Alp

01.12.03

Permalink 11:57:43, von Olaf Email , 642 Wörter, 713 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Alp

Nach einem anstrengeden Tag voller Programmierung, nach einem anstrengenden Wochenende voller Möglichkeiten, Weihnachten, Advent, TaiJiMen-Diskussion, Thanksgiving (Essen): ich (was ist das nochmal?) im Bett, Cohen singt von der Zukunft, neben dem Bett: 6 Zen-Bücher, 4 über das Dao, zwei Romane, eins über Thai-Küche, ein Atlas über frühe Geschichte und Völkerwanderungen, einiges Zeug mehr, neben mir im Bett Äffchen und Bruno, zwei Stofftiere aus meiner Kindheit (wo ich definitv ein anderer war (welches "Ich" ist ein anderer und welches "Ich" dasselbe? Interessant, die meisten Weisheiten werden sich eines Tages in allgemeinere, elegante, auch lebendige Formen bringen lassen)), Begleiter, ich weiß nicht ob von sich aus lebendig oder mit meiner Energie der Jahrzehnte geladen (oder, und so wird es sein: beide Möglichkeiten falsch aufgrund wie immer falscher Denkvoraussetzungen: was stimmt denn eigentlich noch? - und wenn letztendlich sowieso nichts stimmt: was hat denn zu was noch eine definierbare, nennbare Beziehung? Die coole Qualität am Dao ist nicht, dass es nicht nennbar, begreifbar sichtbar ist: weil das gilt auch für ausgerechnet alles andere). Verwirrung würde ich das meiste nicht nennen: der Verzicht auf Begriffe bringt eher Klarheit und Freiheit, wenn er nicht vollkommen beliebig geschieht, sondern stets von einer seltsamen, unsichtbaren, unfassbaren Energie (bzw.: Nicht-Energie) begleitet ist (in einigen der Zen-Bücher würde jetzt stehen: leer! Und ich bekäme einen Schlag auf den Kopf.

Alles was etwas gilt (eine Musik, ein Gedicht, eine Idee, ein Stofftier, ein Gespräch, eine Freundschaft, ein Schlaf, ein Essen, mehr) muss eine Energie haben (von mir aus ist der Audruck "Energie" - wie übrigens jeder andere auch - eine Metapher: "Metapher" ist in diesem Sinne leer): die Regeln nach denen sie fließt sind komplex: und wenn man Blödsinn lange genug macht (oder verbissen oder geduldig genug), wird er (oder sie) irgendwann gültig: die Gesetze der kosmischen (makro-, mikro-, mittelgroß-) Energien sind zuweilen recht komplex: man kann sie nicht niederschreiben, nur immer wieder neu erfassen: das verwirrt (besonders jene unter uns, die in letzter Konsequenz Beamte sind): mit den richtigen Augen ist es sehr lustig, wie öffentlich (oder auch in kleinen philosohischen Zirkeln, über die ich mich mit diesen Sätzen, wie auch über besagte Öffentlichkeit, erhebe, was ein Irrtum ist) vertretene, sehr ernste Thesen immer zu kurz, zu klein, zu temporär geraten (oder zu groß etc.): es gibt immer eine Perspektive, aus der eine Aussage falsch ist, und es ist immer eine vertretbare These (wenn auch nicht immer platt die Anti-These): und man kann sie immer finden: und die Welt wird leer (seit Huineng ist auch diese These falsch).

Alp: ich dachte an einen nicht gedrehten Film (inspiriert durch die ersten paar Sätze einer Kurzgeschichte von Stanilslaw Lem, die aber damit nichts (schon wieder dieses "Nichts", das immer genau so falsch ist wie das "Ich") zu tun hat), in dem sich Schwarz und Weiß (hier symbolisch wirklich alles vertretend, was man sich darunter vorstellen kann, und noch ein gutes Stück mehr) ewig bekriegen, wertfrei (zum Beispiel kann Weiß Schwarz nicht klarmachen, dass es doch viel schöner wäre, friedlich zusammen zu leben, nach der eigenen Facon selig werdend, jedes in seinem Land oder Energieband oder - bis auf den Punkt - in seiner Yin-Yang-Hälfte): Schwarz knallt Weiß mit einer Pistole ab, aber Weiß, getroffen zusammenbrechend, kann nicht sterben, wird sich wieder erholen, irgendwann wieder die Oberhand behalten und die Welt in seiner Güte ersticken; eine solche Welt ist ein Alptraum: der klassischste aller. Wie sind nur die 10.000 Dinge entstanden?

Indem ich schreibe, werde ich los: nicht alles ist wirklich verdaut ("verdaut" heißt hier: zerebral gestaut, gespeichert, verfügbar, durchdacht): vieles ist einfach ein Ausfluss, und da wir das "Ich" zur Zeit eher aufgelöst haben, sind Frage und Aussage, ob "Ich" damit zu tun habe, verfehlt: es geschieht einfach (im Maschinen-Sinne von Deleuze und Guttari).

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Anmerkungen und Betrachtungen zu Grundsätzlichem

Hirnausflüsse von Olaf. Manche wollten das lesen. Wenige, aber immerhin. Es fügt der Welt Informationen hinzu.

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