Archiv für: 2004

31.12.04

Permalink 10:11:00, von Olaf, 370 Wörter, 791 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Gewissen

Elend, Armut, Systeme, Korruption, Gier, und dann das Gewissen: handle, gib: der Vorwurf, du machtest das nur, um dein Gewissen zu beruhigen: die Überlegung, was das Gewissen sei, ob es nicht genau jenes regulierende Etwas im menschlichen (nur dort? - nein, ich hörte von Hunden: oder ist es bei ihnen die mimisch geschickt umgesetzte Angst vor Strafe?) Organismus sei, das via Emotion zum Herstellen einer sozialen Balance animiere (Animus, animal, Animation)?: die Frage, ob sich das Gewissen nur durch rechtes Handeln am Nächsten/an der Nächsten beruhigen ließe oder auch durch andere Aktionen: ob nicht, wie sich irgend woher (woher nur?) der Verdacht aufdränge, dass die meisten Tätigkeiten von dieser "anderen" Natur seien, will sagen: dass das Gefühl des "schlechten Gewissens" nicht von so exakter Qualität sei wie etwa das Gefühl der "Eifersucht", das - von einigen "kranken" Fällen abgesehen, und auch bei denen bin ich mir nicht sicher - beinahe immer "richtig" liegt: dass das Spenden eine der Möglichkeiten sei, in der Tradition der christlichen Ablassbriefe stehend: dass es viele doch recht bequeme Handlungen gebe, die dies ebenso erreichten (aus calvinistischer Sicht darf Helfen nicht wirklich bequem sein: erstaunlich, woher wir doch kommen, selbst die moralisch angesehene Linke), ohne Bezug zur (darüber hinaus, soweit sie sich nicht im sog. Unmittelbaren abspielt, nicht vorhandenen, weil hyperkomplexen) Wirklichkeit. Nein nein nein: in der überwältigenden, eigentlich "erschlagenden" Mehrzahl der helfenden Fälle geht es um die nackte, brutale Beruhigung einer inneren, mit der Außenwelt lediglich über das (fragwürdige? oder "immerhin vorhandene"? oder einzig mögliche?) Vehikel der Identifikation locker verknüpften Unbehaglichkeit ("das eigene Herz beruhigen" als das wie ausgerechnet immer zentrale, einzige Motiv): lässt die Identifikation (oder auch das Interesse) nach, geht es besser: nach einer geregelten Spende noch besser: nach einer geregelten Handlung noch noch besser (besonders wenn sie zusätzlich das Ego aufpumpt): und so weiter.
Und dennoch ist diese Betrachtung einseitig und irgendwie schmierig: was, wenn sich Herzen wirklich verbinden können?: was, wenn noch andere Dinge "echt" sind als die eigene Psyche?: was, wenn? - aber dies hier ist ja wie immer keine ausgewogene Erörterung im Sinne einer wissenschaftlichen Abhandlung, sondern ein ungesteuerter Hirnfluss.

28.12.04

Permalink 10:00:00, von Olaf, 486 Wörter, 685 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Helfen

Die größte Katastrophe seit langer Zeit, das Seebeben in Südasien im Dezember 2004, fand gerade statt. Wenn ich mich damit beschäftige, beschäftige ich mich jedoch mit mir selbst (zumindest wenn ich hier hinter dem Computer bin, oder auch in meiner sicheren europäischen Stadt) und frage mich, ob es nicht im Grunde allen so geht (sind wir hier, weil sich ein Ego aus den Wirbeln transenergetischen Plasmas gebildet hat, oder hat sich unser Ego gebildet, um uns zu einem anderen Zwecke entstehen zu lassen?). Hin und wieder denke ich nach über das Helfen, denn Sinn und das Leben: es gibt die nicht unverbreitete (aber auch nicht kanonische) Perspektive, dass nur gut und sinnvoll lebt, wer anderen hilft. Das impliziert, neben anderem, dass die, denen geholfen wird, dann nicht mehr gut und sinnvoll, sondern egoistisch, leben, es sei denn, sie hülfen wieder anderen. Es ließe sich argumentieren, dass obige nicht unverbreitete Perspektive genau so lange gelte, bis allen geholfen sei, und dann könnten alle dem sinnlosen Alltag nachgehen, wie er in Deutschland herrscht, oder sie könnten Kunst machen oder Kinder kriegen (aus Sinn-Sicht ist das Weitergeben des Schwarzen Peters an das eigene Kind natürlich verwandt mit dem Helfen). Das Objekt des Helfens ist stets willkürlich: in der Regel wird jenen geholfen, die einem am nächsten stehen, oder es bietet sich ein Job an (es soll noch Ärzte geben, die das Helfen glücklich und zufrieden macht (ein Nebenthema wäre die Untersuchung des Unterschiedes zwischen der (sanktionierten) "Zufriedenheit" und der (negativ besetzten (mein Gott, der Begriff des "negativ Besetzten" ist auch schon ganz schön ausgeleiert)) "Selbstzufriedenheit"); gilt das eigentlich auch, wenn sie jene übergewichtigen, völlig fertigen, bis auf Überbleibsel von Überlebens- und Fressinstinkten desinteressierten, degenerierten Lebewesen heilen (per Nierenersetzung), die dann noch mal für ein paar Jährchen betreut zu Hause wohnen und unglücklich weiter verbittern (nein nein, natürlich muss man sie retten, um jeden Preis; ich wollte nur mal fragen)?). Manche helfen Tieren (sei es jenen barbarisch gequälten in Kosmetikversuchsreihen (der bescheuerte Jugendwahn (Anti-Aging) hat wahrscheinlich schon mehr Tiere zu Tode gefoltert als McDonalds), sei es ausgesetzten Haustieren, sei es Legehennen), die wiederum sowohl von jenen, die anderen Menschen helfen, als auch von jenen Menschen, denen geholfen wird, ihrerseits massenhaft ohne die geringste Reue verzehrt werden, nachdem ihr ganzes Leben eine Qual war. Wenn ich, sagen wir mal, 10.000 Menschen das Leben rette und zu einer Existenz in einer halbwegs zivilisierten Gesellschaft verhelfe, und die kaufen dann Antifaltencreme und essen alle zwei Tage ein halbes Huhn beim Imbiss, was habe ich dann eigentlich getan? - na ich habe meine Werte durchgesetzt, und je absoluter ich sie sehe, desto mehr empöre ich mich, wenn jemand anders das nicht tut. Und auch die Betrachtung des Relativen, der beliebigen Werte, ist wieder einseitig. In welcher Weise also - zurück - ist das Helfen Sinn stiftend?

19.12.04

Permalink 19:25:58, von Olaf, 512 Wörter, 713 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Sinn

Die mir wesentlichen Fragen des Daseins finden im mir vertrauten Denken nicht die Spur einer Antwort: also suche ich sie im mir nicht vertrauten Denken, die Schwierigkeiten zu überwinden trachtend und die Unmöglichkeiten zu umschiffen: auch wenn sich ständig, bei beinahe jedem neuen Gedanken, ein Einspruch der aus der Melange aus unserer Kulter und meiner genetischen Disposition und aller weiteren "mich" (die Schwierigkeiten dieses Begriffes lasse "ich" wie immer mal wieder außer acht und verweise auf den praktischen Charakter eines Personalpronomens) ausmachenden Elemente entstehenden Grenzen vernehmen lässt, schreite ich munter in alle Richtungen, von außen verwirrt wirkend, von innen seiend. Beispielsweise bei Untersuchungen der Grenzen von Logik und Kausalität und dem aufrichtigen Vorhaben, dieses vielleicht energetisch oder auch meditativ, in jedem Fall aber ohne Einfluss des Untersuchungsobjektes, durchzuführen, stört jenes unentwegt.

"Sinn"! Früher fragten wir hin und wieder: was ist der Sinn des Lebens? Die geistig weniger Beschenkten unter uns antworteten: sich fortzupflanzen: worauf wir antworteten: und so den Schwarzen Peter weiterzugeben, was entweder nicht verstanden wurde oder mit dem Hinweis auf eine unendliche Reihe kopulierender SinnsucherInnen abgetan wurde. Manche sagten: die Probleme der Menschheit lösen, und wir: und dann? - und sie: na es gibt immer Probleme, daher kein "Dann". Oder: eine gute Zeit haben (in der Tat eine der wenigen validen, wenn auch nicht befriedigenden Antworten). Oder: Gott dienen (aber wir fragten eigentlich nicht nach dem Sinn des Menschseins (wäre die Antwort für ein Schwein dann "gegessen werden"?), sondern des Lebens, und so verschöbe sich die Frage halt auf den Sinn von Gottes Leben (was dann ggf. wieder mal unergründlich wäre), gefragt von denen, die Ihm nicht nur ein Wohlgefallen sein wollten). Oder: andern gutes tun (auch wieder Schwarzer Peter, weil dann müssen die den Sinn für ihre Leben suchen).

"Sinn des Lebens" fragt also erst einmal: Sinn für wen? - weil ein "objektiver" Sinn nicht nur keinen solchen macht (Sinn hier im diskursiven Sinne), sondern von seinem Wesen her ein Zufallsprodukt der Sprache ist (wie ca. 95% aller philosophischen Probleme (manche sagen 100%)), daraus entstanden, dass kein grammatisches Gebot das Zusammensetzen der Worte "objektiv" und "Sinn" verbietet (Grammatik mischt sich generell auf sehr eigene Weise in die Wahrnehmung der Welt und des (existenten oder nicht existenten sei mal egal) Selbst ein). Ich kann "objektiver Sinn" sagen, aber nicht erwarten, dass sich die Welt auf eine endliche Menge sauberer Paare aus Signifikanten und Signifikaten abbilden lässt: darüber hinaus kann ich "objektiv" nicht sauber definieren (die Bedeutung von Sinn habe ich ganz locker aus der Motivation für diesen Text geholt, das ist ok). Wenn ich aber die Möglichkeit der Antwort auf die große allgemeine objektive Frage auf die beinahe beliebig beantwortbare: "Sinn für wen?" reduzieren kann, habe ich die große Frage nach dem Sinn des Lebens eigentlich beantwortet: gibt keinen.

Das sagt wiederum als solches nicht wirklich viel, denn der Begriff "Sinn" ist (was ausgerechnet alle anderen auch) eine menschliche Idee, die nur der Größenwahn dem Universum überstülpt.

05.12.04

Permalink 00:33:18, von Olaf, 639 Wörter, 744 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Wichtig

Was ist wirklich wichtig?
Welche Kriterien suche ich mir dafür aus?
Welche werden für mich ausgesucht?
Von wem? Oder was?
Ist sie (die Wichtigkeit nämlich) mehr ein psychischer Zustand oder mehr ein gesellschaftliches Regularium von der Sorte, die einem die Eltern aufdrücken?

Abgesehen davon, dass Wichtigkeit, wie (gähn) alle anderen Begriffe auch eine menschliche Erfindung ist (und - gähn - die Frage "was ist" eigentlich immer heißen muss "was meinst du mit"), ist sie und (hohoho Sprachwitz) meistens nicht so wichtig. In unserem Motivationscocktail spielt sie eine eher untergeordnete Rolle (die Knaller sind 1. vor allem der dunkle, unbekannte Bereich (wir "machen" einfach, wenn auch ohne dass es dem "Nichthandeln" im taoistischen Sinne näher verwandt wäre (ein entfernter Verwandter ist es allerdings schon)), 2. die unmittelbare (z.B. Fress-)Lust, 3. die Angst usw.

Die meisten - heftig was die (wir ist "die"? na die da oben, die Göttinnen und Götter und Buddha und so oder die SpieleprogrammiererInnen) mit uns machen - möglichen Kriterien für "Wichtigkeit in meinem Leben" kann ich gar nicht so recht kennen. Da sind zum Beispiel so Sachen wie das Ewige Leben, das ich mit ein wenig Pech gar nicht in die Wiege gelegt bekam, sondern mir irgendwie verdienen muss, ohne dass es eine überzeugende, auf meiner geistigen Entwicklungsstufe (R. Steiner würde hier schreiben: Entwickelungsstufe) verständliche oder auch mit vertretbarem Einsatz erschließbare Anleitung gäbe (einschließlich der Antwort auf die Frage, wozu das denn nun wieder wichtig sei, das Ewige Leben: weil sich ja die tiefere Frage sofort wieder anschließt: was ist denn wichtig im Leben? (aber wir hätten erstmal ein wenig mehr Zeit das herauszufinden als diese popeligen plusminus 80 Jahre, in denen wir meistens auch noch so viel anderes zu tun haben, das auch wichtig ist)). Das ist wie mit dem Fortpflanzen und dieser leicht debilen Verlautbarung, dass das Erzeugen von Nachkommen der erschlagende Sinn im Leben sei - die Frage nach der Wichtigkeit wäre aus dieser Sicht wie ein Schwarzer Peter weitergegeben.

Eine legitime Antwort - eine keineswegs aussagelose Problemverschiebung beinhaltend - wäre: "Sinn ist wichtig": und auf die Frage nach dem Sinn des Lebens (und seine vielen Folgen: "Sinn von 'außen' gegeben" oder "Sinn macht man sich selbst" etc.) kann die Antwort "Spaß wollen wir haben, Annehmlichkeiten fühlen" kaum übertroffen werden: die Idiotie des menschlichen Daseins kann dann nur noch darin bestehen, die albernen Freuden des Alltags für das Nonplusultra zu halten oder an falschen, weil unerreichbaren, Vorstellung von der Quelle der zu einen passenden Lust festzuhalten. Wichtig wird dann das, was zu "Sinn", d.h. Spaß an der Freude führt: und sekundär wichtig wird eine gewisse Einsicht in die Struktur des Universums (oder die Entwicklung eines entsprechenden Instinktes, da das mit der Einsicht in die Struktur des Universums immer so eine Sache ist), mit der sich der wirkliche, unübertreffliche (aber wie kann ich das wissen?) Spaß an der Freude erreichen lässt. Dafür gibt es dann wieder Wege, Weisheiten, Schulen und Religionen.

Hm, das bringt nichts Neues, alles. Weiß auch nicht wie ich auf die Frage kam. Mich beschäftigt eher, wie ich diese bohrende Unruhe wegkriege, die mir vorgaukelt, dass ich was versäume im Leben, wenn ich nicht dies und jenes mache. Wie man Kindern eine Gute-Nacht-Geschichte vorliest, so wollte ich der unbekannten Quelle dieser Unruhe wohl was erzählen von Wichtigkeit, um sie zum Schweigen zu bringen mit der Erkenntnis, dass sich nicht nur jeder Produktions-, sondern auch jeder geistig-seelische Prozess operationalisieren lässt und dass es - weil im Bereich der Operationalisierung alles eins ist - deswegen gar nicht wichtig sein kann, was im Detail nun erlebt wird und was nicht. Spaßoptimierung ist schon ein mühevolles Geschäft: am besten man steigt hier und jetzt aus dem Spiel aus.

Permalink 00:33:03, von Olaf, 498 Wörter, 748 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Authentizität

Ist Authentizität perspektivabhängig? - will sagen: gibt es sie als solche überhaupt, als "Ding an sich"? - und wenn: was soll sie sein? Was ist Ehrlichkeit, was ist der Maßstab dafür? Ist er irgendwo im Universum, oder eine "Selbst"-unabhängige Instanz in einem selbst (wo immer wir genauer schauen, zerfallen alle Begriffe in nichts; das ist nur ein weiteres schönes Beispiel)(und was ist - wie immer dieselbe Frage, dieses ominöse "Selbst"?)(man kann es nicht oft genug sagen: ausgerechnet alle Begriffe werden von ausgerechnet allen Menschen (außer einigen wenigen mit Schweigegelübte und einer unbekannten Anzahl Insassen einschlägiger psychiatrischer Kliniken) sehr, sehr leichtfertig gebraucht (und dennoch kann - unter Zuhilfenahme quasi "energetischer" oder intuitiver Elemente - sinnvoll diskutiert werden (wenn das Ziel der Diskussion nicht - ganz albern - "Recht Haben" ist und darüber hinaus kein Zwang zur Klärung einer Frage im gegebenen paradigmatischen System gegeben (oder selbst auferlegt) ist, sondern lediglich die Grenzen von systemeigenem Denken und systemeigener Begrifflichkeit gefunden werden sollen)))? Oder steckt er - die einfachste, aber leider in der Ergiebigkeit eingeschränkteste Version - in einer teils geschriebenen, teils ungeschriebenen gesellschaftlichen Übereinkunft? Dann wäre die subtile gefühlsmäßige Qualität von Authentizität ein Produkt von Stammesevolution: auch gut.

Im ersten Fall zeige man mir die Instanz (ein Mann mit Rauschebart? aber wer ist dann dessen Instanz? Oder das (welches bitte genau?) Nichts? aber wie könnte es über derlei urteilen?), die entscheidet über die - von mir aus auch - Aufrichtigkeit einer Aussage; oder die - von mir aus auch - Ernsthaftigkeit einer Handlung; oder wie lauter eine Seele ist; oder wie "ehrlich" eine Hilfeleistung. Was (in seiner wahren Form mit seinem wahren Inhalt vermittels seiner Eigenschaft als - von mir aus - "Objektive Instanz an sich")!

Im zweiten Fall (wir erinnern uns: "sei treu dir selbst gegenüber"), wenn der Maßstab mir der authentizitätsmäßig zu validierenden Person entweder zusammenfällt oder geistig, seelisch oder im Fleische in irgend einer Weise verknüpft ist: ist die Frage beinahe dieselbe. Das handelnde Selbst (yeah! sic! was ist das!) wird nicht selbst den Maßstab für Echtheit bilden, sonst wäre absolut alles "ok" (oder ist vielleicht genau das der Fall, und "Alles ist erlaubt", weil es "eigentlich" kein Verbot gibt?). Aber wir entfernen uns weg von der ursprünglichen Frage hin zu jenem Wabbelwesen, das gewöhnlich als "Moral" bezeichnet wird und hier nicht gemeint ist (aber auch sehr, sehr interessant und sauber zerlegbar - aber Dekonstruktionsarbeit ist für beinahe alles und jedes bereits geleistet worden und - trotz ihrer schwerlich leugbaren Verwandschaft zu vorliegenden Texten - selten mein Thema).

Was also ist der zweite Pol, zwischen dem und "mir" die Möglichkeit einer Spannung besteht, wenn ich im weitesten Sinne handle? Bitte ankreuzen:
o Gesellschaft
o Irgendwo in meinem biologischen Fleische
o Irgendwo im (kollektiven?) Unbewussten
o Gibt es nicht, ist alles weder erlaubt noch verboten und damit erlaubt
o Jenseits des Dualen und damit für meinen Verstand Erkenn- und Benennbaren

02.12.04

Permalink 11:40:28, von Olaf, 862 Wörter, 732 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Ego

Ja es würde meinem Ego schmeicheln: Gutes tun: und ein Stück von mir will es wohl auch, vielleicht! - nicht in dieser abstrakten Größe als "Gutes", sondern aus dem seltsamen "Mitgefühl" heraus, jenem, das ich habe, wenn ich gequälte Wesen sehe und mich mit ihnen identifiziere - aber die Zweifelhaftigkeit des "Mitgefühls" liegt haargenau auf der Ebene der Zweifelhaftigkeit des "Ich": unwissend was dies sei. "Das Leben sinnvoll gestalten": bis man überhaupt auf die Idee kommt, vergehen im günstigen Fall Jahre: und die Erfüllung dessen ist - wie ausgerechnet wieder mal alles andere auch - gestört von Eindrücken von Coolness und "erlebt Haben": als hätten wir (wir? WIR?) nichts besseres zu tun (und: haben wir? Was ist überhaupt dieses "Tun"? Und was zum übelsten Geier in der Welt ist etwas "Besseres"? Etwas "BESSERES"?). Was zum Geier ist sie, diese "Zufriedenheit"? Wie entsteht sie, wie vergeht sie, und wieso in aller Welt sollten nicht alle - ALLE - Vorstellungen, die sich mit ihrem Kommen und Gehen verbinden - schwachsinnige Illusionen sein?
Manchmal, im Alkohol, wird so etwas wie Bach klarer noch als sonst: kann gar bestehen gegen die Eindrücke des Niedergangs, des Schmerzes der Welt (nicht meines kleinen Weltschmerzes, sondern wirklich: des Schmerzes der Welt): wird wichtig, trotz "klein".
Jedes Element der sinnlichen Welt, jede Ansicht, jeder Spruch, jeder Satz, lässt sich als Klischee auflösen, wenn man nur genau genug schaut.
Man kann immer geschickter werden im Betrügen der diversen Dinge, oder auch immer "ehrlicher", d.h. immer näher an den Ursprüngen der Dinge (die nicht die Dinge selbst sind, nicht so wie wir sie sehen): die Auswirkungen mögen dem ungeübten Auge ähnlich scheinen - das Wesen könnte verschiedener nicht sein. Aber all das sagt nichts über das Potenzial von Betrug oder Ehrlichkeit, als Floß zum Absoluten zu dienen - oder doch? - wenn ja, aufgrund welchen Gesetzes?
Alles Sinnliche ist Gefangenschaft! - aufgrund welchen Gesetzes? Was kann noch losgelassen werden an Ansichten wie diesen, die auch Gefangenschaft sind? was an Aussagen über Rekursionen, die auch Gefangenschaft sind? was an Gefangenschaften, die auch Gefangenschaft sind? was an Aussagen? was bleibt? wenn ich das Bleibende Nichts nenne - auch Gefangenschaft! wenn ich es nicht Nichts nenne - auch! wenn ich es gar nicht erst nenne - auch! wenn ich an dieser Stelle aus dem Spiel aussteige - auch! Warum nicht einfach freudenvoll zwischen dem Endlichen und dem Unendlichen wandern und gut essen?
Wer definierte als ersteR Gefangenschaft?
Wenn mich die sinnliche Welt anwidert, kommt eine Frau meiner Generation (mein Gott: irgendwann waren es Mädchen!) und hält mir ein Kind unter die Nase: "Hier schau mal, das ist wirklich, das ist wirkliches Gefühl" - und wir beide haben recht.
Das unendliche Elend der Welt: einmal etwas schönes erlebt, wollen wir es erst recht nicht mehr: es stört unsere Elegie; einmal Neid erlegt und als das schlimmste der Gefühle empfunden, lieben wir es und nutzen es zur Zerstörung unseres erfolgreichen Gegenübers.
Was also tun? Unsere Theorie, die wunderbaren, im Rausch (Alkohol oder ohne) reflexartig aus dem Hirn geflossenen Sichten und alle Erkenntnis hat nicht den geringsten - nicht den geringsten! - Einfluss auf die allenthalben spürbare Tatsache: wir sind hier. Ob das sich eingeschlichen habende (jedenfalls wenn man das Minimum an spirituellem Mut aufbringt) Anerkennen der eigenen Verantwortung (jenseits des legitimen Zweifel an Wort und Ursprung von "eigen") an der eigenen (dito) Situation vorhanden ist oder nicht: wir müssen damit umgehen: und wenigstens ein Teil des Umgehens muss der Praxis entstammen (auch wenn ein rechter Gedanke in der Lage sein mag, einen Neuralknoten neu zu verknüpfen: auch wenn eine rechte Theorie doch reicht und der Satz außerhalb der Klammer, in der sich dieser befindet, gar nicht richtig ist): und die Praxen, die die Menschheit gesammelt hat für solch einen Fall, sind - Wahnsinn, oder? - an ein oder zwei Händen aufzuzählen: Meditation; Selbstlosigkeit leben (d.h. Verdienst ansammeln und dann auf Gnade hoffen oder auf eine korrekte, aber vorher nicht verstandene kosmische Buchhaltung); Hingabe und Vertrauen (und wenn es nur 100%ig genug ist, wird es schon genügen - und seien die letzten 5% eine Aufgabe ausharrender Geduld); Liebe (der quatschigste unter den Wegen: und deswegen bei meiner verkommenen Menschheit auch attraktivste); Ritual (es muss halt nur das richtige sein: aber zufällig bin ausgerechnet ICH just in der Gesellschaft aufgewachsen, die in dessen Besitz ist (alle andern leider dann doch nicht)); Erkenntnis (halt wissen wie das Optimum herauszukitzeln ist); quasi-zufällige Gnade (oder die Tatsache, dass sowieso alle erlöst sind, letztlich); Aufrichtigkeit - und hier spaltet es sich - a) dem eigenen Wesen gegenüber (mit allen oben spielerisch angedeuteten Implikationen) oder b) der angenommenen externen Entität gegenüber (mag sein Gott, Kraft, Univerum und Konsorten), die Grundlage der Beurteilung und Quelle der Wertschätzung dieser Entität einmal außer Acht lassend; materielle Optimierung ("es gibt da gar nichts, lasst uns unser Leben genießen, mit Krankheiten im Alter das ist Pech, aber irgendwo spielt da auch die Psyche eine Rolle") - verwandt mit "Erkenntnis", aber das Spirituelle negierend (d.h. das, was gerade in der gegebenen Gesellschaft dem Spirituellen zugeordnet ist).

27.11.04

Permalink 11:35:51, von Olaf, 372 Wörter, 669 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Kosten-Nutzen

Ganz nüchtern, vielleicht als Kosten-Nutzen-Rechnung: was haben wir eigentlich vom und im Leben zu gewinnen? - schließlich nicht wissend (jedenfalls die meisten unter uns, da bin ich sicher), woher wir kommen, wer wir sind und wohin wir gehen, in die Welt geworfen wie ein Hund ohne Knochen, ausgestattet mit Zeit, der Fähigkeit, sich denkend und fühlend in einem angenommenen Raum zu bewegen und die Existenz durch allerhand Aktivitäten (und sei es die Stütze vom Amt zu holen) zu erhalten, zwar mit Vorstellungen und Ideen über alles, meist nicht ausgearbeitet, meist nicht auf einem echten Interesse basierend, nicht in der Lage, die Frage nach dem Leben überhaupt zu stellen, im Geiste und in der Seele (was immer diese nun wieder sind) zu erfassen, sich selbst (was immer das) derart zu erweitern, dass die ungeheuerliche Frage nach dem Ursprung einen angemessenen Platz hat (und nicht während der diesen Platz schaffenden Auswärtsbewegung des eigenen Herzen und Brustkorbs bei einem Zehntel des nötigen Volumens abzubrechen und "Gott" oder dergleichen zu rufen und irgendwelchen Wahnbewegungen und -sprüchen zu verfallen); und aber auch nicht, als mögliche Alternative, sich in eine Welt bewegend, in der die Frage nicht stellbar ist, keinen Sinn macht (was legitim wäre): vielleicht fühlt sich so ein Essigbaum (vielleicht aber auch nicht - er ist, was diesen Bereich des Daseins und Nichtseins und was mehr angeht so fremd wie ein Polarbär, ein Stein oder ein Stern (schätzt sich glücklich, wer zu einem dieser Nähe hergestellt hat?)). Wonach also streben? Die einfachen Antworten können wir leicht abblättern (auch wenn sie - je nach Perspektive - natürlich vollkommen valide sind): lustige Gefühle (Spaß wäre eins); angenehme Gefühle (lecker Essen); schöne, möglichst tiefe Gefühle (Liebe und Sex - hier in einem waghalsigen Akt mal eben zusammengeworfen); esoterische Gefühle (heutzutage meist Balance und Ausgeglichenheit); und so weiter (wobei ich kneife, mehr fällt mir grade nicht ein, und auch das Genannte ist aufeinander abbildbar).

23.11.04

Permalink 11:50:51, von Olaf Email , 345 Wörter, 759 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Normal

2004 - ein unglaubliches Datum in der Zukunft, wie Lutz bereits 2002 an einem Abend im Übungsraum meinte. Das wird nicht besser. Vor vielen Jahren sah ich mich mit 33 als ausgeglichenen Typen in einem modernen, aber irgendwie linken Sacko, gute, coole Sachen machend. Das war vor Jahren. Inzwischen ist alles nicht verkehrt (sieht man vielleicht davon ab, dass alles verkehrt ist (aber was heißt verkehrt? - es löst sich natürlich (wie ausgerechnet alle andern Dinge auch) auf, verfolgt man es bis zu seinem Ende: "verkehrt" bezogen auf was? lautet die Frage und setzt das "was" gleich entweder absolut oder symmetrisch zum "verkehrt" - hach!)), moderat, sinnlos, relativ luxuriös, pro Jahr weniger Leid als in früheren Jahren im Monat. Satt. Unbehagen unter 20%, Tendenz schwankend. Produzierend. Was ist noch aus uns geworden? Aus allen was anderes? Haben es auch welche nicht geschafft? "Es"? Weniger als 10% Nihilismus, aber auch weniger als 30% wirklich, ich meine wirklich "ernst". Vieles beliebig, wie ein Gespräch im Rausch, bei dem neben enthemmter Offenheit auch Gefühle zweiter Klasse nach außen treten, weil es eine Illusion ist, dass nichts gefiltert wird: Alk-Rausch ist ein Filter, gar ein besonders perfider: sehen wir genau hin, wird die Liebeserklärung (ebenso wie die des Hasses, die aber viel seltener auftritt, weil ihr Rahmen eher die Therapie ist als die Kneipe) darin zu einer Art selektivem Versteckspiel, nicht nur hinter dem Rausch selbst wird sich versteckt, sondern es werden Gefühle aus einer geschützten Entfernung an herausgestreckter Hand dem oder der Angebeteten zur freien Verfügung vor die Nase gehalten, wobei die Qualität der Intensität tendenziell nach unten schwankt (vereinzelt nach oben, bei besonders gehemmten Charakteren); ferner werden Gefühle gefälscht! - aus der Lust nach Gefühl soll ein Gefühl werden, und der Rausch hilft uns bei der Lüge (in ähnlicher Weise sagt man auch "sie oder ihn sich schön saufen)(zugegeben, die andere Seite ist, dass auch unser aller Blick gefälscht ist, quasi ein gesellschaftliches a priori: wir ersetzen hier nur eine Fälschung durch eine andere).

21.11.04

Permalink 13:18:36, von Olaf Email , 890 Wörter, 838 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Bedrohte Luxuspsyche

Was tun, und wozu: meine Fragen. Was muss ich in Betracht ziehen, um sie zu beantworten? Was will ich, und was ist dieser Wille, dieses Wollen überaupt? Da ist das Ausland, und das "Anderen helfen". Vor vielen Jahren waren es andere Dinge, die ich inzwischen erreicht haben und die mich ein Stück weit, aber nicht vollständig befriedigt haben (Freundin, Band, gute Arbeit, spiritueller Weg und ein paar mehr), die sicher aus der Perspektive vieler Welten, innerhalb als auch außerhalb unserer Gesellschaft, so wünschenswert erscheinen. Soll ich mich, um das Unbehagen zu besiegen, also weiter mit Erreichbarem in der Welt befassen oder lieber mit der Tatsache des Unbehagens selbst: dessen Zusammenhänge erforschen: warum will ich eigentlich kein Kind haben, habe aber Angst, mit 60 keins gehabt zu haben und mir mit 70 von anderen erzählen zu lassen, was ich alles versäumt habe (und es auch tatsächlich versäumt zu haben, wenn auch im Tausch gegen ein gewähltes Leben)? Was zieht mich an Ausland und Abenteuer? Was an Menschen helfen? Wie oft sind die menschlichen Motive schon untersucht worden? Wie viele Antworten sind darauf gegeben worden? Was wäre meine Antwort, für mich?

Viele Aspekte: hilft man anderen und fühlt dabei sein Leben als endlich sinnvoll, wird der Schwarze Peter dann nicht an die anderen weitergereicht? Die die nicht helfen und daher ihren Sinn beziehen (ich weiß: keine redliche Frage, aber ich habe auch niemals behauptet, dass meine Psyche nicht spönne; oder dass es nicht der unendliche Luxus warmer Räume und gesunden Essens sei, der diese Fragen erzeugt)? Und dennoch: die krankende Welt braucht weder einen Computerfachmann noch eine Fleischfachverkäuferin mehr, sondern - ? Ich kann nicht herausfinden, ob mich das nur insoweit interessiert, als ich für das Gefühl eines vollständigen, sinnvollen Lebens (denn das ist nun mal das derzeitige Ego-Motiv des Monats) eine möglichst optimierte Tätigkeit brauche oder ob es in meinen Eingeweiden tatsächlich so etwas wie einerseits eine Einsicht in überlebenstechnische Notwendigkeiten und zweites eine Art authentisches Mitgefühl gibt: oder ob alles im schlechten wie im guten - quasi klingonisch-buddhistischen - Sinne leer ist.

Was tun? Das Ego auflösen, um klarer zu sehen? Wie also klarer sehen, und was? Denn: ist es klarer Sehen, wessen es bedarf, oder entscheiden? Aber wenn letzteres, auf welcher Basis dann? Und wenn ersteres: was habe ich damit zu tun (saubere, aber wie stets halbseitige Lösung auch hier: es gibt kein Ich)? Wo entsteht die Bewegung des Herzens? Hunger entsteht im Magen, aber ist der Hunger identisch mit dem Impuls, den Hunger zu stillen? Ich kann die Implikationen nicht überblicken. Ich könnte auch einfach Geld sammeln für die Armen (oder um meinen - ehrlich! niemals so gemeinten - Zynismus behandeln zu lassen: der nur das Resultat der Begegnung einer nicht einfachen Psyche mit einem diffusen Nebel ist).

Und es ist unmöglich zu sagen, was etwas "bringt": und daher hier kein Kriterium (von ganz offensichtlichen Dummheiten einmal abgesehen (deren Angrenzung zu "nicht ganz offensichtlichen Dummheiten" - zugegeben - Gegenstand einiger Debatten sein könnte)).

Unbehagen. Ich. "Ich". Viele Ichs: das verpönte Ego (verwandt mit dem - oder einigen der - buddhistischen); das fühlende (leidend, sich freuend (warum heißt es eigentlich so herrlich transitiv "ich freue mich" im Gegensatz zu "ich leide" und setzt noch eins drauf mit "ich kann mich nicht leiden"?); das Nicht-Ich; das Denkende; das umfassende (jene wabbelige Definition á la "Gesamtheit von Körper, Geist und Seele" (deren geringstes Verbrechen noch darin besteht, uns den Begriff der Gesamtheit schuldig zu bleiben)); das dienende (postmodern gesellschaftskritisch gesehen eine andere Art von Nicht-Ich). Das Ich kann sich verändern und wird dennoch - als Seele verpackt, mit der Seele als Verpackung oder auch die Seele verpackend - als konstant beschrieben, worauf sein moderner Wert gründet, der "erhalten" werden kann ("Erhaltung von Menschenleben")(ein anderer denkbarer Wert wäre, Leiden, gleich ob einem konstanten Individuum zugeschrieben (oder (scheinbar?) von diesem erlebt) oder einem sich wandelnden Kontinuum zu minimieren): obwohl "ich" inzwischen nicht mehr das Kind bin, dass "ich" war, weder mit diesem auch nur ähnliche Interessen teilend noch ein Herz und eine Seele (natürlich auch nicht verschieden: so wie man zwischen Menschen desselben Staates ähnlichkeiten ausmacht, so findet man auch, angefangen von der Form der Nase bis hin zu seelischen Wunden, genug Identifikationsmomente - man schreibt sie nur anders zu: aber was hinderte mich daran, das Ich als Volk zu definieren und nicht als durch die Zeit bewegtes Fleisch: und ist dies nicht versucht worden?).

Was also tun? Hier ankreuzen (ist die Liste vollständig?):

o Nichts - und das richtig
o Weiter so und hoffen dass was kommt, oder einfach offen sein dafür und nicht hoffen
o Den Kampf gegen soziale Ungerechtigkeit und Umweltverschmutz aufnehmen; sich einen Bereich, z. B. Tierschutz, heraussuchen, oder Reaktorsicherheit
o Nach Erleuchtung oder wenigstens so vielen spirituellen Einsichten wie möglich streben; sich selbst verbessern, das ist dann auch am besten für die Welt
o Nach persönlichem Glück streben: wenn jedeR sich selbst hilft, ist allen geholfen
o Aufhören: sich aufgeben, viel fernsehen, gut frühstücken und hin und wieder einen abgeklärten Spruch rauslassen
o Eine möglichst gesunde Mischung aus allem: hin und wieder meditieren, im Bioladen einkaufen, viel, aber nicht zu viel einer Arbeit nachgehen, Klavier lernen, Amnesty International spenden (www.amnesty-international.org)
o Der Welt Kunst geben oder ein Buch schreiben über ein wichtiges Thema; später dann in einer Talkshow etwas fordern


Hong Kong im Jahre 2004 - die Tusse wirbt für ein nächtlich hautweißendes Mittel (die menschlichen Gesellschaften sind wirklich bis zum Abkotzen relativ)

20.11.04

Permalink 13:17:36, von Olaf Email , 1001 Wörter, 849 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Was tun und Humanismus

Alle Jahre wieder steigen Einsichten (oder sind es Ideen im kurzlebigen Sinne des Wortes) in mir auf: etwas tun; helfen; für etwas anderes als immer nur wieder und wieder mich selbst leben. Humanismus verbreiten. Ich kann jedoch kaum so denken, ohne dass sich sofort die Perspektive der niemals ganz erreichten Wahrheit einstellt, die im Extremfall zur offensichtlichen Lüge verkommt, das andere Extrem (die Wahrheit eben) aber niemals erreicht. Was ist wirklich - wirklich (was ist das schon wieder?) - authentisch? Finde ich nicht in jedem meiner Worte, meiner Gedanken, meiner Handlungen die Falschheit, wenn ich nur genau genug hineinschaue (was ich beinahe nie tue - manchmal tut es der Alkohol für mich, oder die Meditation: im Falle von Alkohol ist das faszinierend: der öffnet zuweilen den Blick nach innen und die Lüge - d.h. in der Regel das Bestätigen der eigenen Größe, was Menschen angeht, und die schnurrenden Methoden zum Erhalt von Futter, was Katzen - nach außen, will sagen: eine immerhin existente - wohl sozial motivierte - Kontrolle über das eigene Verhalten ist dann ein klein wenig hinuntener- und eine andere Ebene des Ego hinaufgefahren). Nichtsdestotrotz: all die Jahre, wenn auch kreativ, mit Musikmachen, Spiritualität vom Feinsten, FreundInnen, Bioessen, einer anspruchsvollen, selbständigen Arbeit in angenehmem Umfeld, einer Psyche die nicht ständig rumzickt, aber auch weder einer gesunden (ja die gibt es wohl) noch einer kranken Flachheit verfällt, kurz einer recht ordentlich optimierten Lebensweise innerhalb, aber nicht zu weit innerhalb und nicht zu anstrengend außerhalb (was früher mein reales Ideal war und heute noch immer ein teilweise ein ideologisches) der Gesellschaft verbracht, müssen irgendwann enden: sei es, dass es aus demselben Luxus heraus geschieht, aus dem ich 90% aller anderen Dinge mache (schmeicheln mir die restlichen 10?), sei es, dass tatsächlich in mir so etwas wie ein echter Wille zum helfen wächst.

Sind jene, die jenseits von Gut und Böse sind, gut oder böse? - weil: irgendwie sind sie gut: in den 60ern linke Hippies, heute das gesellschaftliche Äquivalent: postmoderne Allesse (außer ganz krassen Vergehen ist es egal geworden, was jemand macht, von Punk über Computer über Jazz über Eso ist alles erlaubt: keine Sperre vor der Erleuchtung oder Coolness), es gilt, wie in der Sprache auch, dass der Moment entscheidet, was richtig ist.

Wie klar alles scheint im halluzinogenen Rausch. Und ist Plausibilität nicht auch in der Nüchternheit nur ein Gefühl?

Getrenntheit und Einheit sind jeweils einseitig, genau wie diese Betrachtung. Immer stoßen wir nicht nur an die Grenzen der Worte, sondern auch an die Grenzen des Denkens, Empfindens, Fühlens sowie dessen, was darüber hinaus geht, aber immer noch menschlich ist, sowie dessen, was nicht mehr menschlich ist. Sind Grenzen nur definiert? Und warum ist es möglich, wie kann es möglich sein, dass Sprache über Sprache hinaus geht? So dass die verstehen, die in diesem Moment verstehen, die andern aber nicht?

Denke ich nach, verschwindet es. Denke ich nicht nach, dann denke ich auch nach. Im Rausch fühlt man die Worte, und wenn man in der Nüchternheit fühlt, dass sie falsch sind: fühlt man dann nicht auch nur? Ein Betrunkener, der blöde Worte lallt: fühlt er sie nicht richtig? Und kennen wir nicht genau dieses Gefühl? Aber: es gibt also ein "größeres" Gefühl, eines, das über die Gefühle fühlt, das Gefühl für Wahrheit, und wenn wir die Wahrheit haben, fühlt es über deren Unwahrheit und über die noch erhabenere Wahrheit. Ich nenne es wohl "Gefühl", weil ich keine besseren Worte habe: aber es ist von jenem Geiste, der deklassiert und Dankbare zurücklässt, wenn sie sich öffnen konnten. Alle spüren diesen Geist, und hier kommt eine Überraschung: es ist derselbe Geist, der in einer gegebenen Situation die Machtverhältnisse klärt. Nochmal: der Geist der Wahrheit ist der Geist der Macht. Was sagt uns das über Konstituierung und Konstitution unseres Universums? Und was über die ganz Blöden, die dieser Macht widerstehen? Die weder sensibel für die "Größten" in einem Raum voller Menschen sind, noch für die Existenz der Möglichkeit der Einschätzung ihrer innersten Wahrheit?

Aus jeder Perspektive ist alles eine Zwiebel mit Nichts in der Mitte (hier zeigt sich wieder die Sprache, in der "Nichts" immerhin ein Wort ist: könnte eine Grammatik, die kein Wort für "Nichts" hat, der Welt näher sein? Und weiter: was heißt in bezug auf die Welt "näher", was kann ein Maßstab sein?): mit den "richtigen" (also "wirklich" richtigen (was ist "wirklich"? - wir kommen niemals "raus": aus "was"?)) Augen sieht man die Lüge (die - wow - immer eine "Gewolltheit" ist!! - im Folgenden werde ich herausfinden, ob jede "Gewolltheit", jedes Reden, jede Handlung aus Absicht, auch immer eine Lüge ist, und wenn sie das ist: ob es Abstufungen gibt (und einen plausiblen Maßstab für diese Abstufungen sowie eine objektiven Richter (hohoho), der im Streifalle die Abstufungen der einen oder anderen Partei bestätigt).

Verstehen wir uns alle richtig?: es "gibt" kein "es gibt", denn was soll "geben" schon sein? "Geben"! Was soll jenes von uns implizit angenommene, aber unerkannte Monster sein? Es "gibt" nichts. Ich spiele nicht nur auf das Spiel dieses Wortes mit seiner anderen Bedeutung, nämlich der Entsprechung von "Erhalten" auf der anderen Seite, sondern tatsächlich auf die sprachliche Bestätigung von "Existenz" an. Geben! Was für eine Erfindung. Schnell verstehen wir, dass "Rot" nur in unserem Kopf entsteht. Langsamer verstehen wir, dass ein "Gefühl" keine Eingebung von außen ist. Dazwischen verstehen wir, dass wir dass nicht so einseitig sehen sollten und dass tatsächlich andere Menschen dieselbe Qualität von "Angst" und "Rot" erleben können (zu der Schwierigkeit der "anderen" Menschen kommen wir noch (auch wenn ich für sie schreibe)). Dann schreiten wir (schreiten?) fort, sehen mehr (d.h. verlieren "Wissen"): dass Raum eine Fiktion ist (nicht: sein kann, denn in dieser Sphäre des Denkens ist es sinnlos, von Möglichkeiten zu sprechen): diese Einsicht drängt sich auf als mehr als ein Gefühl (oder eben als Verwandter jenes Gefühls, von dem oben die Rede ist): es ist stets sinnlos, davon zu sprechen (und dies gilt selbst wenn ein Gott oder eine bewusste Alleinheit oder die Natur höchstselbst uns dies in bester Ebenbildmanier eingepflanzt haben: die Trennung von Wort und Sein ist absolut!).

06.01.04

Permalink 13:28:18, von Olaf Email , 424 Wörter, 765 Ansichten   German (DE)
Kategorien: Tage

Seltsam

Kurz vor Mitternacht: seltsam: schon allein die Tatsache (mein Gott jetzt wird alles wirklich wichtig!), dass ich quasi alles als seltsam empfinde (die Beziehungen, das Leben, die Gedanken, die Gefühle (in dieser Reihenfolge), das Sein, die Wissenschaft, die Philosophie, die Musik, die Bilder, die Atome, die Schränke, die Autos, die Bäume (die Reihenfolge ist verloren, ich zähle nur auf)): ohnehin ist nichts was ich es gelernt habe zu sein (seltsamer Satz auch, aber zu verstehen), aber das ist es nicht: das Seltsame in den Dingen sitzt tiefer; es ist auch nicht Entfremdung (von Marx geprägter Begriff, um dem Klassenkampf ein wenig Stoff zugeben und die pubertierenden Erkenntnisjugendlichen zu verpflegen), die uns (und zwar uns allen, wenn wir genau schauen, auch den Naturmenschen!) das Gefühl, die Empfindung verschafft: es ist das Leben selbst (diesmal stimmt der Begriff: denn "das Leben selbst" ist durchaus kein selbstverständliches, sondern die Entität (ja es ist eine), in die wir hineingestopft wurden), das seltsam ist. Die Ahnung des Aufwachens liegt in mir (in uns?: diesmal weiß ich es nicht); die Ahnung einer fremden, aber der eigentlichen Welt, die sich hinter dieser Show hier, aus der ich nicht ausbrechen kann, verbirgt: aufwachen und in einem Nichts sein, das nicht dem Nichts entspricht, das wir als das Gegenteil von aller Existenz definieren (und aus dem auch "Nichts" entstehen (vielleicht außer der prinzipiell unbeantwortbaren Grundfrage der Philosophie und dem Universum einschließlich Zeit und 46 anderen Dimensionen und materiekonstituierender Geistesgeometrie) kann, sondern irgendwo in der Mitte und Nicht-Mitte und Nicht-Nicht-Mitte usw. (aus diesem Satz ausbrechend).

Seltsam: irgendwie weiß ich, dass ihr alle es in euch findet: die grundsätzliche Irrealität aller Handlung, allen Seins: als wäre alles eine Farce (das ist negativ, ich weiß, weil es ist auch alles so wunder-wunder-schön), vielleicht ein Gefängnis, vielleicht eine Schule, was auch immer: Geschmäcker, Gefühle, die so echt sind; Situationen die so falsch sind: Theater und dennoch in uns drin, als wären wir Teil der Staffage. Und ohne jeden Zweifel kann uns niemand die Frage nach demWoher und gar (die etwas illegitimere) nach dem Warum beantworten (auch wenn sie sich einige Leute stellen, verblüffend wenige zwar, aber immerhin, so runter ist das Universum doch nicht, es gibt Löcher die nach draußen führen, was auch schon wieder - diesmal im verschwörungstechnischen Sinne ("Verschwörung der GöttInnen") - seltsam ist): sie ist zumindest nicht sprachlich, nicht gedanklich, und vermutlich kann man sie auch nicht fühlen (lediglich einige taoistische Schulen und die Creme-de-la-creme des Zen kann sie auf einer nicht weiter benennbaren Ebene - weil jeder Name ist falsch - benennenen): und dies riecht nach einer Idee.

Anmerkungen und Betrachtungen zu Grundsätzlichem

Hirnausflüsse von Olaf. Manche wollten das lesen. Wenige, aber immerhin. Es fügt der Welt Informationen hinzu.

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