Archiv für: November 2004, 21

21.11.04

Permalink 13:18:36, von Olaf Email , 890 Wörter, 841 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Bedrohte Luxuspsyche

Was tun, und wozu: meine Fragen. Was muss ich in Betracht ziehen, um sie zu beantworten? Was will ich, und was ist dieser Wille, dieses Wollen überaupt? Da ist das Ausland, und das "Anderen helfen". Vor vielen Jahren waren es andere Dinge, die ich inzwischen erreicht haben und die mich ein Stück weit, aber nicht vollständig befriedigt haben (Freundin, Band, gute Arbeit, spiritueller Weg und ein paar mehr), die sicher aus der Perspektive vieler Welten, innerhalb als auch außerhalb unserer Gesellschaft, so wünschenswert erscheinen. Soll ich mich, um das Unbehagen zu besiegen, also weiter mit Erreichbarem in der Welt befassen oder lieber mit der Tatsache des Unbehagens selbst: dessen Zusammenhänge erforschen: warum will ich eigentlich kein Kind haben, habe aber Angst, mit 60 keins gehabt zu haben und mir mit 70 von anderen erzählen zu lassen, was ich alles versäumt habe (und es auch tatsächlich versäumt zu haben, wenn auch im Tausch gegen ein gewähltes Leben)? Was zieht mich an Ausland und Abenteuer? Was an Menschen helfen? Wie oft sind die menschlichen Motive schon untersucht worden? Wie viele Antworten sind darauf gegeben worden? Was wäre meine Antwort, für mich?

Viele Aspekte: hilft man anderen und fühlt dabei sein Leben als endlich sinnvoll, wird der Schwarze Peter dann nicht an die anderen weitergereicht? Die die nicht helfen und daher ihren Sinn beziehen (ich weiß: keine redliche Frage, aber ich habe auch niemals behauptet, dass meine Psyche nicht spönne; oder dass es nicht der unendliche Luxus warmer Räume und gesunden Essens sei, der diese Fragen erzeugt)? Und dennoch: die krankende Welt braucht weder einen Computerfachmann noch eine Fleischfachverkäuferin mehr, sondern - ? Ich kann nicht herausfinden, ob mich das nur insoweit interessiert, als ich für das Gefühl eines vollständigen, sinnvollen Lebens (denn das ist nun mal das derzeitige Ego-Motiv des Monats) eine möglichst optimierte Tätigkeit brauche oder ob es in meinen Eingeweiden tatsächlich so etwas wie einerseits eine Einsicht in überlebenstechnische Notwendigkeiten und zweites eine Art authentisches Mitgefühl gibt: oder ob alles im schlechten wie im guten - quasi klingonisch-buddhistischen - Sinne leer ist.

Was tun? Das Ego auflösen, um klarer zu sehen? Wie also klarer sehen, und was? Denn: ist es klarer Sehen, wessen es bedarf, oder entscheiden? Aber wenn letzteres, auf welcher Basis dann? Und wenn ersteres: was habe ich damit zu tun (saubere, aber wie stets halbseitige Lösung auch hier: es gibt kein Ich)? Wo entsteht die Bewegung des Herzens? Hunger entsteht im Magen, aber ist der Hunger identisch mit dem Impuls, den Hunger zu stillen? Ich kann die Implikationen nicht überblicken. Ich könnte auch einfach Geld sammeln für die Armen (oder um meinen - ehrlich! niemals so gemeinten - Zynismus behandeln zu lassen: der nur das Resultat der Begegnung einer nicht einfachen Psyche mit einem diffusen Nebel ist).

Und es ist unmöglich zu sagen, was etwas "bringt": und daher hier kein Kriterium (von ganz offensichtlichen Dummheiten einmal abgesehen (deren Angrenzung zu "nicht ganz offensichtlichen Dummheiten" - zugegeben - Gegenstand einiger Debatten sein könnte)).

Unbehagen. Ich. "Ich". Viele Ichs: das verpönte Ego (verwandt mit dem - oder einigen der - buddhistischen); das fühlende (leidend, sich freuend (warum heißt es eigentlich so herrlich transitiv "ich freue mich" im Gegensatz zu "ich leide" und setzt noch eins drauf mit "ich kann mich nicht leiden"?); das Nicht-Ich; das Denkende; das umfassende (jene wabbelige Definition á la "Gesamtheit von Körper, Geist und Seele" (deren geringstes Verbrechen noch darin besteht, uns den Begriff der Gesamtheit schuldig zu bleiben)); das dienende (postmodern gesellschaftskritisch gesehen eine andere Art von Nicht-Ich). Das Ich kann sich verändern und wird dennoch - als Seele verpackt, mit der Seele als Verpackung oder auch die Seele verpackend - als konstant beschrieben, worauf sein moderner Wert gründet, der "erhalten" werden kann ("Erhaltung von Menschenleben")(ein anderer denkbarer Wert wäre, Leiden, gleich ob einem konstanten Individuum zugeschrieben (oder (scheinbar?) von diesem erlebt) oder einem sich wandelnden Kontinuum zu minimieren): obwohl "ich" inzwischen nicht mehr das Kind bin, dass "ich" war, weder mit diesem auch nur ähnliche Interessen teilend noch ein Herz und eine Seele (natürlich auch nicht verschieden: so wie man zwischen Menschen desselben Staates ähnlichkeiten ausmacht, so findet man auch, angefangen von der Form der Nase bis hin zu seelischen Wunden, genug Identifikationsmomente - man schreibt sie nur anders zu: aber was hinderte mich daran, das Ich als Volk zu definieren und nicht als durch die Zeit bewegtes Fleisch: und ist dies nicht versucht worden?).

Was also tun? Hier ankreuzen (ist die Liste vollständig?):

o Nichts - und das richtig
o Weiter so und hoffen dass was kommt, oder einfach offen sein dafür und nicht hoffen
o Den Kampf gegen soziale Ungerechtigkeit und Umweltverschmutz aufnehmen; sich einen Bereich, z. B. Tierschutz, heraussuchen, oder Reaktorsicherheit
o Nach Erleuchtung oder wenigstens so vielen spirituellen Einsichten wie möglich streben; sich selbst verbessern, das ist dann auch am besten für die Welt
o Nach persönlichem Glück streben: wenn jedeR sich selbst hilft, ist allen geholfen
o Aufhören: sich aufgeben, viel fernsehen, gut frühstücken und hin und wieder einen abgeklärten Spruch rauslassen
o Eine möglichst gesunde Mischung aus allem: hin und wieder meditieren, im Bioladen einkaufen, viel, aber nicht zu viel einer Arbeit nachgehen, Klavier lernen, Amnesty International spenden (www.amnesty-international.org)
o Der Welt Kunst geben oder ein Buch schreiben über ein wichtiges Thema; später dann in einer Talkshow etwas fordern


Hong Kong im Jahre 2004 - die Tusse wirbt für ein nächtlich hautweißendes Mittel (die menschlichen Gesellschaften sind wirklich bis zum Abkotzen relativ)

Anmerkungen und Betrachtungen zu Grundsätzlichem

Hirnausflüsse von Olaf. Manche wollten das lesen. Wenige, aber immerhin. Es fügt der Welt Informationen hinzu.

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