zu Grundsätzlichem

Hirnausflüsse von Olaf. Manche wollten das lesen. Wenige, aber immerhin. Es fügt der Welt Informationen hinzu.

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