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20.11.04

Permalink 13:17:36, von Olaf Email , 1001 Wörter, 853 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Was tun und Humanismus

Alle Jahre wieder steigen Einsichten (oder sind es Ideen im kurzlebigen Sinne des Wortes) in mir auf: etwas tun; helfen; für etwas anderes als immer nur wieder und wieder mich selbst leben. Humanismus verbreiten. Ich kann jedoch kaum so denken, ohne dass sich sofort die Perspektive der niemals ganz erreichten Wahrheit einstellt, die im Extremfall zur offensichtlichen Lüge verkommt, das andere Extrem (die Wahrheit eben) aber niemals erreicht. Was ist wirklich - wirklich (was ist das schon wieder?) - authentisch? Finde ich nicht in jedem meiner Worte, meiner Gedanken, meiner Handlungen die Falschheit, wenn ich nur genau genug hineinschaue (was ich beinahe nie tue - manchmal tut es der Alkohol für mich, oder die Meditation: im Falle von Alkohol ist das faszinierend: der öffnet zuweilen den Blick nach innen und die Lüge - d.h. in der Regel das Bestätigen der eigenen Größe, was Menschen angeht, und die schnurrenden Methoden zum Erhalt von Futter, was Katzen - nach außen, will sagen: eine immerhin existente - wohl sozial motivierte - Kontrolle über das eigene Verhalten ist dann ein klein wenig hinuntener- und eine andere Ebene des Ego hinaufgefahren). Nichtsdestotrotz: all die Jahre, wenn auch kreativ, mit Musikmachen, Spiritualität vom Feinsten, FreundInnen, Bioessen, einer anspruchsvollen, selbständigen Arbeit in angenehmem Umfeld, einer Psyche die nicht ständig rumzickt, aber auch weder einer gesunden (ja die gibt es wohl) noch einer kranken Flachheit verfällt, kurz einer recht ordentlich optimierten Lebensweise innerhalb, aber nicht zu weit innerhalb und nicht zu anstrengend außerhalb (was früher mein reales Ideal war und heute noch immer ein teilweise ein ideologisches) der Gesellschaft verbracht, müssen irgendwann enden: sei es, dass es aus demselben Luxus heraus geschieht, aus dem ich 90% aller anderen Dinge mache (schmeicheln mir die restlichen 10?), sei es, dass tatsächlich in mir so etwas wie ein echter Wille zum helfen wächst.

Sind jene, die jenseits von Gut und Böse sind, gut oder böse? - weil: irgendwie sind sie gut: in den 60ern linke Hippies, heute das gesellschaftliche Äquivalent: postmoderne Allesse (außer ganz krassen Vergehen ist es egal geworden, was jemand macht, von Punk über Computer über Jazz über Eso ist alles erlaubt: keine Sperre vor der Erleuchtung oder Coolness), es gilt, wie in der Sprache auch, dass der Moment entscheidet, was richtig ist.

Wie klar alles scheint im halluzinogenen Rausch. Und ist Plausibilität nicht auch in der Nüchternheit nur ein Gefühl?

Getrenntheit und Einheit sind jeweils einseitig, genau wie diese Betrachtung. Immer stoßen wir nicht nur an die Grenzen der Worte, sondern auch an die Grenzen des Denkens, Empfindens, Fühlens sowie dessen, was darüber hinaus geht, aber immer noch menschlich ist, sowie dessen, was nicht mehr menschlich ist. Sind Grenzen nur definiert? Und warum ist es möglich, wie kann es möglich sein, dass Sprache über Sprache hinaus geht? So dass die verstehen, die in diesem Moment verstehen, die andern aber nicht?

Denke ich nach, verschwindet es. Denke ich nicht nach, dann denke ich auch nach. Im Rausch fühlt man die Worte, und wenn man in der Nüchternheit fühlt, dass sie falsch sind: fühlt man dann nicht auch nur? Ein Betrunkener, der blöde Worte lallt: fühlt er sie nicht richtig? Und kennen wir nicht genau dieses Gefühl? Aber: es gibt also ein "größeres" Gefühl, eines, das über die Gefühle fühlt, das Gefühl für Wahrheit, und wenn wir die Wahrheit haben, fühlt es über deren Unwahrheit und über die noch erhabenere Wahrheit. Ich nenne es wohl "Gefühl", weil ich keine besseren Worte habe: aber es ist von jenem Geiste, der deklassiert und Dankbare zurücklässt, wenn sie sich öffnen konnten. Alle spüren diesen Geist, und hier kommt eine Überraschung: es ist derselbe Geist, der in einer gegebenen Situation die Machtverhältnisse klärt. Nochmal: der Geist der Wahrheit ist der Geist der Macht. Was sagt uns das über Konstituierung und Konstitution unseres Universums? Und was über die ganz Blöden, die dieser Macht widerstehen? Die weder sensibel für die "Größten" in einem Raum voller Menschen sind, noch für die Existenz der Möglichkeit der Einschätzung ihrer innersten Wahrheit?

Aus jeder Perspektive ist alles eine Zwiebel mit Nichts in der Mitte (hier zeigt sich wieder die Sprache, in der "Nichts" immerhin ein Wort ist: könnte eine Grammatik, die kein Wort für "Nichts" hat, der Welt näher sein? Und weiter: was heißt in bezug auf die Welt "näher", was kann ein Maßstab sein?): mit den "richtigen" (also "wirklich" richtigen (was ist "wirklich"? - wir kommen niemals "raus": aus "was"?)) Augen sieht man die Lüge (die - wow - immer eine "Gewolltheit" ist!! - im Folgenden werde ich herausfinden, ob jede "Gewolltheit", jedes Reden, jede Handlung aus Absicht, auch immer eine Lüge ist, und wenn sie das ist: ob es Abstufungen gibt (und einen plausiblen Maßstab für diese Abstufungen sowie eine objektiven Richter (hohoho), der im Streifalle die Abstufungen der einen oder anderen Partei bestätigt).

Verstehen wir uns alle richtig?: es "gibt" kein "es gibt", denn was soll "geben" schon sein? "Geben"! Was soll jenes von uns implizit angenommene, aber unerkannte Monster sein? Es "gibt" nichts. Ich spiele nicht nur auf das Spiel dieses Wortes mit seiner anderen Bedeutung, nämlich der Entsprechung von "Erhalten" auf der anderen Seite, sondern tatsächlich auf die sprachliche Bestätigung von "Existenz" an. Geben! Was für eine Erfindung. Schnell verstehen wir, dass "Rot" nur in unserem Kopf entsteht. Langsamer verstehen wir, dass ein "Gefühl" keine Eingebung von außen ist. Dazwischen verstehen wir, dass wir dass nicht so einseitig sehen sollten und dass tatsächlich andere Menschen dieselbe Qualität von "Angst" und "Rot" erleben können (zu der Schwierigkeit der "anderen" Menschen kommen wir noch (auch wenn ich für sie schreibe)). Dann schreiten wir (schreiten?) fort, sehen mehr (d.h. verlieren "Wissen"): dass Raum eine Fiktion ist (nicht: sein kann, denn in dieser Sphäre des Denkens ist es sinnlos, von Möglichkeiten zu sprechen): diese Einsicht drängt sich auf als mehr als ein Gefühl (oder eben als Verwandter jenes Gefühls, von dem oben die Rede ist): es ist stets sinnlos, davon zu sprechen (und dies gilt selbst wenn ein Gott oder eine bewusste Alleinheit oder die Natur höchstselbst uns dies in bester Ebenbildmanier eingepflanzt haben: die Trennung von Wort und Sein ist absolut!).

Anmerkungen und Betrachtungen zu Grundsätzlichem

Hirnausflüsse von Olaf. Manche wollten das lesen. Wenige, aber immerhin. Es fügt der Welt Informationen hinzu.

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